Rot gegen Rot - das ist echte Brutalität: Krimi um Ablöse von Ex-SP-Chef Gusenbauer

Wer Gusi in der SPÖ nun auch als Kanzler stürzen will NEWS: Warum immer mehr auf rasche Wahlen setzen

Rot gegen Rot - das ist echte Brutalität: Krimi um Ablöse von Ex-SP-Chef Gusenbauer © Bild: APA/Pfarrhofer

Beim Empfang für die Auslandsjournalisten in Wien wirkte SP-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erstaunlich gelassen. So gar nicht wie einer, der schon in wenigen Tagen auch als Kanzler endgültig demontiert würde. Kein Wunder: Immerhin ist Ex-SP-Chef Gusenbauer so gar nicht willens, jetzt schon von der Regierungsspitze abzutreten.

Das mag auch daran liegen, dass die vielen roten Rebellen, die so eifrig und leidenschaftlich an seinem Sessel sägen, eine Kleinigkeit bisher schlicht unterlassen haben: Gusenbauer direkt zu sagen, dass sie seinen totalen Rücktritt wollen - und zwar gleich. Und so verkündet er bloß, man solle ihm, dem designierten SP-Chef Werner Faymann und der neuen roten Bundesgeschäftsführerin Doris Bures "doch die Chance geben, die neue Aufteilung zu leben".

Faymann beschwichtigt
Werner Faymann, der von einigen Tageszeitungen schon jetzt zum Kanzler hochgejubelt wird, bereist indes die skeptische SPÖ-Basis, um sie zu befrieden. Er betont gebetsmühlenartig, dass er "voll hinter Gusenbauer" stehe und wolle, dass dieser "Kanzler bleibt". Und versucht gleichzeitig - während er öffentlich den roten Hardliner mimt - hinter den Kulissen, den Koalitionspartner zu beruhigen. So traf er sich nach Parteiveranstaltungen in Kärnten und der Steiermark zu einem lockeren Vier-Augen-Frühstück mit VP-Vizekanzler Wilhelm Molterer im Café Dommayer im noblen Hietzing. Der VP-Chef erschien dabei demonstrativ leger in Jeans und Shirt, Faymann in Hemd und grauer Anzugshose. Und versicherte wohl auch Molterer, dass Gusenbauer Kanzler bleiben werde.

Die roten Putsch-Pläne
Ein Umstand, der in weiten Teilen der SPÖ für gehörige Aufregung sorgt. Vor allem Oberösterreichs SP-Chef Erich Haider, SP-Pensionistenchef Karl Blecha und Teile der Gewerkschaft wollen schließlich, dass dem ersten Schritt - Gusenbauers Rücktritt als Parteichef - schon beim SPÖ-Präsidium am 7. Juli der nächste Schritt folgt. Sie wollen Gusenbauer dort zum sofortigen Rücktritt als Kanzler treiben. Und machen seit Tagen Stimmung dafür.

Anträge sollen Rücktritt erzwingen
Hinter den Kulissen wurden diverse Szenarien durchgespielt. Ein vorgezogener SPÖ-Parteitag, bei dem man Gusenbauer mittels Anträgen zum Rücktritt bewegen wolle. Oder, besonders abstrus, beim SPÖ-Präsidium ihm das Misstrauen aussprechen und dies dann der Öffentlichkeit auch kommunizieren. Der Haken an den Rebellen-Plänen: Die Unzufriedenen wollen, dass Wiens SP-Bürgermeister Michael Häupl Gusenbauer die "seidene Schnur" überreicht. Denn, so ein massiver Gusenbauer-Kritiker: "Der Häupl hat den Gusenbauer erfunden, jetzt muss er ihn auch loswerden." Den Mut, Gusenbauer selbst von Angesicht zu Angesicht abzumontieren, haben sie offenbar nicht.

Häupls Gegenschlag
Allein: Häupl, der zwar durch Gusenbauers und Faymanns Überraschungscoup der Doppelführung äußerst verärgert ist, will sich trotzdem keinen Zeitplan durch allzu emotionale Parteifreunde vorschreiben lassen. Ein Häupl-Kenner geht davon aus, dass der Bürgermeister nach seiner letztwöchigen Düpierung wieder das Gesetz des Handelns bestimmen werde. Schließlich hat das neue rote Macht-Duo bisher weder die innerparteilichen Zerfleischungen noch die öffentliche Debatte um den Zustand der SPÖ eindämmen können.

Und natürlich weiß auch Häupl, dass auch dem "Kanzleraspiranten" (Copyright VP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein) derzeit nicht die Herzen aller seiner Parteifreunde zufliegen. Schließlich ist Faymann seit eineinhalb Jahren roter Regierungskoordinator und stand bislang stets sehr kompromissbereit hinter den viel kritisierten Verhandlungsergebnissen der Koalition. Und so ätzt ein SP-Landespolitiker: "Wir haben nicht vergessen, dass er am Höhepunkt der Koalitionskrise im März gemeinsam mit Josef Pröll davor gewarnt hat, der ÖVP zu viel zuzumuten."

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