"Riesen-Party" trotz eisiger Temperaturen: Volksfest-Stimmung bei Obama-Einführung

Hunderttausende strömten nach Washington "Das ist der Höhepunkt von zwei Jahren Arbeit"

"Riesen-Party" trotz eisiger Temperaturen: Volksfest-Stimmung bei Obama-Einführung

Zum großen Tag erwacht die Hauptstadt besonders früh. Die U-Bahn fährt schon um 04.00 Uhr mit Extrazügen, um Obama-Fans in die Innenstadt zu bringen. Und um das Kapitol versammeln sich die Massen schon vor Sonnenaufgang. Trotz der eisigen Temperaturen verwandeln sie die elegante Prachtmeile National Mall in eine Partyzone.

"Das ist der Höhepunkt von zwei Jahren Arbeit", sagt der Obama-Unterstützer Akin Salawu aus New York, der den neuen Präsidenten im Wahlkampf aktiv vor Ort und im Internet unterstützte. Er sei an Bord gegangen, als Obama noch unbekannt gewesen sei. "Er ist wie ein Kind, an das man sich klammert. Jetzt geht er hinaus in die Welt."

Bis zu zwei Millionen Obama-Fans finden sich ein, die den letzten Schritt auf dem Weg zur Macht selbst mitverfolgen wollten. Das Wetter hält sie nicht ab, auch wenn Wärmezelte beim Kapitol später als geplant öffnen, weil Angestellte im dichten Verkehr steckenbleiben. An den Sicherheitsschleusen bilden sich Schlangen mit Tausenden Menschen.

Langes Warten
Connie Grant stand um 03.30 Uhr auf und steht drei Stunden später immer noch auf der 7th Street und wartet, dass die Polizei den Zugang zur Mall freigibt. Das macht ihr nichts aus. "Ich habe Opfer gebracht und bin hergekommen. Für mich ist das ein historisches Ereignis. Ich wollte einfach hier sein."

Christian Alderson aus Virginia war an dem Tag in Memphis, als der Bürgerrechtler Martin Luther King ermordet wurde. "Dieser Tag war furchtbar", sagt der 73-Jährige. "Hier wird hingegen ein Traum für mich wahr."

Am anderen Ende der Stadt skandieren Studenten der Georgetown-Universität Schlachtrufe auf dem Weg zur Amtseinführung. Auch in der U-Bahn ist die Stimmung trotz der frühen Stunde beschwingt. In Fredericksburg, etwa eine Stunde von Washington entfernt, rufen Fans "Obama! Obama!" auf einem Bahnhof für Pendler.

Frühaufsteher
Auch der Geschichtslehrer Calvin Adams aus dem Washingtoner Vorort Arlington stand extra früh auf. Er wolle die Geschichte aus erster Hand mitbekommen, an seine Schüler weitergeben und dabei sagen: "So funktioniert das. Ich war dabei und habe es gesehen."

Die freudige Stimmung der Menschen wird nur von Verspätungen getrübt und der Angst, keine ordentliche Sicht zu haben, wenn in der Hauptstadt Weltgeschichte geschrieben wird. Die 51-jährige Lehrerin Alice Williams etwa hat eigentlich Karten, um ganz nah am Kapitol zu sein. Doch jetzt ist sie Hunderte Meter entfernt. "Wir sind abgeschnitten worden. Da war zu viel Verkehr und niemand hat geholfen", sagt sie. "Ich bin eineinhalb Stunden gelaufen. Ich möchte nur sehen, wie mein Präsident seinen Amtseid ablegt."

(apa/red)