Roger Federer mit einer Spanisch-Allergie:
Gegen Roddick und Dawidenko unter Druck

Verlor nach zehn Siegen erstmals gegen Gonzalez Federer nach Fehlstart mit dem Rücken zur Wand

Roger Federer mit einer Spanisch-Allergie:
Gegen Roddick und Dawidenko unter Druck

Die befürchtete Langeweile ist im imposanten Qi Zhong Stadion von Shanghai erst gar nicht aufgekommen. Dafür gesorgt hat die "Spanisch-Allergie" von Topfavorit Roger Federer, der als Sieger des Masters Cups der besten acht Tennisprofis der Saison eigentlich schon programmiert war. Im ersten Gruppenspiel gegen den Chilenen Fernando Gonzalez, der sich erst in letzter Minute an Thomas Haas vorbei für das Saisonfinale der ATP qualifiziert hatte, legte der 25-Jährige einen Fehlstart hin und bestätigte einmal mehr seine Schwierigkeiten gegen Spieler, die Spanisch sprechen.

Dabei hatte er seine bis dato zehn Partien gegen den Doppel-Olympiasieger von Athen 2004 ausnahmslos für sich entschieden. Auch die Anfang des Jahres in Melbourne, als er Gonzalez im Endspiel der Australian Open in drei Sätzen bezwungen hatte. "Ich bin glücklich, heute und nicht damals im Jänner verloren zu haben", sagte der zwölffache Grand-Slam-Sieger. Bittersüß, denn zum Scherzen war ihm nach der vermeidbaren Niederlage nicht zumute. "Im Moment ist es äußerst schwer für mich, Witze zu machen. Ich hoffe, in einer Woche wieder Witze reißen zu können", sagte der Weltranglisten-Erste.

Neunte Niederlage im 74. Spiel
Trübsal blasen wollte Federer freilich auch nicht. "Ich gehe vor dem nächsten Spiel sicher nicht mit hängendem Kopf auf den Platz." Aber die 9. Niederlage im 74. Saisonspiel ärgerte ihn schon besonders. In den beiden Gruppenspielen gegen Andy Roddick aus den USA und den Russen Nikolaj Dawidenko steht der Topfavorit bei seinem sechsten Masters-Start nun erstmals mit dem Rücken zur Wand.

"Ich habe gut gespielt gegen Gonzalez, habe meine Chancen im dritten Satz aber nicht nutzen können", ärgerte sich Federer und gelobte Besserung. Noch sei schließlich nichts verloren. Doch wer den meist eiskalt wirkenden Schweizer kennt, der weiß, wie ihn die Niederlage wurmt und seinen immensen Ehrgeiz nur noch mehr anstachelt. Aber auch die Nervosität, die ihn vor großen Aufgaben manchmal befällt, wird wachsen.

Kein Sieg bereits in Garderobe
"Diese Niederlage widerlegt auch die Theorie, der Federer gewinne seine Matches schon in der Garderobe, weil viele Gegner zu viel Respekt zeigen. Dem ist wirklich nicht so", sagte der Branchenführer, der zum vierten Mal in Folge das Tennis-Jahr als Nummer eins beenden wird - egal wie der Masters Cup für ihn verlaufen wird. Ob mit einem Sieg wie im vorigen Jahr, als er nach 2003 und 2004 seinen dritten Titel holte, oder mit einer finalen Niederlage wie 2005.

Vor zwei Jahren machte ihm der Argentinier David Nalbandian, der sich seither zu seinem Angstgegner entwickelt hat, an selber Stelle einen Strich durch die Rechnung. Nalbandian hatte er im ersten Match der Vorrunde noch glatt geschlagen. Vielleicht kam der Warnschuss gegen Gonzalez deshalb gerade zum rechten Zeitpunkt. Und außerdem scheint der fünffache Wimbledonsieger vorzugsweise gegen Spanisch sprechende Gegner zu schwächeln: wie Canas, Nalbandian, Nadal oder Gonzalez. "Kann sein", sagte Federer und quittierte diese Theorie vor den Matches gegen Roddick und Dawidenko mit einem gequälten Lächeln.

(apa/red)