Rostige Panzer & Millionenverlust: Massive Kritik des Rechnungshofs an "Jaguar"-Kauf

Allein für Munition 40 Mio. Euro in den Sand gesetzt Chaos: Nur rund die Hälfte der Fahrzeuge im Einsatz

Ein aktueller Bericht des Rechnungshofs stellt dem Bundesheer und dem Verteidigungsministerium beim Kauf der "Jaguar"- Panzer ein vernichtendes Zeugnis aus. Das ab 1996 aus Beständen der deutschen Arme beschaffte Waffensystem habe "nur geringen Nutzen erbracht". Der Rechnungshof rechnet mit einem Verlust von 40,3 Millionen Euro "allein für die Munition".

Der "Jaguar"-Panzer wurde Mitte der 90er als Teil des umstrittenen "Mech"-Pakets gekauft. Die 90 Fahrzeuge kosteten laut dem Bericht bis Ende 2004 insgesamt 74,9 Millionen Euro, wobei für Munition mehr als das Zehnfache des reinen Fahrzeugpreises bezahlt wurde. Dabei werden 40,3 der 53,7 Mio. Euro, die für Munition ausgegebenen wurden, vom RH als "verlorener Aufwand" bezeichnet. Im Vergleich dazu war die Anschaffung der Panzer selbst mit fast fünf Mio. Euro noch günstig. Die restlichen Ausgaben entfielen auf Ersatzteile, Schulungen und sonstige Leistungen durch Dritte.

Versäumnisse stellt der Rechnungshof auch bei der Bereitstellung der Geräte für den Gebrauch fest. "Anfang 2005 waren erst 55 Prozent" der Panzer im Einsatz. Die restlichen Fahrzeuge "standen bis dahin jahrelang im Freien" und rosteten vor sich hin. Zudem sei die Einsatzfähigkeit des Waffensystems bei Dunkelheit und schlechter Sicht - zuvor als wesentliches Erfordernis definiert - nicht abgedeckt gewesen.

Einschränkung bei Nachtkampffähigkeit
Das Verteidigungsministerium hat seine Vorgangsweise naturgemäß verteidigt. Gleichzeitig wurde konzediert, dass es Einschränkungen in der Nachtkampffähigkeit gegeben habe. Die Panzer hätten aber "Verwendung gefunden" und die Einsatzbereitschaft sei sichergestellt gewesen.

Die Planungen und Beschaffung des Waffensystems hätten "dem Anforderungsprofil der 90er Jahre entsprochen" und damit "den Fähigkeitserfordernissen des Bundesheeres". Durch die sicherheitspolitischen Veränderungen in Europa sowie die Empfehlungen der Bundesheer-Reformkommission, "sich von Teilen des schweren Gerätes zu trennen, war die nunmehrige Entscheidung richtig, dieses System nicht mehr weiter zu betreiben".

Zu der vom RH bemängelten "Einschränkung des Systems" hieß es, diese habe sich "lediglich in der Nachtkampffähigkeit" ergeben. Der ebenfalls bemängelte "verlorene Aufwand" soll durch Verkäufe wettgemacht werden. "Es gibt bereits Interesse an den Panzerabwehrlenkwaffen", so das Ministerium.

(apa/red)