Rom von

Blutiges Intermezzo

Mann schoss vor Regierungssitz auf zwei Carabinieri. Kugel traf Polizisten am Hals.

Schießerei vor Regierungsgebäude in Rom © Bild: APA/EPA/Percossi

Vor dem Regierungssitz in Rom ist es Sonntagmittag zu einer Schießerei gekommen, bei der mehrere Personen verletzt wurden. Der 46-Jährige zog Medienberichten zufolge eine Pistole aus der Tasche seines Anzugs und schoss auf zwei Carabinieri, die sich vor dem Regierungssitz befanden. Man nahm an, der mutmaßliche Täter sei geistig verwirrt. Sein Bruder dementiert.

Einer von ihnen wurde am Hals getroffen, sein Zustand sei entgegen ersten Meldungen nicht besorgniserregend, berichtete der italienische TV-Sender "Sky TG 24". Ein weiterer Carabiniere wurde am Bein verletzt. Auch eine Fußgängerin wurde von einer Kugel leicht verletzt. Augenzeugen sprachen von sieben Pistolenschüssen, die sie gehört hätten.

Der mutmaßliche Schütze wurde festgenommen. Er soll ebenfalls verletzt sein. Höchste Sicherheitsvorkehrungen wurden auch vor dem Quirinal, dem Sitz des Präsidenten, ergriffen, in dem zeitgleich die Kabinettsmitglieder der neuen Regierung um Enrico Letta vereidigt wurden.

"Weiß nicht, was mit ihm passiert ist"

Der mutmaßliche Schütze, ist laut seinem Bruder nicht geistig verwirrt, wie die Polizei berichtet hatte. "Er ist nicht geistig verwirrt. Ich bin sprachlos, ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist", erklärte der Bruder im Gespräch mit dem TV-Sender "TG Com 24". Er entschuldigte sich bei den Verletzten.

Der Verdächtige, der arbeitslos ist, war nach der Trennung von seiner Frau aus dem Piemont zu seinen Eltern in das süditalienische Kalabrien zurückgekehrt. Der mutmaßliche Täter soll sich über illegale Wege die Waffe, die er benutzte, besorgt haben. Der 49-Jährige besaß keine Waffenlizenz und ist nicht vorbestraft, berichtete der ermittelnde Staatsanwalt Laviani.

Der Mann stecke wegen seiner Abhängigkeit von Glücksspielen in schweren Nöten, so Laviani. Dies hatte zur Scheidung von seiner zweiten Frau geführt. Er hatte auch seine Arbeit verloren und war daraufhin vom norditalienischen Piemont nach Rosarno in Kalabrien zu seinen alten Eltern gezogen.

Zwei Carabinieri angeschossen

Laut den Behörden kam der Mann zu Fuß vom naheliegenden Platz Montecitorio auf die Piazza Colonna, wo sich der Regierungssitz befindet. Hier sei er von zwei Carabinieri aufgehalten worden, auf die er dann das Feuer geöffnet habe. Bei den Verletzten handelt es sich um einen 30-jährigen und einen 50-jährigen Mann. Die Tatwaffe wurde inzwischen gefunden. Der ganze Platz wurde abgeriegelt, um die Beweisaufnahme zu erleichtern.

Der Gründer der "Fünf Sterne"-Bewegung, Beppe Grillo, verurteilte die Schießerei. "Hoffentlich bleibt das ein Einzelfall. Unsere Bewegung ist nicht gewalttätig", so Grillo.

50 Schuss Munition

Der Angreifer hatte rund 50 Schuss Munition bei sich. "Es hätte ein Massaker werden können", meinten Justizbeamte laut der Zeitung "Corriere della Sera". Mit seiner Pistole mit abgefeilter Registriernummer, Kaliber 7,65, gab Luigi Preiti sieben Schüsse ab. Weitere Projektile trug er in einem kleinen Koffer und in seinen Taschen.

Bei seiner Einvernahme durch die Behörden gab der Täter an, die Idee zu dem Anschlag sei ihm vor 20 Tagen gekommen. "Ich wollte die Politiker treffen, uns geht es schlecht und sie helfen uns nicht", erklärte der Mann. Nachdem er jedoch nicht an Politiker herankam, schoss er auf zwei Carabinieri und verletzte diese sowie eine schwangere Passantin. Einer der beiden Ordnungshüter wurde am Hals getroffen. Der 50-Jährige erlitt eine Rückenmarksverletzung und könnte gelähmt bleiben.

Dramatische Szenen

Die Schießerei sorgte für dramatische Szenen auf der zentralen Piazza Colonna im Herzen der italienischen Hauptstadt. Auf dem Platz waren gegen 11.40 Uhr Hunderte Menschen. Nach der Vereidigung sollte um 13.00 Uhr im Regierungssitz die erste Ministersitzung stattfinden.

Die Schießerei überschattete auch die Vereidigungszeremonie im Quirinalspalast. Die neuen Minister, die nach der Angelobung von den Geschehnissen erfuhren, zeigten sich bestürzt. "Wir müssen erst begreifen, was passiert ist", sagte der neue Verteidigungsminister Mario Mauro.

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