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Rock in Vienna:
Metallica heizten Wien ein

Die Insel rockt beim neuen Festival mit Metallica, Kiss und Co.

Metallica rockt in Wien. © Bild: APA/EPA/HERBERT P. OCZERET

30.000 Besucher kamen laut dem Veranstalter zur Premiere von Rock in Vienna am Donnerstag auf die Donauinsel, 29.999 davon in erster Linie wegen Metallica. Da waren die Lücken in den Reihen vor den Bühnen plötzlich verschwunden, als die erfolgreichste bestehende Metalband mit "Fuel" loslegte. Den Treibstoff für Raketen hatte man sich diesmal erspart und stattdessen in die Performance getankt.

Keine Bombastshow mit Pyrotechnik, keine Gimmicks, keine besonders auffällige Lichtanlage: Metallica setzten bei ihrem siebenten Österreich-Besuch in zehn Jahren auf Musik pur. Und da vor allem auf Songs, bei denen auf das Gaspedal gestiegen wurde - etwa "No Remorse" (so etwas wie das Motto des Auftritts: keine Gnade für die Ohren und Nackenmuskel der Headbanger), "Disposable Heroes", "The Frayed Ends Of Sanity", "Damage Inc." sowie "Creeping Death". Da war kein Platz für die Schunkelballade "Nothing Else Matters", sonst ein Fixpunkt. Wobei das vermutlich am verspäteten Beginn des Auftritts lag.

Metallica bei Rock in Vienna
© APA/HERBERT P. OCZERET Sänger James Hetfield

Fans kommen auf ihre Kosten

Man kann sich über Drummer Lars Ulrich lustig machen, über die - an diesem Abend eh nicht zu langen - Gitarrensoli-Dudeleien, über ausgiebig bediente Rock-Klischees oder darüber, dass die neue Nummer "Lords Of Summer" seit ihrer Aufführung vor einem Jahr in der Krieau nicht besser geworden ist. Aber wen juckt das, wenn man zu "For Whom The Bell Tolls" die Hände in die Höhe reißen, zu "Sad But True" aufstampfen und zu "One" die Birne ordentlich durchschütteln will? Die Gruppe fegte stilsicher durch ihr Programm: in erster Linie hart, herzlich nur bei den Ansagen. Die Frage von Sänger, Gitarrist und Rampenschwein James Hetfield, "Metallica-Family, are you with us?", war eine rhetorische.

Metallica bei Rock in Vienna
© APA/HERBERT P. OCZERET Die Fans jubeln Metallica zu.

Das Wort Riff hat Hetfield in einzelnen Buchstaben auf seine Finger tätowiert. Jenes von "Seek And Destroy" (den Text bitte nur ja nicht zu wörtlich nehmen, den schrieb man 1982 quasi in der Pubertät) ist und bleibt unwiderstehlich, wenn man laute Rockmusik zu schätzen weiß. Gleiches gilt auch für "Enter Sandman", dem ordentlichen Schlusspunkt beim ersten Tag Rock in Vienna. "Meditate, motherfucker!", hatte Mike Patton, Frontman von Faith No More, beim mit ironischem Humor gespickten Gastspiel seiner Band in die Menge gerufen. Dafür war bei Metallica keine Zeit: "No Remorse" eben, bierernst bitteschön!

Gelungene Premiere

Das neue Festival setzte bei der Premiere auf alte Headliner, im Fall von Metallica hat sich das nicht nur für die Fans ausgezahlt. Denn wenn das ursprünglich angepeilte Ziel von 50.000 Gästen nicht erreicht werden konnte, so war der Andrang am Donnerstag doch groß: An manchen Ständen ging der Gerstensaft aus. Das Konzept zweier paralleler, abwechselnd bespielter Bühnen ist ok, man spart sich Wege, allerdings verteilte sich die Menge ungleichgewichtig. Während sich die Massen vor der noch im Umbau befindlichen "Metallica-Bühne" drängten, hatte man beim Gig der Broilers viel Platz zum Tanzen. Vorteil des Standortes: Man konnte dem servierten 0815-Junkfood und zu langen Warteschlangen entkommen und sich in umliegenden Lokalen stärken.

Kiss auf der Bühne
© Getty Images Kiss beenden das Festival am Samstag als letzte Headliner

Zukunftspotenzial?

Mit den rund 30.000 Besucher zeigte sich Projektleiter Werner Stockinger durchaus zufrieden: "Mehr kann es natürlich immer sein, wir befinden uns aber auch erst in den Anfängen des Rock in Vienna. Nächstes Jahr werden es schon mehr sein." Ursprünglich erhofften sich die Veranstalter 50.000 Rock-Fans pro Tag. Das bedeutet auch: Tickets - sowohl Drei-Tages-Pässe als auch Tageskarten - sind noch zu haben, nur das Camping ist bereits ausverkauft.

Rock in Vienna - Geländeplan
© Rock in Vienna Der Geländeplan

Das Konzept soll sich dann auch in den folgenden Jahren fortsetzen, denn Stockinger stellte klar: "Das ist kein einmaliges Ding." Vielmehr sei es Anliegen des Veranstalters, langsam aber beständig ein völlig neues Festival aufzubauen. Die Anreise empfiehlt sich übrigens mit den Öffis - Parkplätze gibt es nämlich keine.

Weitere Info, Timetable und Co. gibt es unter rockinvienna.at.

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