Respekt vor Religionen sinkt

UN-Experte: Beschneidungsdebatte Beispiel für aggressiv-verächtlichen Grundton

Die Einstellung gegenüber Religionen werde immer respektloser, dies konstantiert der UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, der deutsche Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt. Erstmals finde ein aggressiver, verächtlicher Grundton gegenüber Religionen breite Resonanz, sagte Bielefeldt in einem Interview der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. Thema des Interviews war die Debatte über Beschneidungen.

von Religiöse Beschneidung - Respekt vor Religionen sinkt © Bild: thinkstock.at

"Erschreckend sind das Ausmaß an Polarisierung, kulturkämpferischer Aufheizung und der sehr aggressiv verächtliche, ausgrenzende Ton, in dem über Religion geredet wird. Wir erleben gerade eine neue Bruchlinie in der deutschen Gesellschaft. Das macht mir Sorgen", sagte der ehemalige Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, der an der Universität Erlangen lehrt.

Drohung mit Strafrecht "Ausdruck von Respektlosigkeit"
Kritik und Reformaufrufe an Religionen seien legitim, so Bielefeldt, "aber im herrischen Ton mit dem Strafrecht zu drohen, ist kein geeignetes Mittel, um interne Debatten voranzubringen. Das ist vielmehr Ausdruck von Respektlosigkeit". Aus Sicht des Wissenschaftlers waren bisher vor allem Muslime in Deutschland Ziel einer verächtlich aggressiven Religionskritik. Die Beschneidungsdebatte zeige, dass nun auch das Judentum und Religionen insgesamt betroffen seien.

Zur Debatte um medizinische Komplikationen und mögliche kindlichen Traumata im Zusammenhang mit der Beschneidung verwies Bielefeldt auf unterschiedliche Einschätzungen von Ärzten, die sich teils widersprechen. "Ich bin kein Mediziner und kann und will das nicht beurteilen. Wichtig ist, dass die Gesichtspunkte zum Schutz des Kindes klar zur Sprache kommen. Wir müssen schauen, wie wir alle Argumente zusammenbringen", sagte der UN-Sonderberichterstatter: "Soweit ich weiß, hat der Kinderrechtsausschuss der UNO, der für die Umsetzung der UNO-Kinderrechtskonvention verantwortlich ist, die Praxis der Knabenbeschneidung als solche bisher nicht öffentlich kritisiert, wohl aber angemessene medizinische Bedingungen dafür gefordert."

Stöger: "Kein wichtiges Thema"
Gesundheitsminister Alois Stöger hält die Debatte über religiöse Beschneidungen in Österreich für eine "aufgesetzte Diskussion". Dabei sei ein Thema aus Deutschland übernommen worden, "das nicht wichtig ist", meinte Stöger gegenüber der APA. Jedes Landeskrankenhaus hätte die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob es Beschneidungen durchführt oder nicht, stellte der Gesundheitsminister fest.

In den Bundesländern ist die Situation verschieden, in Niederösterreich, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und dem Burgenland werden Beschneidungen nur aus medizinischen Gründen durchgeführt. Ein Verbot wird ambivalent gesehen.

"Das ist keine Pflichtleistung. Es muss auch nicht jeder Schönheitsoperationen anbieten," sagte der Gesundheitsminister. Grundsätzlich verweist Stöger auf die Kompetenzen des Justizministeriums in dieser Causa. Es gehe um die Einwilligungsfähigkeit der Patienten und das sei klar eine Frage, die das Justizressort betreffe.

Kein Verständnis bei Österreichs Muslimen und Juden
Die Vertreter von Islam und Judentum in Österreich haben für die Debatte über ein Beschneidungsverbot und die Überlegungen, solche Eingriffe in den Kliniken vorerst auszusetzen, überhaupt kein Verständnis. Er beobachte die Entwicklung "mit Sorge", sagte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) zur APA, und versteht "eigentlich die ganze Debatte überhaupt nicht". Heftiger reagierte Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ). Er findet die Diskussion "ehrlich gesagt scheinheilig", wenn nicht gar "gefährlich".

Ärzte müssen das nicht tun
Die Ärztekammer verwies unterdessen darauf, dass kein Arzt verpflichtet sei, eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung an Buben vorzunehmen. "Das ist eine Entscheidung, die jede Ärztin, jeder Arzt auf der Basis ihres bzw. seines eigenen Gewissens zu treffen hat", stellte der Vizepräsident der Ärztekammer und Obmann der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, in einer Stellungnahme gegenüber der APA fest.

Kommentare

K-F-R melden

... Warum die Beschneidung jetzt überhaupt ein Thema ist verstehe ich nicht. Wenn man vom Grundsatz ausgeht, der Mensch (das Kind) sollte selber entscheiden, dann muss mein eure Kinder auch mal fragen ob sie bei der Taufe oder was das ist, das Wasser über den Kopf geschüttet bekommen will ?

nennmichwieduwillst melden

Re: ... Hätte ich mich als Baby entscheiden können ob ich dem Christentum betreten will, hätte ich dankend abgelehnt. So bin ich eben ausgetreten wo ich die Entscheidung selbst fällen konnte. Die paar Wasserspritzer haben mich da denk ich mal nicht so gestört, Wasser verursacht ja keine bleibenden Schäden und Körperteile hab ich auch noch alle dran ;-)

gewünschte Beschneidung auf Krankenschein?? oder zu unser Aller lasten??

Aha, Respektlosigkeit? Die unversehrtheit der kinder zu verlangen, istcrespektlosigleit?
Herumschnippseln an kindern ist keine respektlosigkeit?
Da wohnen einige in einem ganz blöden film.

Und alle, die da jetzt politisch korrekt herumeiern, werden blöd schauen, wenn sich das HC manderl auf dieses thema setzt. Und dann isses zu spät, optisch würd das dann ganz blöd ausschaun, wenn man dann erst gegen zwergenbeschneidung ist.

Beschneidung-Religionen Religionen haben und hatten immer einen Sonderstatus. Man sehe nur in Österreich - mußte hier je ein Priester , der sich an einem Zögling,Schüler.Ministranten vergriffen hat je ins Gefängnis? Nein! Der fall Groier liegt wie heute vor mir, als Kardinal , zu den höchsten Würdenträgern der Kirche zählend , was geschah mit Ihm ? Statt das Er hinter Gitter kam, wurde Er in ein Kloster gesteckt. Was ist das für eine Strafe. Eine Person in diesem Range sollte Lenenslänglich bekommen.

Beschneidungen Müßen Menschen immer anderen ihre Meinung aufzwingen! Wer gibt diesen Menschen das Recht dazu?Auch wir wollen , das unser Riten und Gebräuche geachtet werden.Wen die Beschneidung vorgesehen , aus welchem Grund auch , soll sie unter allen Aspekten der Gesundheit durch geführt werden. Ich meine damit von einem Arzt,der bei Erkrankung oder Verstümmelung durch Beschneidung , dann VOLL zur Verantwortung gezogen werden SOLL!
Wenn ein Muslim durch die Beschneidung zum Manne wird , dann soll Er auch die volle Verantwortung eines Mannes tragen.Uhnd nicht mehr unters Jugendschutzgesetz fallen.Dies gehört auch für alle 16 jährigen.Mit 16 Wahlberechtigt , aber sich bei seinen Gesetzesübertretungen hinter dem Jugendschutzgesetz verbergen, das geht NICHT! Ein Fehler der Befürworter dieses Wahlalters

Schön langsam werden die Menschen mündige Bürger Damit wird logischerweise das was irgendein kostümierter Vorbeter von sich gibt immer weniger ernst genommen. Mag sein, dass die Anzahl jener Menschen die einen Zugang zum Glauben haben abnimmt, das finde ich bedauerlich. Mit Sicherheit nimmt die Anzahl jener Menschen ab die sich von irgendwelchen Religionsgesetzen diktieren lassen, das finde ich gut. Denn diese ganzen religiösen Sitten und Gebräuche wurden von Menschen geschaffen, nicht von Gott!

Musician melden

warum denn jeder den grundsatz aus den augen verliert!! es ist unnatürlich ein kind zu beschneiden, und es widerspricht dem recht auf selbstbestimmung, wie es viele andere gesetze auch tun. Es sollte, nein es muss ein Umdenken in der gesellschaft stattfinden hin zum logischen würdigen und friedfertigem denken.
Religionen beanspruchen rechte aufgrund von jahrhunderte(tausende) alte traditionen, ohne dass sich der mensch in seiner blindheit einmal gedanken darüber macht wie sinnvoll es denn für das glück im eigenen leben ist. Mich wundert es nicht dass religionen schön langsam ihre rechnung serviert bekommen. Wir haben das Internet und meinungsbildung ist eines der wichtigsten themen der heutigen zeit. Nun kann Religion nicht mehr im verborgenen agieren. Offenbarung wie sie es anpreisen ist des zeitens Wahrheit. Peace

willswissen melden

Re: warum denn jeder den grundsatz Ganau so ist es - Ein Recht auf Selbstbestimmung !
Ich halte diese Rituale (egal ob sie religiöser oder anderer Natur sind) als nicht wieder gut zu machende, fanatische Verstümmelung. Es paßt einfach nicht mehr in die Gesellschaft unserer Gegenwart, wo wir uns als sooooo fortschrittlich bezeichnen. Wir sind es uns nicht bewußt, aber wir leben immer noch in der Steinzeit - wir haben nichts Neues, wir haben das Alte nur verbessert - außer bei den Religionen.
Die Tierschützer sind da manchen Menschen schon einen Schritt voraus - da gelten in manchen Ländern das kupieren von Schwänzen und Ohren seit Jahren bereits als verboten.
Man sollte sich ein Beispiel daran nehmen !

burbank melden

Re: warum denn jeder den grundsatz Egal ob Religion oder Politik: was z.B. 1000 Jahre gemacht wurde muss noch lange nicht richtig sein.
Sich dabei auf Tradition zu berufen ist Schwachsinn. Solche Eingriffe ins persönliche Leben gehören abgeschafft !!!!

S/A/R melden

Re: warum denn jeder den grundsatz Warum!?? Ihr redet alle von Freiheit und Justice und Toleranz. Anderseits seit ihr die jenigen die das genau nicht vertetet! Wenn jemand eine Tradition führen will so lasst es ihm! Keiner zwingt euch dabei euer kind auch zu beschneiden! Ihr sollt es tolerieren....wenn Ihr kind zum Punk wird, ist es seine (ihre) Entscheidung wird. Wenn ihr Kind eine Selbstverstümmelung in Form von Tattoos will wird auch geschwiegen oder eher akzeptiert!!!! Live and let live! That is important!

Musician melden

Re: warum denn jeder den grundsatz @ sar, deine meldung ist ein widerspruch in sich, abegesehen davon hast du nicht verstanden worums mir geht, bzw worums hier geht.

Selbstbestimmung ist angesagt!, wenn ich aber ein kleinkind/baby beschneiden lasse, dass sich dazu nicht äussern kann, ausser dirket beim prozess mit schmerzen anklingen lässt, dass es das nicht will, dann hat das NICHTs mit selbstbestimmung zu tun!

jetzt geschnallt?
ich war selbst mal als punker unterwegs, bin tätowiert, und es war alles meine entscheidung. meine eltern haben mich machen lassen wie ich wollte, und ich bin ihnen bis heute dankbar, weil ich so erfahrungen machen konnte die nicht jeder erlebt hat, die mich aber sehr weit gebracht haben im sinne von toleranz solidarität und weltanschauung.

PEACE

Seite 1 von 1