Rom von

Heiligsprechungen: Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das katholische Groß-Event

Johannes XXIII. (1958-1963) braucht kein Wunder - kein amtlich beglaubigtes jedenfalls. Der Papst, der das Zweite Vatikanische Konzil einberief, wird heute von Papst Franziskus auch so heiliggesprochen. "Wunderlos", wie manche sagen. Das hat für einige Verwunderung gesorgt. Denn zumindest in einem so prominenten Fall gibt es dafür in der jüngsten Kirchengeschichte kein Vorbild. Das Verfahren der katholischen Kirche ist langwierig - doch manchmal geht es ganz schnell. So zumindest war es bei Johannes Paul II., der ebenfalls heute in Rom heiliggesprochen wird. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Was sind Selige und Heilige?

Selige und Heilige gelten in der katholischen Kirche als Vorbilder christlichen Lebens. Ihnen werden Wunder zugeschrieben, die sie durch ihre Fürsprache bewirkt haben sollen. Eine Ausnahme bilden Märtyrer, die für ihren Glauben gestorben sind, etwa die Apostel Petrus und Paulus. Andere bekannte Heilige sind Franz von Assisi oder Hildegard von Bingen, Mutter Teresa wird als Selige verehrt.

Was unterscheidet die Heilig- von der Seligsprechung?

Wer - in den meisten Fällen erst Jahrzehnte nach seinem Tod - seliggesprochen wird, kann in einer Ortskirche oder in einem Orden verehrt werden. Wenn die zweite Etappe erreicht ist, jemand in den "Kanon der Heiligen" aufgenommen wird, kann ihn die ganze Weltkirche verehren. Bis auf ein in aller Regel erforderliches zweites Wunder gibt es dafür jedoch kein neues Verfahren.

Warum ging das Verfahren bei Johannes Paul II. so schnell?

Normalerweise dauert es nach dem Tod eines Kandidaten mindestens fünf Jahre, bis das komplizierte Verfahren für die Seligsprechung eröffnet werden kann. Schon Papst Benedikt XVI. machte den Fall seines polnischen Vorgängers zu einem speziellen und verkürzte diese Frist. Franziskus folgte Benedikt in dem Tempo, so dass bei Johannes Paul II. (1920-2005) - dem Wunderheilungen bei zwei schwerkranken Frauen zugeschrieben werden - zwischen Tod und Heiligsprechung nur neun Jahre liegen.

Papst Johannes Paul II. soll bald heilig gesprochen werden.
© APA/Robert Jäger

Warum wird Johannes XXIII. ohne zweites Wunder heilig?

Weil es Franziskus so will. Denn der amtierende Papst kann allein entscheiden, ob er die Heiligsprechung auch ohne das normalerweise notwendige zweite Wunder anordnet. Franziskus zeigt so vor allem eine besondere Wertschätzung für den "Konzilpapst" Johannes XXIII. (1881-1963). Doch muss auch in einem solchen Fall allgemein ein Ruf der Heiligkeit und Wundertätigkeit gegeben sein.

Werden alle Päpste irgendwann heiliggesprochen?

Keinesfalls. Heilige Päpste sind in der katholischen Kirche eher die Ausnahme. Dass jetzt gleich zwei Kirchenführer der Neuzeit in diesen Stand erhoben werden, ist auch ein kirchenpolitischer Akt von Papst Franziskus. Der bisher letzte heilige Papst ist Pius X. (1903-1914), der vor sechs Jahrzehnten in das Heiligenregister aufgenommen worden ist. Schwer tut sich Pius XII., dessen Haltung während des Zweiten Weltkrieges umstritten ist. Sein Seligsprechungsverfahren läuft noch.

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