Rot-schwarzer Geheimgipfel & Wahlkampfplanung

Es schlägt wieder einmal eine Minute vor Mitternacht für die ungeliebte rot-schwarze Koalition. Rote wie Schwarze bereiten sich derzeit – wieder einmal – auf Neuwahlen vor. Doch trotz allen Chaos, trotz aller wechselseitiger Animositäten zögern die Parteispitzen von SPÖ und ÖVP noch, ihre unerträgliche Schwierigkeit des Seins endlich zu beenden. Zu groß ist ihre Angst, dass „am Ende der Heinz-Christian Strache als Gewinner übrig bleibt“, wie es ein VP-Minister offen formuliert. Und so werden sich die rot-schwarzen Kämpfer eben kommenden Samstag – psst: top secret – unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit oder ihrer eigenen Mitarbeiter noch einmal zu einem geheimen Krisengipfel in Wien treffen.

Dort wollen SP-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, VP-Vizekanzler Wilhelm Molterer, die Regierungskoordinatoren Josef Pröll und Werner Faymann sowie andere rot-schwarze Spitzenpolitiker noch einmal über mögliche Auswege aus den aktuellsten Koalitionsstreitigkeiten um Gesundheitsreform und Pensionsautomatik verhandeln. Am Sonntag setzen sich dann die schwarzen Spitzen und die roten Granden mit ihren jeweiligen Parteifreunden zu getrennten Beratungen zusammen, um danach das EURO-Finale in Wien zu besuchen. Ob sie dort gemeinsam jubeln oder sich dann schon mitten im Wahlkampf befinden werden, weiß zur Stunde noch keiner in dieser Koalition. „Derzeit ist alles möglich, ein sehr rascher Wahltermin oder aber ein neuer Friedensschluss.

Die nächs-ten Tage werden entscheiden, ob wir bis Herbst durchhalten“, sagt ein VP-Mann. Denn in Zeiten wie diesen, wo Politik von Emotionen statt Vernunft bestimmt wird, ist das einzig Sichere bloß, dass eben nichts mehr sicher ist.