Reiche freunden sich mit Reichensteuer an:
Deutsche Millionärsliga will Welt verbessern

FORMAT über die Initiative für Vermögensabgabe Mehreinnahmen für Bildung, Erziehung und Umwelt

Reiche freunden sich mit Reichensteuer an:
Deutsche Millionärsliga will Welt verbessern © Bild: APA/Hochmuth

Rolls-Royce, Rolex, Rotary Club – derartige Insignien der Reichen und Schönen lassen Bruno Haas völlig kalt. Und das, obwohl sich der 32-Jährige seit einer Erbschaft mit profanen Zeiträubern wie Haus-oder Erwerbsarbeit nicht mehr herumschlagen muss. Haas findet eben, dass er genug hat. Sollte allerdings Haas’ Plan aufgehen, werden er – und die anderen Gutsituierten Deutschlands – bald schon ein wenig ärmer sein.

Reiche und ihre Unternehmen können mit ihrem Geld immer mehr Einfluss auf die Politik nehmen. Gleichzeitig zahlen sie immer weniger Steuern“, sagt Haas und glaubt, „dass dadurch langsam auch demokratische Prozesse Schaden nehmen“. Der hauptberufliche Philosoph will dagegen Reiche zur Kasse bitten und hat deshalb die „Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe“ mitinitiiert. Eine kleine Gruppe wohlsituierter Weltverbesserer, von denen jeder mindestens 500.000 Euro auf der hohen Kante hat. Geht es nach der Initiative, soll das Bild des gierigen Reichen wieder zurechtgerückt werden. Da die Gruppe der gebenden Gutmenschen aber nicht naiv ist, wollen sie ihresgleichen zum Guten zwingen.

Alle Nettovermögen – also Gesamtvermögen abzüglich Schulden – über einer halben Million Euro sollen heuer und im kommenden Jahr mit fünf Prozent besteuert werden. Nach 2010 soll das von einer einprozentigen Vermögenssteuer abgelöst und damit eine Abgabe wiederbelebt werden, die auch in Deutschland vor einigen Jahren abgeschafft wurde. Sehr zum Ärger von Haas, der dadurch die Schere zwischen Arm und Reich noch ein Stück weiter sich öffnen sah.

50 Milliarden für einen Sondertopf
Das Geld – die Gruppe rechnet mit 50 Milliarden Euro jährlich – soll aber nicht in den allgemeinen Steuertopf fließen, „sondern in einen Sondertopf, aus dem konkrete Ausgaben in den Bereichen Bildung, Erziehung, Pflege und Umwelt gefördert werden“, erklärt Haas.

Großartige Reaktionen sind bisher allerdings ausgeblieben. Hie und da habe es Einladungen von Politikern gegeben, prominente Gesichter aus den deutschen Großparteien seien aber nicht darunter. Zwar habe sich die Gruppe von wohlhabenden Unterstützern inzwischen von 23 auf 30 vermehrt, auch hier fehlten aber die zugkräftigen Promis. Auch Anfragen oder Unterstützungserklärungen aus dem Ausland gibt es keine, gesteht der Philosoph, der jetzt aktiv prominente Unterstützer ins Boot holen will. Und wenn die Initiative trotzdem scheitert? „Dann wäre es auch schon ein Erfolg, dass sich das poli-tische Klima verändert hat und der Rechtfertigungsdruck künftig größer ist, wenn die Reichen neuerlich Steuersenkungen serviert bekommen.“

Lesen Sie im aktuellen FORMAT 25/09, wie die Idee zur Vermögensabgabe geboren wurde!