Revolution in Mexiko? Mehr als eine Million protestieren gegen knappes Wahlergebnis

Lopez Obrador kündigt zivilen Widerstand an 0,58 % Rückstand: Neuauszählung gefordert

Mehr als eine Million Menschen hat in Mexiko bei einer Protestkundgebung eine Neuauszählung der Stimmen der Präsidentenwahlen vom 2. Juli gefordert. Der so genannte Marsch auf die Hauptstadt Ciudad de Mexico wurde vom unterlegenen linksgerichteten Kandidaten Andrés Manuel López Obrador angeführt. López Obrador hatte die Wahlen nach der offiziellen Auszählung nur mit einem Unterschied von 244.000 Stimmen oder 0,58 Prozentpunkten gegen den Konservativen Bewerber Felipe Calderón von der Regierungspartei der Nationalen Aktion verloren.

In einer von seinen Anhängern bejubelten Rede kündigte López Obrador neue friedliche Widerstandsaktionen gegen den "Wahlbetrug" an. "Wir werden einen friedlichen zivilen Widerstand beginnen, um die Demokratie zu verteidigen. Wir werden keine demokratische Mühe scheuen. Wir werden triumphieren", sagte der 52-Jährige vor Hunderttausenden auf dem Zócalo-Platz im Zentrum der mexikanischen Hauptstadt. " Der frühere Bürgermeister der Hauptstadt forderte eine Neuauszählung "Stimme für Stimme" und rief seine Anhänger zu einer neuen Protestversammlung am 30. Juli auf.

Zehntausende hatten in vielen Teilen des Landes seit Tagen den Marsch auf die Hauptstadt begonnen. Sie waren zu Fuß, zu Pferd, mit Fahrrädern oder anderen Fahrzeugen unterwegs. Die Menschen forderten auf Plakaten die Neuauszählung und schwenkten gelb-rot-schwarze Fahnen der Obrador-Wahlallianz PRD. Nach Schätzung der Sicherheitsbehörden versammelten sich zur Kundgebung im Zentrum der Hauptstadt 1,1 Millionen Menschen.

"Die Menschen sind sehr wütend. Wir werden einfach nicht nach Hause gehen. Wir werden so lange weitermarschieren, bis er zum Präsidenten erklärt wird", sagte Francisco Benavides, ein Bauer aus dem Staat Morelos. "Es gab Wahlbetrug. Es ist eine Ungerechtigkeit und eine Verhöhnung des Landes und des Volkes", sagte die 56-jährige Marschteilnehmerin Paulina Mantilla. Sie trug ein Plakat mit der Aufschrift: "Mit welcher Ruhe kann ein Regierender arbeiten, der betrogen hat?". Ein weiterer Kundgebungsteilnehmer versicherte: "Wenn es kein Abkommen gibt, wird es in Mexiko eine Revolution geben".

Das Bundeswahlgericht muss bis zum 31. August über den mit 300 Seiten begründeten Antrag von López Obrador entscheiden, um am 6. September den Namen des neuen Staatspräsidenten von Mexiko offiziell bekannt geben zu können.

(apa/red)