Roberty Meyer erster Mann in Volksoper: Burgschauspieler leitet Haus ab Saison 2007

Ihm zur Seite steht Chefdisponent Rainer Schubert

"Die Volksoper hat ein neues Gesicht." Mit diesen Worten stellte Kunststaatssekretär Franz Morak am Mittwoch den 52-jährigen Burgschauspieler Robert Meyer als Volksopern-Direktor ab der Saison 2007/08 vor. Meyer erhält einen Fünf-Jahres-Vertrag und folgt Rudolf Berger nach, der um ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen aus seinem Amt scheidet. Ihm wird der bisherige Burgtheater-Chefdisponent Rainer Schubert (51) zur Seite stehen. Dies sei die "erste kluge Personalentscheidung" Meyers gewesen, sagte Morak. Eine Bezeichnung für Schuberts Funktion gibt es vorerst nicht. Klar sei jedoch, dass er selbst als Direktor die Letztverantwortung trage, so Meyer.

Man habe sich für die Eigenständigkeit der Volksoper und gegen jede Interimslösung entschieden, sagte Morak, der sich von seinem einstigen Schauspielerkollegen "einen neuen Impuls für die Volksoper im Geist des Volkstheaters" erwartet. Meyer hatte 1974 am selben Tag wie Morak sein Burgtheater-Engagement angetreten und lässt sich nun dort karenzieren. Morak erwartet sich vom künftigen Direktor eine eindeutige Positionierung des Hauses und die Entwicklung eines eigenständigen Profils, bei dem die Tradition der Volksoper und die Operettenpflege nicht vernachlässigt, gleichzeitig aber auch neues, junges Publikum erschlossen werde.

Meyer betonte, er habe "die Kraft und die Freude" für seine neue Aufgabe und sich mit Schubert einen "intimen Kenner dieses Hauses" an die Seite geholt. Während Meyer das Haus nach außen vertreten und Ansprechpartner für Publikum, Ensemble und Technik sein werde, möchte Schubert im Hintergrund arbeiten. Spielplan- und Besetzungsfragen wollen die beiden gemeinsam klären. Bis 2008 wird dabei wohl auch der derzeitige Chefdirigent des Hauses, Leopold Hager, ein Wort mitreden.

In der ersten Spielzeit, in der neben einer "Tiefland"-Koproduktion mit Frankfurt auch ein Japan-Gastspiel der Volksoper bereits fixiert sei, werde er sicher nicht selbst inszenieren, "für später schließe ich das nicht aus", sagte Meyer, der versuchen will, das Haus mit dem vorhandenen Budget zu führen.

Rudolf Berger wünscht Meyer und Schubert "viel Glück. Wann immer der neue Direktor Fragen hat, freue ich mich, ihn in der Übergangszeit zu unterstützen", so der scheidende Volksopern-Direktor in einem kurzen Statement gegenüber der APA. Erleichtert zeigte sich der geschäftsführende Betriebsrat des künstlerischen Personals der Volksoper, Josef Luftensteiner: "Wir sind mit der Entscheidung sehr glücklich. Wir halten das für eine gute Entscheidung, die wir auch tatkräftigst unterstützen." Burgtheater-Direktor Klaus Bachler, der zwei Mitglieder seines Hauses an die Volksoper verliert, gratulierte: "Was die beiden jetzt brauchen, ist Glück und dass man ihnen eine Chance gibt."

"Robert Meyer und Rainer Schubert sind gemeinsam ein hervorragendes Team", meinte Holding-Chef Georg Springer, und Staatsopern-Direktor Ioan Holender meinte zu Meyer: "Seine Bestellung hat alle meine Sympathie." Und Schubert kenne "das Publikum und die Temperatur der Volksoper. Man braucht kein Thermometer, wenn Schubert dort ist."

Das Zurückgewinnen von Zuschauern und Abonnenten bezeichneten Meyer und Schuberts als ihre vorrangigen Ziele. "Neue Abonnenten für die Volksoper zu finden ist schwierig", kommentierte Holender, "aber wenn es jemand kann, dann die beiden."

(apa/red)