Leben von

Mein Wochenende in Brünn

Häuser schauen beim Nachbarn

Brünn © Bild: istockphoto.com/Holger Mette

Warum es sich manchmal lohnt, die Schwiegereltern zu besuchen, und was ein Brunnen dazu zu sagen hat

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Die Villa Tugendhat im Brünner Villenviertel Černá Pole, einst Zuhause der Industriellenfamilie von Grete und Fritz Tugendhat, zählt heute zum Weltkulturerbe. Viele kommen nach Brünn, nur um sich dieses Denkmal moderner Architektur anzusehen. Doch nur wenige gehen auf dem Weg zurück in die Altstadt die paar Schritte hinüber zur Nachbarparzelle, wo Gretes Elternhaus immer noch steht. Die Villa der Tugendhat-Schwiegereltern, erbaut im typischen Jahrhundertwende-Stil, macht den Kontrast zur Moderne anschaulich, den Wandel, den die Architektur in nur wenigen Jahrzehnten vollzogen hat.

Schlendert man dann weiter durch die Stadt, sieht man die Verwandtschaft mit Wien an vielen Ecken. Und es kann gut sein, dass man dabei auch über einen Kanaldeckel stolpert, auf dem noch "Gemeinde Brünn" steht - eine Erinnerung an die Zeit, als in Brünn auch Deutsch gesprochen wurde. In der ein knappes Jahrtausend alten Stadt gibt's - wie in Wien - viele Gründerzeithäuser, aber auch interessante Bauten der Zwischenkriegszeit. Der Online-Architekturführer "Brünner Architekturmanual zur Architektur von 1918 bis 1945" bietet neun verschiedene Routen an, um das etwas andere Brünn zu erkunden.

Klassische Sehenswürdigkeiten sind da eher nicht darunter, doch auch derer gibt es in Brünn einige. Ausgerüstet mit einem guten Reiseführer versäumt man garantiert nichts: nicht die Kathedrale, nicht das Kapuzinerkloster, nicht das Alte Rathaus und schon gar nicht das Labyrinth unter dem Krautmarkt. Vielleicht kommt man auch an der Oper vorbei, vor der ein moderner Brunnen Botschaften ins Wasser schreibt.

Tipps

Essen. Das traditionsverliebte "Hostinec U Semináru", das Wirtshaus beim Seminár, zeigt mit seiner Speisekarte, wie Mähren und Böhmen schmecken sollen.

Trinken. Mitten in der Altstadt, gleich ums Eck der sehenswerten St.-Jakobs-Kirche (mit Gebeinhaus!), liegt das Hotel Pegas mit seiner Hausbrauerei. In der Bierhalle ("Pivnice"), deren Fundamente aus dem 14. Jahrhundert stammen, werden alle Sorten serviert.

Schlafen. Wer in der Bierhalle Pegas viel vorhat, bucht am besten ein Zimmer direkt darüber. Wer's aber gern etwas schicker hat, geht in die ebenso zentral gelegene Pension Placzek, eine geschmackvoll umgebaute Villa aus den 1930er-Jahren.

Hinauf zur Burg Spielberg. Auf der jahrhundertealten Burg gibt es neben der guten Aussicht auch Ausstellungen, etwa zur Stadtgeschichte. Zur Website

Hinüber zur Villa Tugendhat. Ohne Reservierung keine Führung: Mindestens zwei Monate im Vorhinein sollten die Tickets bestellt werden. Zur Website

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