Benko in der Krise

35-jähriger Immo-Milliardär stellt sich den unangenehmen NEWS-Fragen

von Renè Benko - Benko in der Krise © Bild: FORMAT René Prohaska

NEWS: Herr Benko, unserer Redaktion wird von mehreren Seiten zugetragen, dass Ihre Unternehmensgruppe in Schwierigkeiten steckt. Können Sie uns sagen, wie es der Signa-Gruppe unternehmerisch geht?
René Benko: Die Signa-Gruppe ist unternehmerisch sehr erfolgreich und kapitalmäßig bestens aufgestellt mit einem Eigenkapitalanteil von mehr als 70 Prozent. Wer etwas anderes behauptet, wird ab sofort geklagt.

NEWS: Die Raiffeisen-Gruppe ist Ihr größter Kreditgeber in Österreich vor der Bank Austria. Müssen sich diese Institute Sorgen machen?
Benko: Selbstverständlich nicht! Fragen Sie die Banken selbst – wir sind dort ein großer Kunde mit bester Bonität.

NEWS: Stimmen die Kreditvolumina von ca. einer Milliarde Euro bei der Raiffeisen-Gruppe und ca. 600 Millionen Euro bei der Bank-Austria-Gruppe?
Benko: Wie ich schon sagte, wir sind einer der besten Kunden, mit bester Bonität!

NEWS: Wissen Sie von Gerüchten über finanzielle Schwierigkeiten der Signa-Gruppe, und können Sie verstehen, woher diese kommen?
Benko: Wir haben keinerlei finanzielle Schwierigkeiten. Wer Derartiges behauptet, begeht bewusste Ruf- und Kreditschädigung, gegen die wir uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen werden. Die Signa-Gruppe entwickelt sich ausgezeichnet.

NEWS: Sie wurden Anfang des Monats nicht rechtskräftig in erster Instanz wegen „verbotener Intervention“ zu einer bedingten Haftstrafe von 12 Monaten verurteilt. Die Richterin nannte Ihren Fall „ein Musterbeispiel von Korruption“. Was sagen Sie zu dem Urteil?
Benko: Gegen das Urteil wurde volle Berufung angemeldet. Das erstinstanzliche Urteil ist daher nicht rechtskräftig. Ich bitte um Verständnis, dass ich zu einem anhängigen Verfahren keine Stellungnahme abgebe. Ich persönlich verstehe das Urteil nicht.

NEWS: Wie wird sich dieses Urteil auf Ihr künftiges Geschäft auswirken?
Benko: Die Signa wird weiterhin am Ausbau des bisherigen Erfolges weiterarbeiten.

NEWS: Sie haben zahlreiche Partnerbanken in Deutschland und Österreich. Gegenüber NEWS sagten einige dieser Institute, dass eine rechtskräftige Verurteilung von Ihnen ein Problem darstellen würde. Deutsche Banken haben in ihren Richtlinien, dass sie in einem solchen Fall keine Geschäfte mit Ihnen machen dürfen. Was sagen Sie denen?
Benko: Wir haben von unseren Partnern durch die Bank positives Feedback zu unserer nachhaltigen Geschäftsbeziehung bekommen. Die Signa hat mittlerweile mehr als 150 Mitarbeiter und ein breit aufgestelltes Top-Management. Gegen die Signa ist zudem kein Verfahren anhängig.

NEWS: Uns wurde erklärt, Sie haben zahlreiche Gespräche mit Banken, in denen Sie nach dieser Verurteilung gefragt werden. Wie reagieren Sie?
Benko: So, wie wir mit allen Geschäftspartnern umgehen: Wir kommunizieren offen und erläutern unseren Partnern den Sachverhalt.

NEWS: Gibt es für Sie einen Plan, was Sie im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung in Bezug auf die Signa und die Bankenbeziehungen ändern?
Benko: Ich habe immer einen Plan.

NEWS: Sie haben bisher über die Signa-Gruppe rund 4,5 Milliarden Euro in Immobilien bzw. Immobilienprojekte investiert und dabei wie im Fall der Bawag-Immobilien hohe Preise, über dem Markt bzw. auch schon 25 Prozent mehr als der zweitbeste Bieter, geboten. Wie kann sich das rechnen?
Benko: Es stimmt, dass wir immer wieder attraktive Preise für Immobilien bezahlen, da wir auch große Visionen mit diesen Objekten verbinden und mit Projekten wie dem Kaufhaus Tyrol in Innsbruck oder dem Goldenen Quartier in Wien auch gezeigt haben, dass wir große Ideen konsequent umsetzen. Der Mehrwert, der dadurch entsteht, rechtfertigt auch, gute Preise beim Ankauf zu bezahlen.

NEWS: Die Signa Holding hat im Vorjahr 91 Millionen Euro Gewinn gemacht. Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?
Benko: Extrem erfolgreich.

NEWS: Sind Sie überzeugt, dass alles funktioniert, was Sie an Immobilienprojekten angehen?
Benko: Bis dato haben wir auch schwierigste Projekte wie zum Beispiel das Kaufhaus Tyrol extrem erfolgreich umgesetzt – an welchem viele vor mir gescheitert sind.

NEWS: Was machen Sie besser als andere Immobilienentwickler, die nicht so viel für Immobilien zahlen können wie Sie?
Benko: Wir haben in unserer Gruppe extrem erfahrene Manager und Mitarbeiter mit viel Entwicklungs-Know-how und sind zudem in der Lage, in großvolumige Projekte zu investieren – wir kaufen aber nie zu teuer.

NEWS: Sie haben sehr jung große Erfolge erzielt und aus einfachen Verhältnissen stammend mit 35 Jahren einen großen Konzern aufgebaut. Wie verkraften Sie Ihren Erfolg; wie Ihr Umfeld?
Benko: Wir sind alle stolz auf unseren Erfolg, für den wir hart arbeiten. Jene, die mich persönlich und die Signa besser kennen, wissen um unseren Einsatz und die Nachhaltigkeit, wie wir unternehmerische Visionen umsetzen, und schätzen dabei, dass wir völlig am Boden geblieben sind.

NEWS: Sie können sich inzwischen drei Businessjets (Global Express, Citation XLS, Citation CJ2), eine große Luxusyacht (Magna Grecia), eine Villa samt Heliport am Gardasee, bis Weihnachten ein über 4.000 qm großes Privathotel in Oberlech (Schlössl) leisten: Ist das ein Leben, wie Sie es sich erträumt haben?
Benko: Unser Chalet-Projekt in Oberlech ist wie jedes Projekt ein unternehmerisches Vorhaben, das Lech als Top-Tourismusort zusätzlich bereichern wird.

NEWS: Ziehen Sie persönlich ins ehemalige Flöttl-Penthouse am Fleischmarkt ein?
Benko: Ich bitte um Verständnis für die Wahrung meiner Privatsphäre.

NEWS: Wie gehen Sie mit Neid um?
Benko: Den muss man sich hart erarbeiten, und er ist eine Konsequenz des Erfolges.

NEWS: Sie haben ein starkes Netzwerk mit vielen bekannten bzw. erfolgreichen Persönlichkeiten aufgebaut – ist das ein Teil Ihres Erfolgsmodells?
Benko: Ich bin stolz, tolle Persönlichkeiten zu meinen Freunden und Unterstützern zählen zu dürfen.

NEWS: Die Vermietungserfolge von Ihrem Wiener Bürokomplex Rivergate an der Donau halten sich in Grenzen. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Benko: Ganz im Gegenteil, wir haben bis dato tolle langfristige Mieter für das Rivergate gewinnen können und sind zu fast 60 % vermietet. Im jetzigen allgemeinen Büromarktumfeld ist es jedoch klar, dass man selbst ein Spitzenobjekt wie das Rivergate nicht von einem auf den anderen Tag voll vermietet hat.

NEWS: Die ÖBB Personenverkehr AG wird aus Ihrem IZD-Tower ausziehen. Wie können Sie das bei dem derzeit schwierigen Büromarkt kompensieren?
Benko: Es ist normal, dass bei einem so großen Projekt immer wieder mal ein Mieter auszieht. Zum Beispiel übersiedelt gerade Baxter – diese Flächen sind aber bereits wieder langfristig nachvermietet.

NEWS: Kann sich das Park Hyatt bei derzeit in Wien erzielten maximalen Room-Rates von 300 bis 330 Euro rechnen?
Benko: Wien ist eine boomende Metropole – das Park Hyatt ist das beste Hotel in der Stadt mit der besten Location direkt am Beginn der neuen Luxuseinkaufsmeile und wird daher erfolgreich reüssieren.

NEWS: Erzielen Sie im Goldenen Quartier tatsächlich Quadratmeter-Vermietungspreise von 300 Euro pro Monat?
Benko: Das Goldene Quartier ist der neue Top-Retail-Standort im Zentrum von Wien und erzielt daher auch Spitzenpreise in der Vermietung.

NEWS: Ihre 150-Millionen-Anleihe für die Signa Prime (4,5 % Schuldverschreibungen 2012–2022) konnte nicht einmal zur Hälfte platziert werden (nur ca. 65 Mio. Euro); den Rest mussten Sie über Kredit finanzieren und müssen Sie in den kommenden Monaten zu platzieren versuchen. Ist das für Sie ein Misserfolg?
Benko: Das ist so nicht richtig: Die Anleihe der Signa Capital Market wurde wie geplant platziert. Zu den Zeichnern zählen mehrere institutionelle Anleger. Ein Teil der Anleihe wird – wie gleichfalls von Anbeginn an geplant – von der Signa-Gruppe für Zwecke einer späteren Vermarktung gehalten. Mit der aktiven Vermarktung wird voraussichtlich nächstes Jahr begonnen. Es gibt nur wenige Unternehmen, die in der Lage sind, eine Anleihe mit einer zehnjährigen Laufzeit und einem Zinssatz von 4,5 % zu platzieren – wir gehören dazu.

NEWS: Der Immobilienfonds Signa13 The Cube (Deutsche Börse) braucht bei der Platzierung deutlich länger als geplant. Ist er nicht attraktiv genug, oder funktioniert dieses Geschäftsmodell nicht mehr?
Benko: Die Platzierung geschlossener Immobilienfonds ist generell etwas langsamer geworden – das Headquarter der Deutschen Börse ist jedoch ein attraktives und langfristiges Investment, weshalb wir auch in der Lage waren, bereits über 75 Millionen zu platzieren.

NEWS: Mit der Bank Austria soll es Unstimmigkeiten geben, weil Sie die ehemalige CA-Zentrale erwerben wollten und am Markt kommuniziert haben, dass ein Kaufpreis von maximal 80 Millionen Euro marktkonform wäre. Oder gibt es andere Gründe für eine Verstimmung der Bank Austria, was Sie betrifft?
Benko: Das ist einfach nur falsch: Es gibt keinerlei Unstimmigkeiten mit der Bank Austria – ganz im Gegenteil!

NEWS: Gab es eine Verstimmung mit der Erste Bank Gruppe oder VIG wegen eines gemeinsamen Bauprojektes am neuen Wiener Hauptbahnhof (Baufeld A.01)?
Benko: Ganz im Gegenteil – wir realisieren gemeinsam mit Erste Bank und Wiener Städtischer einen neuen Stadtteil. Das Quartier Belvedere ist eines unserer visionärsten Projekte. Von einer Verstimmung kann keine Rede sein.

NEWS: Für das Baufeld A.01 am neuen Wiener Hauptbahnhof, wo ein maximal 88 Meter hoher Turm mit bis zu 90.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche errichtet werden kann, soll die Telekom Austria interessiert werden. Kann das funktionieren, wenn gleichzeitig die Ehefrau eines Ihrer Geschäftsführer im Aufsichtsrat der Telekom Austria sitzt?
Benko: Es gibt keine Gespräche mit der Telekom Austria über eine Ansiedelung an diesem Standort, daher ist Ihre Frage falsch.

NEWS: Bei der Vermietung des Kunstforums an den Verfassungsgerichtshof auf 50 Jahre (6.000 qm, 18 Euro Miete) wurden die Verträge in der Bundesimmobiliengesellschaft BIG vorbereitet, als Ihr Geschäftsführer noch BIG-Vorstand war. Danach ist er zu Ihnen in die Signa gewechselt. Verstehen Sie, wenn man sich über diese Optik aufregt?
Benko: Wie Ihnen der Präsident des VfGH bestätigen wird, hat dieser eigenständig und in enger Abstimmung mit der Finanzprokuratur die Standortentscheidung getroffen. Alles andere ist eine unzulässige Unterstellung.

Kommentare

Oliver-Berg

Ohne zu kritisch sein zu wollen, man kann nicht in so kurzer Zeit kometenhaft aufsteigen ohne erfolgreiche Gönner und Financiers zu haben. Das er networken kann hat Hr. Benko bewiesen, ob er langfristig auch ertragreich alle seine Renditeobjekte managen kann, darf bei gewissen Benchmarks wie Vermietungsgrad, Fremdfinanzierungsanteil, etc. stark bezweifelt werden.

@Packer: mich ebenso wenig

Nach KHG wieder ein "Schwiegersohn" dessen Fassade zu bröckeln beginnt !!!

Es würde mich nicht wundern wenn es bald eine Soko Benko gibt !!

„Wer etwas anderes behauptet, wird geklagt“
Der glaubt wohl auch, weil er Geld hat kann er drohen und einschüchtern.

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