'Religionen-Dialog' beim Waldzell-Meeting: Dalai Lama kann wieder Fans begeistern

Abschlusszeremonie war der Öffentlichkeit zugänglich Interreligiöse Feierstunde in der Melker Stiftskirche

'Religionen-Dialog' beim Waldzell-Meeting: Dalai Lama kann wieder Fans begeistern

Mit Gedanken der prominenten Referenten zum Thema "Was bleibt" (Vermächtnis), dem Motto der diesjährigen Veranstaltung, ist das Waldzell Meeting nun im Stift Melk zu Ende gegangen. Das Verbinden von Ideen und das Überwinden von Grenzen gehören zum "Vermächtnis von Waldzell", fasste der US-Publizist Alan Webber die dreitätigen Diskussionen mit dem Fokus auf Religion und Spiritualität zusammen. Das Forum klang mit einer interreligiösen Feierstunde in der Stiftskirche aus, in deren Zentrum der Dalai Lama stand.

Zum Abschluss legten die Referenten ihre persönlichen Ideen dar, wie sie künftig ihre Tätigkeit im Sinne des gesellschaftlichen Dialogs gestalten wollen. Der US-Medizin-Nobelpreisträger Paul Nurse möchte in Hinkunft bei seinen wissenschaftlichen Anliegen in engeren Kontakt mit der Öffentlichkeit treten. Der US-Star-Architekt Frank Gehry bedauerte seine "dumme Regierung": Wenn diese für einen Marshall-Plan ebenso viel Geld ausgäbe wie für Kriege, wäre die Welt eine bessere, meinte er. Der österreichisch-amerikanische Theologe Bruder David Steindl-Rast will die Vorzüge des Internet nützen, um durch diese Kommunikationsmöglichkeit Botschaften zu verbreiten. Viel Applaus erntete der Rektor der Kairoer Al-Azhar-Universität, Ahmed M. al-Tayyib, der seinen Tausenden Studenten aus 90 Staaten die Botschaft weitergeben will, "dass nicht alle im Westen Militärisches im Sinn haben". Die religiösen Menschen sollten mit Andersgläubigen "sehr sorgfältig umgehen".

Die US-Kommunikationsforscherin Elizabeth Leisser pocht auf ein "aktives Weiblichkeitsprinzip", eine Idee, die auch die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende vertritt. Allende, die im Vorjahr Stargast des Waldzell Meetings war, kam überraschend am Mittwoch zu der Veranstaltung, wo sie konstatierte, über "Vermächtnis" sprächen nur die Männer.

Im nächstem Jahr wird es Änderungen in der Führung des Waldzell Meetings geben. Der Initiator Andreas Salcher kündigte nach vier Jahren seinen Rückzug von dem "Treffen der klügsten Köpfe" an. Er möchte sich künftig einem Schulprojekt widmen, um damit "die Kluft zwischen dem Gelernten und dem, was Kinder brauchen, zu verringern", wie er zur APA sagte. Das heurige Meeting habe "alle Erwartungen übertroffen". Die Mitinitiatorin Gundula Schatz wird die Waldzell Meetings weiterführen.

Mit einer für die Öffentlichkeit zugänglichen Zeremonie fand das Forum einen würdigen Abschluss. In der voll besetzten Kirche legte der Dalai Lama nochmals seine Ideen zur buddhistischen Spiritualität dar. Mit Begeisterung quittierten die versammelten Österreicher und Exil-Tibeter die Ausführungen des weltlichen und geistlichen Oberhaupts der Tibeter. Die ganze tibetische "Fan-Gemeinde" war präsent, unter ihnen Hubert von Goisern und Professor Heinz Nußbaumer und Madeleine Petrovic (G). Den Rahmen bildete eine Lichterzeremonie, an der christliche, jüdische, islamische Geistliche sowie der Dalai Lama teilnahmen, und der Arnold Schoenberg Chor unter Erwin Orter.

Der Dalai Lama brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass das 21. Jahrhundert im Zeichen der Spiritualität stehen werde, nachdem das 20. Jahrhundert von Blutvergießen gekennzeichnet war. Er hob die Berührungspunkte zwischen den Religionen hervor und erteilte auch praktische Ratschläge. Wer Spiritualität im täglichen Leben suche, solle Erfahrungen im Kloster sammeln. Auch riet er zu einem verstärkten Austausch zwischen armen und reichen Ländern. Auf die Frage, ob eine Frau der nächste Dalai Lama werden könnte, hatte er eine kurze, klare Antwort parat: "Why not?"

(apa)