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Strafe für verfallene Reservierungen

Gastronomen diskutieren Pönale. NEWS.AT hat nachgefragt.

Reservierungsschild im Restaurant © Bild: Thinkstock/iStockphoto

Die steirische Gastronomie diskutiert über Stornogebühren für den Fall, dass Gäste, die einen Tisch reserviert haben, nicht erscheinen. NEWS.AT hat bei Wiener Gastronomen nachgefragt, ob diese Regelung Sinn macht.

Die steirischen Gastronomen vergleichen die Reservierungen in Restaurants mit jenen bei Reiseveranstaltern, bei denen Stornogebühren ganz normal seien. "Wenn in einem Haubenlokal sechs oder mehr Personen einen Tisch reservieren und nicht kommen, kann der Verlust rasch in die Hunderte Euro gehen", so Karl Wratschko, Fachgruppen-Obmann der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer Steiermark.

"Gäste-Vertreibungsaktion"

NEWS.AT hat in der Wiener Restaurantszene nachgefragt, was man vom Vorschlag der steirischen Kollegen hält. Innenstadtgastronom Lefteris Dermitzakis (Orpheas, Ella's) findet die Überlegungen für die Großstadt nicht umsetzbar. "Das gleicht eher einer Gäste-Vertreibungsaktion als einem sensiblen Umgang mit langjährigen Stammgästen. Im urbanen Umfeld mit einem hohen Anteil an Business-Gästen ist das nicht denkbar und auch fernab der Realität." Mit Stornierungen hat er wenig negative Erfahrungen: Es wird eher verschoben als komplett storniert.

No-Shows wirtschaftlich nicht vertretbar

Es gibt aber auch Stimmen, die den steirischen Überlegungen durchaus etwas abgewinnen können. "Wir haben in unseren drei DOTS-Restaurants meistens sogar Wartelisten für die Reservierungen. No-Shows nehmen anderen Gästen den Platz weg und sind einen finanzielle Mehrbelastung für den Gastronomen", erklärt Eigentümer Martin Ho. Palais-Coburg-Chef Silvio Nickol stimmt dem zu: "Es passiert auch bei uns immer wieder, dass Gäste reservieren, aber dann am Abend nicht kommen und auch nicht absagen. In einem Restaurant mit ohnehin nur 45 Plätzen ist das nicht nur wirtschaftlich nicht vertretbar, vielmehr stört mich, dass dann der Tisch leer bleibt, obwohl wir oft eine Warteliste mit Gästen haben, die gerne gekommen wären."

Entscheidung soll bei Gastronomen liegen

Ob Gäste bei der Reservierung bereits ihre ganzen Daten angeben oder etwa im Krankheitsfall eine ärztliche Bestätigung vorlegen müssen, um der Stornogebühr zu entgehen, ist in der Steiermark übrigens noch unklar: "Soweit sind wir noch nicht. Erst müssen wir einmal über das Thema reden." Eine generelle Stornogebühr bei Tischreservierungen sei laut Wratschko nicht in Betracht zu ziehen. Eine Einführung der "Pönale" solle sich der Wirt jedenfalls aussuchen können. "Jeder Wirt soll entscheiden können, ob das bei seinem Klientel sinnvoll ist."

Fairness steht im Vordergrund

"Mir persönlich geht es nicht um die Storno-Gebühr an sich, sondern um eine gewisse Kultur im Umgang mit Reservierungen und Stornierungen", erklärt Silvio Nickol. Und auch für Martin Ho steht der Fairness-Faktor im Vordergrund: "Den Ansatz einer teilweisen Rückvergütung halte ich für sinnvoll, weil es ein faires Entgegenkommen gegenüber dem Gast ist." Gastronom David Schober hat ein Handling gefunden, das in seinem Lokal d.a.s. hungerberg gut funktioniert: "Bei allen Reservierungen notieren wir die Telefonnummer, wodurch wir bei Nichterscheinen rasch reagieren können und auch für eine gewisse Verpflichtung bei den Gästen sorgen."

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