"Riesen-Hammer": Österreichische Post
erwirbt 74 Prozent an deutscher trans-o-flex

Post will jetzt in ganz Europa Paketnetz aufbauen Wais kündigte Einsparungen bei trans-o-flex an

Die Österreichische Post AG kauft das deutsche Logistikunternehmen trans-o-flex. Nach monatelangen Vorbereitungen hat die Post den Deal endgültig unter Dach und Fach gebracht. Das seit heuer an der Börse notierte Unternehmen steigt damit ins deutsche Post-Geschäft ein und verdreifacht ihren Paket-Umsatz. Generaldirektor Anton Wais sprach in einer Pressekonferenz von einem "Riesen-Hammer". Statt bisher nur in Südosteuropa will die Österreichische Post jetzt in ganz Europa ein Netz aufbauen.

"Wir biegen in eine neue Zielgerade ein. Von Südosteuropa geht es jetzt nach Gesamteuropa", sagte Wais. Eine völlig neue Wachstumsperspektive orten die Börsianer aber noch nicht. Die Aktie legte nur noch leicht zu. Alleine in den vergangenen drei Wochen hatte die Aktie allerdings ein Viertel an Wert gewonnen. Mehrere Marktteilnehmer sprachen von möglichem Insiderhandel. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) prüft jetzt routinemäßig die Vorgänge vor der Transaktion.

Mit der unternehmerischen Führung bei trans-o-flex sichert sich die Österreichische Post eines der wenigen flächendeckenden Logistiknetze in Deutschland mit insgesamt 39 Distributionsgesellschaften und rund 900 Mitarbeitern. Der Schwerpunkt liegt in der Zustellung von Medikamenten und Unterhaltungsgeräten von Firma zu Firma (B2B). Die Börsenbeobachter bewerten die Übernahme grundsätzlich positiv. Der Kaufpreis - deutlich weniger als 200 Mio. Euro - wird von Analysten durchwegs als "fair" bewertet. "Der Multiple liegt im Durchschnitt deutlich über dem, was die Post für trans-o-flex bezahlt hat", so Erste Bank-Analyst Christoph Schultes.

Stillschweigen über Kaufpreis
Post-Finanzvorstand Rudolf Jettmar bezifferte den Unternehmenswert der trans-o-flex mit 225 Mio. Euro. Über den Kaufpreis (ohne übernommenen Finanzverbindlichkeiten), den die Post in Bar leisten wird, wurde Stillschweigen vereinbart. Der Preis sei aber "signifikant geringer als der Unternehmenswert", betonte Jettmar. Nach Genehmigung durch die Kartellbehörden kauft die Post zunächst voraussichtlich Anfang Dezember 74,9 Prozent. Bis spätestens Mai 2009 sollen dann auch die restlichen 25,1 Prozent von den bisherigen Teilhabern, den privaten Beteiligungsgesellschaften Odewald & Compagnie und der Alpha Gruppe, in das Eigentum der Post wechseln. Eine entsprechende Kaufoption haben die Verkäufer der Post bereits eingeräumt.

In den zwölf Monaten bis Juni 2006 erzielte trans-o-flex einen Umsatz von rund 460 Mio. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von rund 27 Mio. Euro. Die Österreichische Post erhöht mit der Übernahme ihren Gesamtumsatz auf rund 2,2 Mrd. Euro. Die Vollkonsolidierung erfolgt mit der Übernahme voraussichtlich Anfang Dezember, signifikant ergebniswirksam wird sie damit ab 2007.

Kritisch bemerkten die Analysten, dass sich die Ertragskraft der Post durch diese Übernahme zunächst etwas verschlechtern wird. Der Anteil des Betriebsgewinns (EBIT) am Umsatz wird sich nach ersten Schätzungen um 0,5 Prozentpunkte reduzieren, die EBITDA-Marge um 1,6 Prozentpunkte. Die Post selbst will ihre Gewinn-Ziele von mittelfristig 7 bis 8 Prozent EBIT-Marge aber einhalten. trans-o-flex werde sich, um dieses Ertragsniveau zu erreichen, "noch verbessern müssen", sagte Wais. Zwar sei auf der Kostenseite "schon viel geschehen". Grundsätzlich sei aber "auf der Kostenseite immer und überall etwas drinnen". Auch auf der Management-Ebene soll es Veränderungen geben. Die Marke trans-o-flex wird beibehalten.

In der Kriegskasse der Post verbleibt nach der Übernahme noch ein dreistelliger Millionen-Betrag - genauere Zahlen nannte das Unternehmen nicht. Nach Angaben von Wais vor zwei Wochen, standen vor der trans-o-flex-Übernahme dem Unternehmen rund 450 bis 500 Mio. Euro für Zukäufe zur Verfügung. Im Visier sind nach osteuropäischen Paket-Firmen und Werbeverteilern nun auch Brief-Zusteller in Westeuropa. Unter anderem hat die Post in Deutschland noch ein weiteres Übernahmeobjekt im Auge. Heuer wird es voraussichtlich aber keinen Zukauf mehr geben. (apa/red)