Reiserecht von

Pauschaliertes Pech

Dr. Maria In der Maur-Koenne © Bild: NEWS

Unsere heurige Pauschalreise war leider ein totaler Flop. Das Zimmer war kein "Familienzimmer" mit Verbindungstüre, sondern ein Vierbettzimmer mit Stockbett für die Kinder. Im Bad war Schimmel, später entdeckte mein Sohn sogar Ungeziefer, und der versprochene Blick aufs Meer war nicht möglich -dafür konnten wir eine Baustelle sehen und später auch hören. Auf unsere Beschwerde hin zeigte man uns andere Zimmer, die waren aber nicht besser. Der Reiseveranstalter vor Ort konnte uns erst nach sieben (!) Tagen in ein anderes Hotel umbuchen. Dort gab es dann zwar keine Kinderbetreuung, aber immerhin hat sonst alles gepasst, sodass wir zumindest die zweite Woche genießen konnten. Haben wir nicht Anspruch auf Entschädigung?
Franz X., Innsbruck

Lieber Herr X.,
wie viel Touristen bei Ärger in den Ferien vom Reiseveranstalter zurückverlangen können, ist in der "Frankfurter Tabelle" geregelt, wobei es sich um eine Orientierungshilfe handelt. Die dort angegebenen Prozentsätze beziehen sich auf den gesamten Reisepreis inklusive Transportkosten. Sieht die Tabelle einen Rahmen (also etwa zehn bis 40 Prozent) vor, richtet sich die Höhe der Rückerstattung nach der Intensität der Beeinträchtigung. Das wird nach objektiven Maßstäben beurteilt, wobei subjektive besondere Empfindlichkeiten unberücksichtigt bleiben. Schon deshalb ist es empfehlenswert, die Mängel zu dokumentieren und dem Reiseveranstalter vor Ort zu melden. Die Entschädigung steht nur für die Zeit des tatsächlichen Bestands des erheblichen Mangels zu.

Für die von Ihnen konkret genannten Mängel sieht die Frankfurter Tabelle folgende Entschädigungen vor: Für die Abweichung der Zimmerart ist ein Abzug von 20 bis 30 Prozent, für fehlenden Meerblick ein Abzug von fünf bis zehn Prozent, für Schimmelbildung und Ungeziefer ein Abzug von jeweils zehn bis 50 Prozent, für Beeinträchtigungen durch Lärm am Tage durch die Baustelle ein Abzug von fünf bis 25 Prozent gerechtfertigt -insgesamt bei mehreren Mängeln der Unterbringung aber maximal 50 Prozent. Da Sie nach der Hälfte Ihres Urlaubs in ein anderes Hotel übersiedeln konnten und dort die genannten Mängel nicht vorhanden waren, bestanden sie "nur" für die Hälfte der Ferien, sodass Sie die errechnete Summe halbieren müssen.

Für einen Zeitverlust durch die Übersiedlung in ein anderes Hotel haben Sie Anspruch auf Rückerstattung des anteiligen Reisepreises für einen Tag. Für die zugesagte, aber fehlende Kinderbetreuung in der zweiten Ferienwoche haben Sie Anspruch auf Entschädigung von fünf bis zehn Prozent des Reisepreises. Auch dieser Betrag muss wieder halbiert werden, da der Mangel ja "nur" in der zweiten Ferienwoche bestand.

Haben Sie eine Frage? Schreiben Sie mir bitte: siehabenrecht@news.at