Rekord-Scheck für Rekord-Mann Federer: Kassiert für 12. Grand Slam-Titel 2,4 Mio. $

Schweizer holte sich vierten US-Open-Sieg in Folge Triumph gegen serbischen Jungstar Novak Djokovic

 Rekord-Scheck für Rekord-Mann Federer: Kassiert für 12. Grand Slam-Titel 2,4 Mio. $

Roger Federer hat für einen weiteren Meilenstein gesorgt. Der 26-jährige Ausnahme-Tennisprofi aus der Schweiz gewann mit einem 7:6(4),7:6(2),6:4-Finalsieg gegen das serbische Riesentalent Novak Djokovic (20) zum vierten Mal in Folge die US-Tennis-Open und kassierte dafür ein Rekord-Preisgeld von über 2,4 Mio. Dollar. Damit steht auch praktisch fest, dass Federer zum vierten Mal in Folge das Jahr als Weltranglisten-Erster beenden wird.

Das mit dem Geld war Federer fast ein bisschen peinlich. Er ließ am größten Zahltag in der Geschichte des globalsten Einzelsports den Scheck schnell in der Hosentasche verschwinden und versteckte sich hinter dem wuchtigen Silberpokal.

Doch das viele Geld verdiente sich der Schweizer nicht nur mit dem Gewinn des zwölften Grand-Slam-Titels, mit dem er hinter dem Amerikaner Pete Sampras (14) und neben dem Australier Roy Emerson auf Platz zwei der ewigen Bestenliste rückte. Die Rekordsumme von 2,4 Millionen Dollar (1,75 Mio. Euro) bekam Federer, weil er als Sieger der US-Open-Turnierserie zusätzlich einen Bonus von einer Million Dollar kassierte. Dazu kam noch ein Luxus-Sportwagen.

Seit nunmehr 189 Wochen thront Federer nun auf Platz eins der Weltrangliste. Auch das ist ein Rekord, den er Steffi Graf (186 Wochen) abgerungen hat. In New York hat er als Erster seit 84 Jahren (Bill Tilden) viermal in Folge, seit seinem Debüt 2003 in Wimbledon 12 von 18 Grand-Slam-Titel gewonnen. Nur Paris blieb dem "Tennisspieler mit den unbegrenzten Möglichkeiten" (Sportinformation Zürich) bisher versagt, und auch 2008 muss sich das nicht unbedingt ändern. "Das ist für mich in erster Linie ein Olympia-Jahr", so Federer.

Geschenkt freilich bekam er den 28. Sieg in Serie (inklusive ein w.o.-Sieg 2004) bei den US Open nicht. Dafür sorgte Djokovic, der als erster Serbe in ein Grand-Slam-Endspiel gestürmt war und in vier Wochen auch bei der Wiener-BA-CA-Trophy ("Wien ist eine wunderschöne Stadt und das Turnier dort hervorragend organisiert") aufgeigen soll.

"Es waren nur drei Sätze, aber das täuscht, so leicht war es nicht", bekannte Federer. "Ich habe immer dann gut gespielt, wenn ich es musste", bestätigte der ganz in Schwarz spielende Schweizer das, was die 23.000 auf dem voll besetzten Center Court des Arthur-Ashe-Stadions gesehen hatten. Der 20-jährige Djokovic hingegen nutzte die Gunst der Stunde nicht. "Ich führe, alles läuft gut, und dann mache ich diese haarsträubenden Fehler. Es ist unvorstellbar", ärgerte sich Djokovic über die Schlüsselszene am Ende des ersten Durchganges.

Mit einem Break war er da 6:5 in Führung gegangen und hatte Federer bei 40:0 nur einen Punkt vor dem Verlust des Satzes. Doch plötzlich sei das Feld immer kleiner, das Netz immer höher und der Schweizer immer schneller geworden. "Ich habe Fehler gemacht. Und er hat mir gezeigt, dass er der Beste ist", sagte der Weltranglisten-Dritte, nachdem er nicht nur diese drei Satzbälle vergeben hatte, sondern zwei weitere.

Danach kam es, wie es kommen musste. Im Tiebreak ging der erste Satz verloren, und auch im zweiten konnte der Serbe zwei Satzbälle nicht verwerten. "Es war genau anders als in Montreal", erzählte Federer nach dem sechsten Vergleich mit Djokovic von der bisher einzigen Niederlage. Daraus hatte der Eidgenosse seine Lehren gezogen und in kritischen Momenten mit lang an die Grundlinie gespielten, unterschnittenen Bällen den Erfolg gesucht. Djokovic wollte darauf aggressiv antworten und lief ungestüm "ins offene Messer".

In der Box des mit 20 Jahren, 3 Monaten und 18 Tagen nach Sampras und Björn Borg drittjüngsten US-Open-Finalisten schlug Maria Scharapowa die Hände vors Gesicht, als Djokovic reihenweise Chancen vergab. "Wir sind nur Freunde", wiegelte der Verlierer ab und erzählte, wie die Russin auf seine Imitation ihrer Aufschlag-Marotten reagiert habe: "Sie wollte mich umbringen. Aber nein: Sie hat toll reagiert und gesagt, dass sie die Video-Clips sehr lustig findet."

Der 26-jährige Federer findet sich für derlei Späße schon zu alt. Ein Glückwunsch von Golf-Profi Tiger Woods ("Roger ist der dominierendste Sportler") ist ihm viel wichtiger als Witze in der Umkleidekabine. Und: "Für mich ist es das Größte, mich mit den Besten zu messen - speziell in einem Grand-Slam-Finale." Den mit 14 Major-Titeln noch immer Besten wird er Ende des Jahres in Seoul, Kuala Lumpur und Macau bei drei Show-Kämpfen treffen. "Ich will den Rekord von Sampras brechen. Wann ich es schaffe, weiß ich nicht", sagte Federer. "Ich weiß nur, dass ich es mehr hoffe als Pete."

(apa/red)