Religiöse Gewalt nach Präsidentenwahl in Nigeria: Mindestens zehn Menschen getötet

Unruhen unter Muslimen im Norden nach Christ-Sieg Menge war mit Dolchen und Brettern bewaffnet

Religiöse Gewalt nach Präsidentenwahl in Nigeria: Mindestens zehn Menschen getötet © Bild: Reuters

Im überwiegend muslimischen Norden Nigerias sind Unruhen ausgebrochen. Mindestens zehn Menschen kamen nigerianischen Medienberichten zufolge bei Protesten gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl vom Sonntag ums Leben. Zuvor war in den Bundesstaaten Gombe und Bauchi der als sicher geltende Wahlsieg des christlichen Amtsinhabers Goodluck Jonathan bekanntgeworden.

Mehrere Häuser von Funktionären der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) Jonathans wurden niedergebrannt. Auch aus dem Süden stammende Einwohner wurden angegriffen. "Sie haben unsere Autos und Häuser zerstört. Ich rannte um mein Leben", sagte die aus dem Süden stammende Dora Ogbebor aus der Stadt Zaria am Montag der Onlinezeitung "Next".

Mit Dolchen und Brettern bewaffnet
In Kano, der größten Stadt im muslimischen Norden, gingen überwiegend junge Anhänger Buharis auf die Straße und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Die mit Dolchen, Stöcken und Brettern bewaffnete Menge griff zwei Menschen an, die sie aufgrund ihrer Kleidung als Christen einordneten. Die Demonstranten hielten zudem Autofahrer an und forderten sie auf, ihre Unterstützung für Buhari zu bekunden.

Militärhubschrauber über Jos
In den nördlichen Bundesstaaten Kaduna, Sokoto, Bauchi und Gombe kam es zu Krawallen. Auch in der Stadt Jos, die von jahrelanger Gewalt zwischen Christen und Muslimen geprägt ist, gab es gewaltsame Proteste. Soldaten schossen in die Luft, zwei Militärhubschrauber kreisten über den Straßen der Stadt im Zentrum des Landes.

Haus des Vizepräsidenten angezündet
In der Stadt Zaria im Bundesstaat Kaduna wurde nach Angaben von Anwohnern und der staatlichen Nachrichtenagentur das Haus des muslimischen Vizepräsidenten Namadi Sambo angezündet, außerdem brannte dort nach Angaben von Zeugen eine Baptistenkirche sowie die Residenz des Emirs von Zaria, einem der einflussreichsten traditionellen Herrscher im Norden.

Mob wollte Christin verbrennen
In Potiskum im Bundesstaat Yobe schlug nach Angaben eines Anwohners ein Mob auf eine Christin ein und versuchte, sie mit einem brennenden Reifen zu verbrennen. Anwohnern gelang es demnach, das Feuer zu löschen und die Frau in ein Krankenhaus zu bringen.

Jonathan liegt voran
Das endgültige Wahlergebnis wurde noch nicht verkündet, doch nach offiziellen Angaben vom Montag lag der aus dem Süden stammende Christ Jonathan uneinholbar vor dem Muslim Buhari. Der 69-jährige Buhari hatte das westafrikanische Land 1984 bis 1985 als Militärmachthaber mit harter Hand regiert.

Jonathan gewann nach offiziellen Angaben 22 der 32 bisher ausgezählten Bundesstaaten sowie die Region der Hauptstadt Abuja. Er kam demnach auf mehr als 21 Millionen Stimmen, Buhari konnte knapp zehn Millionen Stimmen auf sich vereinen. Nigeria hat neben der Hauptstadtregion 36 Bundesstaaten. Für einen Wahlsieg muss ein Kandidat nicht nur die Mehrheit der Stimmen erreichen, sondern auch in mindestens zwei Dritteln der Bundesstaaten eine Zustimmung von 25 Prozent erhalten.

Wahl verlief relativ friedlich
Die Präsidentenwahl am Samstag war nach Angaben von Beobachtern relativ friedlich und ohne größere Unregelmäßigkeiten verlaufen. Mit Skepsis betrachtet wurde allerdings, dass Jonathan in mehreren Bundesstaaten mehr als 95 Prozent der Stimmen erreichte, in seinem Heimatstaat Bayelsa sogar 99,63 Prozent. Auch in einigen Regionen des Nordens konnte sich der Amtsinhaber klar durchsetzen. Der 53-Jährige war vor vier Jahren Vizepräsident geworden und durch den Tod seines Vorgängers Umaru Yar'Adua im vergangenen Jahr ins höchste Staatsamt aufgerückt.

Nigeria ist mit rund 150 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es wird immer wieder von Gewalt zwischen Christen und Muslimen erschüttert.

(apa/red)