Roman Pavlyuchenko vom Bankstammplatz zum Goalgetter: Mit drei Toren Topscorer

Erst am letzten Drücker in die "Sbornaja" eingerückt Früher wurde der 26-Jähriger als "Ballerina" verspottet

Roman Pavlyuchenko vom Bankstammplatz zum Goalgetter: Mit drei Toren Topscorer © Bild: AP/Ponomarev

Roman Pavlyuchenko ist mit drei EM-Treffern der bisher erfolgreichste Torschütze der russischen Nationalmannschaft. Doch wenn die Vorbereitung der "Sbornaja" nach Wunsch verlaufen wäre, dann hätte es die Tore von Pavlyuchenko wohl gar nicht gegeben. Der 1,88 m große und 78 kg schwere Sturmtank rückte nämlich erst für den verletzten Pawel Pogrebnjak in die Stammformation auf.

UEFA-Cup-Topscorer Pogrebnjak hatte sich in der Vorbereitung eine Meniskus- und Kapselverletzung im linken Knie zugezogen und war deshalb drei Tage vor dem Auftaktmatch gegen Titelaspirant Spanien, der nun auch am Donnerstagabend in Wien Semifinalgegner der Russen ist, aus dem EM-Kader entlassen worden. Und so erwachte der von Teamchef Guus Hiddink im EURO-Vorfeld als "schlafender Riese" bezeichnete Pavlyuchenko gerade noch rechtzeitig zu Turnierbeginn.

Der 26-Jährige, der früher aufgrund seiner grazilen, an den russischen Ballett-Superstar Michail Barischnikow erinnernden Bewegungen oft als "Ballerina" verspottet worden war, jagte den Ball bereits in seinem ersten Match auf der großen EM-Bühne in die Maschen. Damals blieb tosender Applaus allerdings aus, handelte es sich doch nur um den Ehrentreffer beim 1:4-Debakel gegen die Spanier, die das jüngste und phasenweise noch "wie eine Schülermannschaft" (O-Ton Hiddink) agierende EURO-2008-Team regelrecht "abschossen". Damals fehlte allerdings der gesperrte Spielmacher Andrej Arschawin in Russlands Reihen.

Volltreffer garantiert
Seinen zweiten EM-Volltreffer ließ Pavlyuchenko im "Finale" um den zweiten Platz in der Gruppe D folgen, als er mit der Führung gegen Schweden die Weichen zum historischen 2:0-Sieg und damit verbundenen Viertelfinaleinzug stellte. Damals war seine Freude über den Treffer überschwänglich, denn noch nie hatte ein russisches Team bis dahin die Blau-Gelben besiegen können, und - was noch viel wichtiger war - erstmals schaffte die "Sbornaja" nach dem Zerfall der Sowjetunion den Aufstieg in einem Fußball-Großereignis.

Sein bisher wichtigstes EM-Tor erzielte Pavlyuchenko aber am Samstagabend im Viertelfinale in Basel mit dem 1:0. Durch diesen Treffer geriet der Topfavorit Niederlande extrem unter Druck. Zwar schaffte das Oranje-Team im Finish noch den Ausgleich, der aber zu viel Substanz kostete, so dass die Russen am Ende der Verlängerung leichtes Spiel hatten und mit 3:1 ins Halbfinale aufstiegen.

Mann für wichtige Tore
Bereits in der EM-Qualifikation war der am 15. Dezember 1981 in Mostowskoj geborene Stürmer der Mann für die wichtigen Tore. Pavlyuchenko gab dem EM-Qualifikationsspiel am 17. Oktober 2007 in Moskau gegen England die entscheidende Wende. Mit seinem Doppelpack innerhalb von nur vier Minuten (69./Elfer, 73.) schoss der Lange mit den roten Schuhen die "Three Lions" im Alleingang ab. Es waren übrigens seine einzigen beiden Quali-Treffer.

Dieser 2:1-Sieg über das Mutterland des modernen Fußballs bedeutete auch einen Wendepunkt in seiner Karriere, stieg dem 26-Jährigen, der auf einmal von sämtlichen Magazin-Covern in seiner Heimat lächelte, doch der Erfolg zu Kopf. Der zuvor stets zugängliche und zuvorkommende Teamspieler stand auf einmal im Mittelpunkt und entwickelte daraufhin Starallüren, die sich auf seine Leistung niederschlugen.

Flausen aus dem Kopf
Hiddink hat ihm diese Flausen aber inzwischen ausgetrieben und dazu auch noch ein paar Kilo "heruntergeräumt". Vier Kilogramm hat Pavlyuchenko in der EM-Vorbereitung verloren. Diese Abspeckung hat ihm sichtlich gut getan, wie seine pfeilschnellen Antritte und seine unglaubliche Fitness beim Großereignis beweisen. Einzig bei der Chancenauswertung ist er bisher noch nicht an Pogrebnjak herangekommen.

Dafür ist er sich aber auch nicht für die von Hiddink immer wieder auch von Offensivakteuren geforderte Drecksarbeit zu schade. So sprintete Pavlyuchenko etwa im Match gegen die Niederlande immer wieder in die Verteidigung zurück, wenn sein Teamkollege Alexander Anjukow Attacken auf der rechten Seite lancierte.

Start in Liga zwei
Seine Karriere begann Pavlyuchenko vor zehn Jahren beim russischen Zweitligisten FC Dinamo Stawropol. 2000 zog es ihn dann eine Klasse höher zum FC Rotor Wolgograd. In seinen drei Jahren bei Rotor wurde er russischer U21-Nationalspieler. Seinen Torinstinkt entwickelte er allerdings erst 2003, nach seinem Wechsel zu Spartak, in Moskau schoss er nämlich gleich in seiner Debütsaison zehn Tore. In diesem Jahr gab er auch im August 2003 sein Länderspieldebüt.

Für die Moskauer, bei denen Martin Stranzl sein Clubkollege ist, war seine Ausbeute in der Premjer-Liga immer zweistellig. 2006 wurde er mit 18 Treffern russischer Torschützenkönig. Im Vorjahr musste er sich den Titel mit Roman Adamov vom FK Moskau teilen. Mit Spartak wurde Pavlyuchenko allerdings bisher drei Mal in Folge nur russischer Vizemeister, er wartet noch immer auf seinen ersten großen Titel. Vielleicht holt er diesen nun am 29. Juni in Wien. Denn seit dem Erfolg über die Niederlande ist die "Sbornaja" des größten Landes der Welt mehr als nur ein EM-Geheimfavorit.
(apa/red)

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