RI kauft und verkauft Banken: Nettogewinn nach drei Quartalen fast verdoppelt - Rekord

Kasachstan-Bankanteil verkauft: Brachte 100 Mio. €

Raiffeisen International (RI), die börsenotierte Ostbankentochter der Raiffeisen Zentralbank, ist heuer sowohl auf der Banken-Käuferseite als auch erstmals auf Verkäuferseite unterwegs. Die Veräußerung der 8-prozentigen kasachischen Bankbeteiligung (TuranAlem) brachte für die Bilanz in den ersten neun Monaten 2006 einen einmaligen Sondererlös von 102 Mio. Euro. Ein satter Gewinn aus einem Bankenverkauf erwächst auch noch aus dem Verkauf der Raiffeisenbank Ukraine. Auch ohne diese Einmalerlöse liegen, wie der Vorstand meldete, Rekordergebnisse vor.

Bereits im Oktober hatte die durch Akquisitionen weiter stark gewachsene Bank ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2006 angehoben, statt wie zuvor bis zu 500 Mio. Euro wird nun - noch ohne Sondererlöse aus Bankanteilsverkäufen - ein konsolidierter Nettogewinn von 550 Mio. Euro erwartet. Diese Prognose hat RI-Chef Herbert Stepic bekräftigt. Vom Banken-U-Ausschuss erwartet er sich keine Auswirkungen auf das Ostgeschäft, betonte Stepic. Zugleich kündigte er substanzielle Kapitalerhöhungen in den beiden Russland-Töchtern Impexbank und Raiffeisenbank Austria in den kommenden Monaten an.

Gewinn nach drei Quartalen fast verdoppelt
In den ersten neun Monaten 2006 hat die RI ihren Gewinn fast verdoppelt. Der konsolidierte Nettogewinn stieg um 93,3 Prozent auf 539,3 Mio. Euro. Damit lag der Konzern im oberen Feld der Analystenerwartungen. Selbst ohne Einmaleffekt läge das Ergebnis mit 437,3 Mio. Euro noch immer um knapp 57 Prozent über Vorjahr, so die RI. Auch der Vorsteuergewinn (752,6 Mio. Euro, plus 80,7 Prozent) und der Überschuss nach Steuern (611,3 Mio. Euro, plus 82,5 Prozent) liegen auf Rekordniveau. Der Gewinn je Aktie stieg bis Ende September um 1,72 Euro auf 3,78 Euro.

Bilanzsumme stieg auf 50,3 Mrd. Euro
Die Bilanzsumme stieg seit Jahresende 2005 von damals 40,7 auf nunmehr 50,3 Mrd. Euro. Bis 2008 geht das Management von einem jährlichen Bilanzsummenzuwachs von "mindestens" 20 Prozent aus. Im Vergleich zum dritten Quartal 2005 gab es wieder wesentliche Änderungen im Konsolidierungskreis: Die ukrainische JSPP Bank Aval (umfirmiert in OJSC Raiffeisen Bank Aval) wurde im vierten Quartal 2005 neu dazu bilanziert. Die JSC Impexbank, Moskau, aber auch Gesellschaften wie Raiffeisen Real Estate Management Zrt samt Projektgesellschaften (REM Gruppe), wurden ab dem zweiten Quartal 2006 einbezogen, wodurch im Bilanzvolumen 1,9 Mrd. Euro aus Neukonsolidierungen stammten. Durch die teilweise stark abgewerteten Währungen einiger CEE-Länder (speziell Forint, ukrainische Hryvna sowie Zloty) wurde die Bilanzsumme andererseits mit 0,6 Mrd. Euro belastet. Somit lag das organische Wachstum bereinigt um beide Faktoren bei etwas mehr als 8,3 Mrd. Euro oder 20 Prozent. Die Zahl der Kunden beträgt rund 11,7 Millionen.

Das Betriebsergebnis lag bei 877,2 Mio. Euro, ein Zuwachs um 64,3 Prozent. Von diesem Zuwachs entfielen rund 120 Mio. Euro auf neu konsolidierte Konzerneinheiten - insbesondere auf die Raiffeisen Bank Aval und die Impexbank.

Die Kreditrisikovorsorgen stiegen um 91,8 Prozent oder 109,8 Mio. Euro auf 229,3 Mio. Euro, was ebenfalls nahezu eine Verdoppelung bedeutete. Von diesem Zuwachs entfielen 63 Mio. Euro auf neu einbezogene Unternehmen und damit auf die GUS.

Die Eigenkapitalrendite konnte erneut verbessert werden. Der Return on Equity (ROE) vor Steuern lag mit 30,6 Prozent um 8,8 Prozentpunkte über dem Wert zum Jahresende 2005. Ohne Berücksichtigung des Einmaleffektes wären es immer noch 26,5 Prozent (plus 4,7 Prozentpunkte) gewesen. Für 2009 prognostiziert Raiffeisen International einen Return on Equity (ROE) vor Steuern von mehr als 25 Prozent. Die Cost/Income Ratio soll unter 58 Prozent liegen, für die Risk/Earnings Ratio legte das Management die Zielmarke auf rund 15 Prozent fest. Das durchschnittliche Eigenkapital stieg um 25 Prozent auf 3,276 Mrd. Euro.

Die für die Bewertung der Finanzkraft wichtige Tier 1-Ratio lag Ende September bei 7,2 Prozent (Ultimo 2005: 9,0 Prozent). Die Tier 1-Ratio inklusive Marktrisiko beträgt 6,5 (8,0) Prozent und liegt damit deutlich über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsatz von 4,0 Prozent, so die RI. Der Jahresüberschuss 2006 sowie die Erlöse aus dem Verkauf der JSC Raiffeisenbank Ukraine und des Minderheitsanteils an der BTA würden diese Werte zum Jahresende deutlich verbessern, erwartet Stepic.

Die RI-Aktie gab an der Wiener Börse bis Donnerstagnachmittag um 1,65 Prozent auf 88 Euro nach. (apa)