Rio Umweltschutz von

Konferenz gescheitert?

Greenpeace sieht "Game Over" der Umweltkonferenz und kritisiert Minister

Rio Umweltschutz - Konferenz gescheitert? © Bild: Apa/Epa/Carneri

Alexander Egit von Greenpeace übt Kritik an Minister Berlakovich und ist bitter enttäuscht von der Umweltkonferenz in Rio. Britische NGO bot aus Protest Regenwald auf Ebay zum Verkauf an.

Vor seinem Hotelfenster kreisen Militärhubschrauber, der Himmel ist trüb, die Stimmung auch. Alexander Egit, Geschäftsführer von Greenpeace Österreich, ist einer von Zehntausenden Teilnehmern am UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro. Und wie die meisten ist auch er maßlos enttäuscht über eine Veranstaltung, die im Grunde zu Ende war, bevor sie begonnen hat.

"Lustig ist es hier nicht", sagt der Umweltaktivist 20 Jahre nach seinem ersten Besuch in Rio im APA-Gespräch. Dabei sei es ein Begegnungsplatz von so vielen Menschen wie noch nie in der Geschichte, 50.000 Leute, "das ist doch eine Chance, die genützt werden muss", der Grad an Buntheit und Vielfalt sei einzigartig.

Dennoch: "Gerade für NGOs sind die Ergebnisse weit weg von dem, was der Planet braucht. Es gab kein Meeresschutzabkommen, die 'green economy" wurde sinnentleert definiert, eine Aufwertung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) fand nicht statt, es gab keinerlei konkrete Finanzierungszusagen - das ist schon ein Crash."

Glas leer
Am Mittwochabend traf Egit auf den österreichischen Staatssekretär im Außenministerium, Wolfgang Waldner. "Wir hatten eine lange Diskussion, er meinte bezüglich des Abschlussdokuments, man könne das sehen wie man wolle, also Glas halbvoll oder halbleer. Aber im Glas sind in Wahrheit nur ein paar Tropfen drinnen, da gibt es nichts zu interpretieren. Die ohnehin niedrigen Erwartungen sind noch unterschritten worden. Mehr noch: Es gibt vereinzelt sogar Rückschritte. 1992 war es zum Beispiel völlig klar, dass der Planet natürliche Grenzen hat und es Grenzen der Ausbeutung gibt. Doch jetzt gibt es keine Formulierungen mehr, die diese Grenzen stecken."

"Ob die Welt noch zu retten ist? So wie wir sie kennen, sicher nicht. Das, was wir noch retten können, wird grundlegend anders aussehen", prophezeit Egit. "Wir von Greenpeace und eigentlich alle anderen Umweltschutzorganisationen gehen davon aus, dass ein Anstieg der Temperatur nicht mehr zu stoppen ist, wenn nicht bis 2015 eine Trendumkehr bei den Treibhausgasemissionen erfolgt. Den Planeten wird's schon noch weiter geben, aber die Rahmenbedingungen werden sich fundamental ändern."

Deshalb gelte es, Konferenzen wie jene in Rio zu nützen. Aber nicht zum Reden allein. "Die Zeit für Diskussionen ist vorbei, jetzt brauchen wir konkrete Maßnahmen. 1992 war eine völlig andere Situation und Stimmung, man wusste zwar, dass Klimawandel ein Problem ist, hatte aber keine Ahnung von den möglichen Folgen."

Das vielzitierte und aufgrund seines Inhalts sowie der Bekanntgabe noch vor Konferenzbeginn heftig kritisierte Abschlusspapier habe viel dazu beigetragen, dass die "Luft jetzt draußen ist. Die brasilianische Regierung hat dafür gesorgt, dass nun Game over ist", weil kein Platz für Verhandlungen mehr sei.

Kein Verständnis für Berlakovich
Mit Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) geht der Greenpeace-Geschäftsführer konform, der einen "Neustart" für die UN-Umweltgipfel forderte. Dessen kurzfristige Absage hat Egit überrascht und auch ein bisserl geärgert: "Berlakovich hätte sich hier hinstellen müssen und seine Unzufriedenheit kundtun."

Britische NGO bot Regenwald und Sumatra-Tiger auf Ebay an
Der Regenwald am Amazonas und der Sumatra-Tiger zum Spottpreis: Die britische Organisation Mouvement hat am Mittwoch den Planeten samt seiner gefährdeten Arten auf Ebay zum Verkauf angeboten und damit gegen die "Vermarktung" der Natur auf dem UN-Gipfel in Rio de Janeiro protestiert. Das Online-Auktionshaus nahm das Angebot kurz nach Erscheinen aber wieder heraus, erklärte Mouvement in Rio.

Zu dem Tiger schrieb der "Verkäufer" etwa: "Da es eine vom Aussterben bedrohte Rasse ist, lohnt es sich, zu investieren. Er behält seinen Wert, verpassen Sie diese fabelhafte Chance nicht!"

Den Regenwald am Amazonas bot die Organisation für globale Entwicklung für ganze 1,50 Dollar an. Zum "Verkauf" standen auch ganze Ozeane und Seen. "Indem wir Naturgebiete verkaufen, folgen wir nur dem britischen Standpunkt", erklärte Kirsty Wright, "nämlich, dass ihr Wert messbar sei, dass man sie besitzen und damit spekulieren und sie letztlich verkaufen könne".