Retro-Boom von

Das Geschäft mit der Nostalgie

Industrie hat entdeckt, wie sie unsere Kindheitserinnerung in bare Münze verwandelt.

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    PEZ

    Die PEZ-Zuckerl aus dem Spender sind der Inbegriff der Nostalgie-Produkte. Die original PfEfferminZ (=PEZ) Bonbons wurden eben wieder neu aufgelegt. PEZProdukte sind in 80 Ländern erhältlich.

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    AHOI BRAUSE

    Prickelnde Erinnerung. Das Brausepulver wird seit 1925 hergestellt. Der Geschmack von Waldmeister, Himbeere, Orange und Zitrone ist seit Generationen unverändert geblieben. Seit 2002 gehört Frideo zum Katjes-Imperium. Jährlich werden über 200 Millionen Packungen produziert.

Als vor fast 15 Jahren das Buch "Wickie, Slime & Paiper“ erschien, wurde eine gewaltige Nostalgiewelle ausgelöst. Es sollte aber erst der Beginn des Retro-Booms sein. Denn vor allem die Industrie hat entdeckt, wie sie unsere Kindheitserinnerung in bare Münze verwandelt. Die Neuauflagen der guten, alten Produkte sorgt für Milliardenumsätze und immer wieder neue Überraschungen.

Was sich stark verändert hat, das sind die Kommunikationsmittel. Der Konsument war noch nie so mächtig - und auch noch nie so gut überwacht. Wenn heute in Social-Media-Gruppen Tausende Menschen nach einem Produkt von damals rufen, dann hört die Industrie genau zu.

Im Jahr 1999 mussten die Freunde des Paiper-Eislutschers noch Unterschriften sammeln, um die Unilever-Tochter Eskimo zur Wiedereinführung der kalten Nascherei zu bewegen. Die Fans des Tschisi-Eis hatten da weit weniger Aufwand: Eine Facebook-Gruppe sammelte in kürzester Zeit rund 80.000 "likes“. Unilever wusste das zu nützen. Vergangenen Februar wurde das Tschisi-Eis wieder eingeführt und wanderte seither 9,4 Millionen Mal aus den Tiefkühltruhen in Konsumentenhände.

"So schmeckt Glück“ nennt Eskimo seine Homepage und stellt dort perfektes Marketing unter Beweis. "Wir reden hier vom Geruch und Geschmack der Kindheit. Das bedeutet Sicherheit, Geborgenheit und Glück“, analysiert Rainer Gries, Experte für Produktkommunikation und Professor an der Wiener Sigmund-Freud-Universität.

Kalorienbombe mit Fangemeinde

So wird es auch verständlich, wie sich Tausende Menschen innerhalb kürzester Zeit gegen die Schließung der Schwedenbomben-Fabrik Niemetz stark gemacht haben. Die Facebook-Gruppe hatte in wenigen Tagen über 40.000 Fans. Die Seite wurde dann allerdings geschlossen und die Initiatoren vermuten, dass den überwachenden Amerikanern das Wort "Bombe“ zu bedrohlich erschienen war.

Die Welle war allerdings schon in Bewegung und konnte dadurch nicht gestoppt werden. Innerhalb von wenigen Tagen fegte die Nachfrage nach Schwedenbomben die Supermarktregale leer.

Das gab den Verhandlungen um die von der Schließung bedrohte Firma Niemetz neuen Auftrieb. Die Schwedenbombenfirma wurde schließlich um 5,25 Millionen Euro von der Meinl-Tochter Heidi Chocolat gekauft. Julius Meinl V. bekannte sich zum Standort Österreich und zur weiteren Produktion der Schwedenbombe. Inzwischen konnte Meinl 20 zusätzliche Arbeitskräfte einstellen.

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