NR-Wahl von

Roland Düringer
beendet "Kunstprojekt" ...

... und startet ein Demokratieprojekt, das auf den Stimmzetteln erhalten bleibt

© Video: APA

Der Kabarettist Roland Düringer hat es geschafft: Er hat 4.500 Unterstützungserklärungen gesammelt, genug, um bei der Nationalratswahl im Oktober österreichweit am Stimmzettel zu stehen. Was er nun vorhat, teilte er bei der Pressekonferenz "Beendigung des Kunstprojekts Meine Stimme GILT" mit.

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Verlosung der Listenplätze

Düringer eröffnete seine Rede mit dem Statement, dass die Frage schon bei der Gründung seines "Kunstprojekts" lautete: "Ist das jetzt Spaß oder ist das ernst? Es ist immer noch beides", sagte der Kabarettist. Er beende das "Kunstprojekt" an diesem Tag, weil es die Menschen demokratisch so entschieden haben, und starte dafür ein Demokratieprojekt. Seine Kandidaten sollen einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellen: Es hätten sich unter anderem Frauen und Männer, Studenten, Hackler, Mütter, Unternehmer, chronisch Kranke, Lernende und Lehrende bei ihnen gemeldet - aus diesem Pool würde man die Kandidaten zusammenstellen. Die Auswahl der Kandidaten erfolge mittels Verlosung der Plätze der Bundesliste aus rund 1.000 Bewerbern. "Wir haben nicht einen Spitzenkandidaten, es sind nur spitze Kandidaten", teilte Düringer mit. Ziel sei ein repräsentativer Querschnitt aus Mann-Frau, Jung-Alt, Stadt-Land oder Arm-Reich: "Unsere Kandidaten haben nicht viel zu tun - außer die Bevölkerung zu vertreten."

Roland Düringer
© APA/HELMUT FOHRINGER
»Österreicher sollen bestimmen, welches Problem zuerst gelöst werden soll«

"Die Österreicher sollen bestimmen, welches Problem zuerst gelöst werden soll", sagt "Zukunftsforscher" und Telering-Chef Hubertus Hofkirchner. Die Themen, die die Österreicher beschäftigen, werde man durch Umfragen ermitteln. Jeder könne an der Befragung unter dem Link "www.gilt.at/themenfindung" teilnehmen. Am Ende will man so die wichtigsten Themen festlegen. Das erste Sachthema könne dann voraussichtlich schon im September präsentiert werden.

Für die Wahlkampagne werde man ein Gesamtbudget von 200.000 Euro nicht überschreiten, wobei man bis dato 30.000 Euro investiert habe. Dieses Geld wurde laut Düringer durch kleinere und größere Spenden aus dem Bürgertum lukriert.

Roland Düringer
© APA/HELMUT FOHRINGER

Er selbst sehe sich lediglich als Taxler für die Reise von unten nach oben ins Hohe Haus. Sei dieses Ziel erreicht, sei seine Aufgabe praktisch erfüllt. "Ich kandidiere nicht - außer in Kärnten, in Hermagor", verkündete Düringer - aus Solidarität, "weil über die Kärntner so schlecht geredet wurde in letzter Zeit". Er halte es aber nicht für realistisch, dass er dort genug Stimmen erhalte. Als Gesicht wolle er weiter zur Verfügung stehen, weil es ihm "wirklich ein Anliegen" sei, etwas zu bewegen. Es ginge ihm jedenfalls nicht darum, sein Kabarett-Programm zu bewerben.

Neun Parteien zur Auswahl

Inklusive Düringers "Liste G!LT" haben alle Österreicher am 15. Oktober die Wahl unter neun Parteien. Keine Frage ist, dass SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, NEOS, die Liste Pilz und die Freie Liste Österreich in allen Ländern kandidieren, und zwar mittels Unterschriften von drei Abgeordneten. Bis Freitag 17.00 Uhr haben Kleinparteien, die nicht von drei Abgeordneten unterstützt werden, noch Zeit, die zumindest 2.600 nötigen Unterstützungserklärungen zu sammeln.

Das ist neben dem Kabarettisten Roland Düringer auch der KPÖ Plus gelungen.

Wer nur in einzelnen Ländern antreten darf

Die zweite Rekordmarke ist 15 - für die Kandidaten insgesamt, also inklusive jene, die nur in einzelnen Ländern antreten konnten. Das haben bisher zwei Parteien gemeldet: Die "Obdachlosen in der Politik" haben (laut Homepage) in Wien genug Unterstützungserklärungen beisammen, die Sozialistische Linkspartei (SLP) hatte schon zu Wochenbeginn in Oberösterreich genug, dürfte es aber - wie bei früheren Wahlen - auch in Wien schaffen. In dem einen oder anderen Land werden wohl auch die EU-Austrittspartei (EUAUS) und die Christliche Partei (CPÖ) wieder zur Wahl stehen.

Sie gaben keine Zahlen bekannt, sammeln aber noch Unterschriften - wie auch die Männerpartei des Vorarlbergers Hannes Hausbichler, die Freie heimatliche Bewegung (FHB), die - von Migranten gegründete Vorarlberger Arbeiterkammer-Fraktion - Neue Bewegung für die Zukunft (NBZ), die vom Mieterbeirat im Hugo-Breitner-Gemeindebau Gerhard Kuchta bei der Wien-Wahl 2015 initiierte "Demokratische Alternative" oder in Wien auch "Arbeiter/innen-, Angestellten- und Arbeitslosen-Partei" (APÖ).