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Mehr als Badeurlaub: Zyperns Zauber

Reise - Mehr als Badeurlaub: Zyperns Zauber © Bild: © Chris Mellor

Natur und Kultur, Wandern und Golfen – die Insel bietet nicht nur Meer und schöne Strände. Vor allem von Herbst bis Frühling ist Zypern ein lohnenswertes Reiseziel für Aktivurlauber

Pater Jossif hat einen langen, angegrauten Bart. Er trägt eine schwarze Kutte und ist für die Gästebetreuung im Machairás-Kloster zuständig. „Jedes Jahr“, sagt er, „bekommen wir eine andere Aufgabe: Manche haben Küchendienst, andere kümmern sich um das Obst und die Gewürze im Garten, und ich bin gerade für die Besucher eingeteilt.“ 30 Mönche leben hier, der jüngste ist 25, der älteste 82, Jossif ist 35 Jahre alt.

Das Kloster liegt im Tróodos-Gebirge, dessen höchste Erhebung mit 1.952 Metern der Olymp ist. Im Winter kann man in den Bergen sogar Ski fahren. Allerdings ist das Skigebiet mit vier Liften und vier Pistenkilometern recht überschaubar.

Die Straße zum Kloster ist schmal und kurvig, aber der Weg lohnt sich. Machairás zählt zu den bedeutendsten Klöstern der Insel. Es beherbergt eine Marien-Ikone, die für etliche Wunder verantwortlich sein soll, und ist daher eine wichtige ­Pilgerstätte der orthodoxen Christen.

76 Prozent der 1,1 Millionen Zyprioten gehören dieser Religion an. Elf Prozent sind Muslime. Sie leben fast ausschließlich im Nordteil der Insel. Denn Zypern wurde 1974 geteilt, nachdem die Türkei das Land besetzt hatte. Ein UN-Plan zur Wiedervereinigung im Jahr 2004 scheiterte, und so ist die Teilung bis heute aufrecht und ein Drittel der Insel nach wie vor besetzt.

Die Teilung ist ein emotionales Thema für die Einheimischen. Viele Familien mussten flüchten. Wer nicht selbst betroffen ist, kennt zumindest jemanden, der vertrieben wurde. Als Urlauber bekommt man hingegen nur wenig davon mit. Einzig in Nikosia, der letzten geteilten Hauptstadt der Welt, stehen Besucher plötzlich vor einem Grenzübergang mitten in der Altstadt. Wie aus dem Nichts taucht der Posten in der Ledrastraße auf, einer beliebten und belebten Einkaufsstraße. Wer weitergehen und den Nordteil betreten will, muss seinen Personalausweis vorweisen.

Wer keinen Ausweis bei sich hat oder ohnehin im Süden bleiben will, kehrt am besten in die Konditorei Giagia Victoria, nur wenige Meter vom Kontrollpunkt entfernt, ein. Es werden hausgemachte Mehlspeisen und traditioneller zyprischer Kaffee serviert. Dieser wird immer schwarz getrunken und kann ohne Zucker (skétto), mittel (métrio) oder süß (glikó) bestellt werden.

© Dmitriy Yarovatiy Der Aphrodite-­Felsen liegt im Südwesten. Wer ihn dreimal umrundet, wird mit ewiger Liebe belohnt, heißt es

Mehr als Baden und Party

Zypern war lange nur als Bade- und Partydestination bekannt. Kein Wunder, gibt es hier doch wunderschöne Buchten mit Stränden und glasklarem Wasser. Vielen Einheimischen wird es aber zunehmend wichtiger, alte Traditionen und Lebensweisen zu bewahren und diese auch den Besuchern zu vermitteln.

Einen Einblick in das frühere Leben bietet das kleine Dorf Fikárdou. Der letzte Einwohner ist vor nicht allzu langer Zeit mit 96 Jahren gestorben. Einzig die Dorf­taverne Giannakos ist hier noch bewirtschaftet. Das Lehmziegeldorf steht unter Denkmalschutz und ist mittlerweile eine Art Freilichtmuseum. In einigen der Häuser werden historische Utensilien gezeigt: alte Destillierapparate, mit denen Rosenwasser hergestellt, und riesige Tonbehälter, in denen Wein gelagert wurde.

Marilena Joannides lebt am Stadtrand von Nikosia und hat sich ganz der traditionellen zypriotischen Küche verschrieben. „Ich habe immer schon gerne mit meiner Großmutter gekocht, aber ich wollte einfach mehr wissen“, sagt sie. Deshalb besuchte sie ältere Damen und schrieb deren Rezepte auf. Ihre Erkenntnis: „Unsere Küche ist einfach und kommt mit wenigen Zutaten aus.“ Marilena Joannides kreiert auch eigene Rezepte wie beispielsweise den Eros-Salat. „Es gibt viele aphrodisierende Pflanzen auf Zypern. Grüner Salat gehört nicht dazu. Daher verwende ich ihn auch nur selten“, sagt sie lachend.

Die von Joannides zubereiteten Gerichte haben einen intensiven Geschmack. Das, erklärt sie, liege an der Vielzahl der Gewürze wie Koriander, Nelken, Minze und Zimt, die von den Einheimischen gerne verwendet werden.

Intensiv schmeckt auch das Marzipan, das Mönche aus den Mandeln der Bäume im Garten des Machairás-Klosters herstellen. Es kann nur im kleinen Geschäft beim Eingang des Klosters gekauft werden. Eine Bestellung im Internet ist nicht möglich. „Wir haben keine Computer. Wir haben auch keinen Fernseher, kein Radio und keine Zeitungen“, so Jossif. Das Marzipan schmeckt süß, aber nicht zu süß und enthält noch kleine Mandelstückchen. Es ist unverwechselbar. So wie Zypern.

© This content is subject to copyright. Zyperns Hauptstadt Nikosia ist die letzte geteilte Hauptstadt der Welt
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© This content is subject to copyright. Weicher, weißer Sand und klares Wasser: Nissi Beach im Südosten der Insel zählt zu den schönsten Stränden Zyperns

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Printausgabe Nr. 26/2018