Roman Polanski bricht erstmals Schweigen:
Stellungnahme im Internet veröffentlicht

"Auslieferungsgesuch an Schweiz basiert auf Lüge" "Habe mich schuldig bekannt und Strafe verbüßt"

Der in der Schweiz unter Hausarrest stehende Starregisseur Roman Polanski hat sein Schweigen gebrochen und sich gegen das US-Auslieferungsgesuch zur Wehr gesetzt. Unter der Überschrift "Ich kann nicht länger schweigen" veröffentlichte der 76-Jährige in mehreren Sprachen im Internet eine Stellungnahme. Er wende sich an die Öffentlichkeit, "weil das Auslieferungsgesuch an die Schweiz auf einer Lüge basiert", heißt es darin.

Die Vereinigten Staaten verlangten seine Auslieferung "und das mehr, um mich den Medien der ganzen Welt zum Fraß vorzuwerfen, als um ein Urteil zu vollstrecken, über das schon vor dreiunddreißig Jahren eine Übereinkunft erzielt worden ist", heißt es in dem Text, der auf der Internetseite "La régle du jeu" veröffentlicht ist.

Polanski wird vorgeworfen, 1977 eine 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Er soll das Mädchen in der Villa von Hollywoodstar Jack Nicholson mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und sie dann vergewaltigt haben. Polanski bekannte sich damals schuldig. Nach 42 Tagen Haft hatte er sich 1978 der Fortsetzung des Verfahrens entzogen, war ins Ausland geflohen und seither nicht mehr in die USA zurückgekehrt.

"Habe Strafe verbüßt"
In seiner nun veröffentlichten Erklärung bestätigte Polanski, dass er sich vor 33 Jahren schuldig bekannte. Er habe damals im Staatsgefängnis von Chino ein Strafe verbüßt, "die eigentlich die Gesamtstrafe darstellen sollte". Nach der Entlassung aus dem Gefängnis habe der Richter seine Meinung jedoch geändert und erklärt, die in Chino verbüßte Haft sei nicht die Gesamtstrafe. "Wegen dieses Rückziehers verließ ich damals die Vereinigten Staaten", schreibt Polanski.

Vom Richter hintergangen
Seine Anwälte würden ihm nun seit drei Jahrzehnten sagen, dass ihn der Richter hintergangen habe und meineidig geworden sei. Tatsächlich habe er nach Auffassung seiner Anwälte seine Strafe verbüßt. Der neue Staatsanwalt, der sich mit dem Fall befasst, befinde sich in Kalifornien im Wahlkampf und benötige die Aufmerksamkeit der Medien, erklärte Polanski. Er hoffe, die Schweiz werde einsehen, dass es keinen Grund für eine Auslieferung gebe, "so dass ich in Frieden und als freier Mann in mein Land und zu meiner Familie zurückkehren kann".

Schweizer müssen über Auslieferung entscheiden
Ein US-Berufungsgericht in Kalifornien hatte vor gut einer Woche entschieden, dem Oscarpreisträger dürfe in dem mehr als drei Jahrzehnte laufenden Verfahren nicht in Abwesenheit der Prozess gemacht werden. Nun müssen die Schweizer Justizbehörden über eine Auslieferung entscheiden.

Der in Polen geborene Regisseur, der für den Film "Der Pianist" (2002) mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, war am 26. September 2009 auf Veranlassung der US-Justiz bei der Einreise in die Schweiz verhaftet worden. Anfang Dezember wurde er gegen eine Kaution von drei Millionen Euro aus der Auslieferungshaft entlassen. Polanski muss eine Fußfessel tragen und steht in seinem Haus in Gstaad unter Arrest.

(apa/red)