Risikobewusstsein ist bei jedem anders: Autofahrer sind unterschiedlich unterwegs

Wahrnehmung, Erfahrung und Alter spielen eine Rolle Die Autofahrer schätzen das Risiko unterschiedlich ein

Risikobewusstsein ist bei jedem anders: Autofahrer sind unterschiedlich unterwegs © Bild: dpa/Weissbrod

Bei Gelb in die Kreuzung einfahren, riskante Überholmanöver, dichtes Auffahren, Verzicht auf den Sicherheitsgurt: Werden solche Regelverstöße im Straßenverkehr von allen Autofahrern als gleich gefährlich eingestuft? Eine Umfrage unter 2.000 Personen kam zu dem Ergebnis, dass die Risikoeinschätzung stark von der subjektiven Wahrnehmung und der Erfahrung beeinflusst wird. Alter und Geschlecht spielen ebenso wie die Fahrroutine wichtige eine Rolle.

Für die Auswertung der Umfrage wurden zwei Gruppen gebildet: Die Gesamtheit der Autofahrer und Führerscheinneulinge, die seit maximal drei Jahren den Führerschein besitzen. Auf die Frage nach Top-Risikosituationen im Straßenverkehr meinten beide Gruppen "nicht angepasste Geschwindigkeit" (46 Prozent der Autofahrer, 42 Prozent der Führerscheinneulinge). Danach wichen die Einschätzungen voneinander ab: Die Routiniers nannten an zweiter Stelle gefährliche Überholmanöver (30 Prozent) weiters Telefonieren ohne Freisprechanlage und SMS versenden beziehungsweise zu geringer Abstand (jeweils 25 Prozent).

Bei den Anfängern rangierten Alkohol und Drogen (34 Prozent) an zweiter Stelle. "Hier spiegelt sich das größere Problem von Alkohol am Steuer bei jugendlichen Verkehrsteilnehmern sowie die strengeren Bestimmungen für Probeführerscheinbesitzer (0,1 Promillegrenze) wider", erklärte die ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa. Weiters gereiht sind gefährliche Überholmanöver (23 Prozent), schlechtes Wetter (16 Prozent), Telefonieren und SMSen (15 Prozent) und zu geringer Abstand (13 Prozent).

Führerscheinneulinge neigen zum Risiko
Anhand der Umfrageergebnisse zeigte sich, dass Anfänger eher zu riskantem Verhalten neigen als die Autofahrer gesamt. So gaben 28 Prozent an, bei Gelb in die Kreuzung zu fahren (Routiniers: 16 Prozent). Ebenfalls 16 Prozent der Neulinge telefonierten ohne Freisprecheinrichtung während des Fahrens (Routiniers: acht Prozent). Auch bei der Konzentration und Aufmerksamkeit sowie beim Einhalten des Abstandes zum Vordermann sind die erfahrenen Autofahrer überlegter. Fahranfänger neigen eher dazu, sich übermüdet hinter das Steuer zu setzen und riskante Überholmanöver zu wagen.

Führerscheinneulinge sind auch nachlässiger, wenn es um den technischen Zustand des Pkw sowie um die Reparatur von Schäden geht. "Das liegt daran, dass sie seltener ein eigenes Auto besitzen und dies demnach oft von den Eltern übernommen wird beziehungsweise ihnen selbst das Geld fehlt", begründete Donosa.

Landeshauptstädte überprüft
Es wurde überprüft, welche Verkehrsdelikte von Autofahrern besonders häufig begangen werden. Besonderer "Beliebtheit" erfreut sich offensichtlich das Lenken ohne Sicherheitsgurt: In Graz waren 40 Prozent der beobachteten Fahrer nicht angeschnallt, in Eisenstadt 36 Prozent, in Wien 25 Prozent, in St. Pölten 23 Prozent, in Linz 22 Prozent, in Innsbruck 19 Prozent und in Salzburg 15 Prozent. Das Schlusslicht bildeten Klagenfurt und Bregenz, wo sich nur 14 beziehungsweise neun Prozent nicht anschnallten. Gurtmuffel waren vor allem Lieferanten, Taxifahrer und Bauarbeiter.

Beobachtet wurde außerdem, dass viele Fahrer noch schnell aufs Gas steigen, wenn es Gelb wird und sich daher bei Rot im Kreuzungsbereich befinden. Trauriger Spitzenreiter war wieder Graz mit 17 Prozent der beobachteten Autos, vor Wien (sieben Prozent), Innsbruck (vier Prozent), St. Pölten (drei Prozent), Salzburg (zwei Prozent) und Eisenstadt beziehungsweise Linz (jeweils ein Prozent) und Bregenz (null Prozent). Besonderer Beliebtheit erfreute sich auch das Abbiegen ohne Blinken in der Abbiegespur: In Eisenstadt taten dies 54 Prozent der Pkw-Lenker, in Innsbruck 51 Prozent, in Graz 31 Prozent, in St. Pölten 26 Prozent, Wien sieben Prozent, Salzburg vier Prozent und in Linz bzw. Bregenz jeweils drei Prozent. (apa/red)