Renate Götschl startet letztes WM-Rennen:
33-Jährige in der Abfahrt nur Außenseiterin

Renate Götschl: "Man ist da, um etwas zu erreichen" "Speedqueen" nimmt vom WM-Geschehen Abschied

Nun ist es definitiv - Renate Götschl steht vor ihrem letzten WM-Rennen. Die 33-Jährige Steirerin geht nur als Außenseiterin in die Abfahrt. Eine Situation, in der sie sich "vielleicht bei ihrer ersten WM" befand, nachher nie wieder. Die Steirerin hat trotzdem immer noch "auf dem Plan", eine Medaille zu gewinnen. "Man ist da, um was zu erreichen. Das habe ich im Kopf. Ich fahre einfach drauflos, und wenn was rauskommt, wäre das schön", sagte Götschl.

Das Abschlusstraining war ausgefallen, weil man die Piste auf dem Berg Solaise schonen wollte. Ein Training, das Götschl sich nochmals gewünscht hätte, hätte es noch einmal viel zu tun gegeben - "von oben bis unten". So bleibt die Atomic-Pilotin Außenseiterin auf Edelmetall, zum Favoritenkreis zählen ihre Teamkollegin Andrea Fischbacher (Super-G-Bronze), die US-Amerikanerin Lindsey Vonn sowie die Schweizerin Lara Gut und die Französin Marie Marchand-Arvier. Elisabeth Görgl und Anna Fenninger, die ihr drittes WM-Rennen in Val d'Isere bestreiten wird, komplettieren das rot-weiß-rote Aufgebot.

Ein Kampf auf Biegen und Brechen
Die Abfahrt auf der anspruchsvollen "Piste Rhone-Alpes" wird für jede Rennläuferin ein Kampf von oben bis unten, so auch für Götschl, die den letzten WM-Auftritt aber auch genießen will. "Ich freue ich auf das Rennen, weil es mein letztes bei einer WM sein wird. Wehmütig bin ich nicht, denn irgendwann muss auch das letzte Mal sein. Drum genieße ich es noch einmal." Ob es auch ihr letztes Großereignis sein wird, lässt Renate Götschl offen. Wovon es abhängen wird, ob sie die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver noch anpeile, das wisse sie noch nicht.

Renate Götschl war in ihrer bisher letzten Supersaison 2006/2007 als Topfavoritin in den Speed-Disziplinen zur WM nach Aare gereist und mit Super-G-Bronze im Koffer enttäuscht heimgereist, Team-Gold schenkte aber zumindest etwas Trost. Die vergangene und die aktuelle Saison gestalteten sich schwierig, was das Material-Set-up betrifft, sieht sie sich nun aber auf einem guten Weg: "Ich habe da jegliche Unterstützung von der Firma. Es war heuer nicht nur die Materialabstimmung, es ist einfach alles ein bisschen in die Binsen gegangen. Aber ich habe zuletzt im Super-G einen Aufwärtstrend gehabt und auch in der Abfahrt in Cortina gesehen, dass ich schnell sein kann."

"'Okay, jetzt höre ich auf"
Dass sie womöglich den besten Zeitpunkt, ihre Karriere zu beenden, verpasst hat, daran hat die Speed-Queen nie Gedanken verschwendet. "Es wäre sicher schön, wenn jetzt noch einmal was Großes, ein großer Sieg dabei wäre. Aber man muss für sich selbst die Situation finden, in der man sich dann sagt, 'Okay, jetzt höre ich auf, jetzt ist Schluss, Ende'. Ich sehe das nicht so eng, wie man abtritt. Ich habe so viel erreicht in meinem Leben. Es macht mir nichts aus, so wie es jetzt ist."

Sie kenne ja zum Glück die anderen Momente, meinte die Gewinnerin von neun WM- und zwei Olympia-Medaillen. "Ich habe schöne Erinnerungen an Weltmeisterschaften und Großereignisse. Vielleicht nicht immer nur gute, aber alles schlechte hat auch sein Gutes. So sehe ich es auch. Ich habe tolle Momente erlebt, ob in Vail, oder wo sonst eine Medaille rausgeschaut hat. Drum passt es schon, so wie es war."

Auch heute noch seien Weltmeisterschaften für sie ein bisserl ein Ausnahmezustand. Ob es einen roten Faden gäbe, zu dem man bei einer WM greifen könne? "Nein, da gibt es kein Rezeptbuch, das du aufschlagen und aus dem du nachkochen kannst. Das ist immer ein bisserl anders", weiß Götschl.
(apa/red)