Roger Federer hat es selbst in der Hand:
Nur noch zwei Siege bis zum Paris-Triumph

Schweizer mit guten Karten für Sieg bei French Open Bereits sein zwanzigstes Major-Semifinale in Folge

Roger Federer hat es selbst in der Hand:
Nur noch zwei Siege bis zum Paris-Triumph © Bild: AP/Cironneau

Natürlich gibt es ein Damen-Turnier, das ein neues Siegergesicht sehen wird. Natürlich sind auch die anderen drei Spieler im Herren-Halbfinale mit tollen Leistungen in die Vorschluss-Runde der French Open gekommen. Doch eigentlich fokussiert sich in den vergangenen Tagen, nach dem reihenweisen Ausscheiden von Topfavorit Rafael Nadal, von Novak Djokovic und Andy Murray alles auf einen Mann: Roger Federer. Der 27-jährige Schweizer könnte mit zwei weiteren Siegen endlich seinen Traum vom Titel in Roland Garros erfüllen. Nach seiner Viertelfinal-Performance gegen Gael Monfils glaubt er wohl auch selbst eine Spur mehr daran.

Keine Spur von sonst an Chauvinismus grenzender Unterstützung für einen Franzosen war in Federers Match gegen Monfils zu bemerken. Denn irgendwie scheint es in der Pariser Luft zu liegen: So eine Chance bekommt der wohl größte Spieler aller Zeiten vielleicht nicht mehr, den "Coupe des Mousquetaires" wie u.a. 1995 auch Thomas Muster in die Luft zu halten. Federer wird auch auf den Straßen von Paris von einer Sympathiewelle bisher nicht erlebten Ausmaßes unterstützt, berichtete er nach seinem beeindruckenden Dreisatz-Sieg über Monfils.

"Ich fühle es schon seit ein paar Jahren, um ehrlich zu sein. Aber heuer ist es sogar extremer. Wenn ich auf der Straße gehe, mit dem Spielertransport fahre oder zum Abendessen gehe: Jeder meint 'Das ist Dein Jahr, jetzt musst Du es machen'", ist selbst der erfolgsverwöhnte Federer von seinen Fans überrascht. "Sie schreien von ihren Mopeds und aus ihren Autos. Sie steigen sogar bei Rotlicht aus und wollen ein Autogramm oder ein Bild. Es ist ziemlich unglaublich in den vergangenen Wochen."

Nur noch dieser Triumph
Dem "Sportmärchen Roger Federer" fehlt eben nur noch dieser eine Triumph. Dann ist seine Pokalsammlung komplett, dann hat er Allzeit-Rekordler Pete Sampras egalisiert - und diesen auch übertroffen, denn der US-Amerikaner kam in Paris nie über ein Halbfinale hinaus. Dieses Sportler-Schicksal soll dem sympathischen, und trotz all seiner Erfolge doch so "normal" gebliebenen Schweizer erspart bleiben, so denken wohl viele Tennis-Fans.

Bei all dieser Euphorie um Federer, der zugab, dass er den gestiegenen Druck sehr wohl gespürt hat, versucht der Eidgenosse am Boden zu bleiben. Doch selbst für ihn war die Situation doch eine völlig neue, nach dem Aus seiner schärfsten Konkurrenten zu Beginn der zweiten Paris-Woche plötzlich Turnierfavorit zu sein. "Aber vom Mentalen her sollte das Schlimmste nun vorbei sein. Alles sieht im Moment gut aus. Ich glaube, dass ich endlich meinen Rhythmus gefunden habe. Aber ich darf mich nicht verrückt machen lassen."

Nächste Hürde Del Potro
Die Tatsache, dass er gegen alle verbliebenen Gegner ausgezeichnete Bilanzen aufweise, habe nichts zu bedeuten. "Ich rechne für den Freitag gegen Juan Martin Del Potro mit einem sehr schwierigen Spiel." Der erst 20-jährige Del Potro ist vor seinem ersten Major-Halbfinale freilich Außenseiter. "Um zu gewinnen, muss ich 100 Prozent spielen und er vielleicht ein bisschen unter seiner Form wie gegen Haas."

Ein Roger Federer, der Statistiken genau verfolgt und auch gerne die Spiele seiner Gegner ansieht, kann sich aber schon auch noch über sich selbst wundern. Sein 20. Grand-Slam-Halbfinale en suite beeindruckt ihn doch auch. "Es ist das Hintereinander, das unglaublich scheint. Man verliert die Übersicht über diese Rekorde, aber darauf bin ich wahrscheinlich am meisten stolz. Das ist wirklich groß."

(apa/red)