Reich durch modernen "Sklavenhandel": Schmutziges Geschäft mit Menschen boomt

Minderjähriges Opfer bringt bis zu 40.000 Euro ein Europol-Experte: "Hunderte Kinder" sind betroffen

Reich durch modernen "Sklavenhandel": Schmutziges Geschäft mit Menschen boomt © Bild: APA/EPA/Khawer

Sie bauen ihren Wohlstand und Reichtum skrupellos auf dem Leid anderer Menschen auf - Die Menschenhändler. Mitten in einem der einkommensschwächsten Gebiete Rumäniens sind in den vergangenen Jahren Villen, beinahe schon Paläste aus dem Boden gewachsen. Sichtbares Zeichen eines Wohlstandes, den es eigentlich gar nicht geben dürfte, denn es sind Statussymbole der modernen Sklavenhändler. Dutzende Fotos dieser Anwesen finden sich in einer Mappe in der Abteilung für Verbrechen gegen Leib und Leben der europäischen Polizeibehörde Europol in Den Haag.

Leisten konnten sich diese Anwesen Clanchefs, wie der Europol-Menschenhandels-Experte Steve Harvey in Den Haag erzählte. Selbst wohnen sie meist gar nicht in den Häusern. Das würde ihrer traditionellen Lebensweise widersprechen. Die Villen dienen ihnen nur zum Herzeigen: "Seht her, was ich mir leisten kann." Bei dieser Schilderung wurde auch gleich klar, dass man sich gerade im Umgang mit Menschenhändlern von den eigenen Kultur-, Moral-und Wertvorstellungen lösen muss.

Roma-Kinder wie Ware gehandelt
Die Clanchefs kaufen Roma-Kinder von deren Familien weg und bringen sie nach Westeuropa - zum Betteln, Stehlen, aber beispielsweise auch als Aufpasser für Marihuana-Plantagen in Großbritannien. "Sie bezahlen die Familien dafür, deren Kinder benützen zu dürfen", erzählte Harvey. "Die Kinder stehen unter Kontrolle, von der Rekrutierung an. Sie werden in die Straßenkriminalität gezwungen und wohnen bei den Menschenhändlern."

Unsummen mit Opfern verdient
Damit lassen sich offenbar Unsummen verdienen. Laut Harvey haben Ermittler bei einem Telefongespräch zweier Menschenhändler in Großbritannien mitgehört. Ziemlich ungeniert sprachen die beiden über den Profit: "20.000 bis 40.000 Euro pro Kind innerhalb von drei bis vier Monaten", so Harvey. "Und es gibt hunderte Kindern in Großbritannien, hunderte in Spanien und sonst wo."

Menschenhandelsopfer sind kaum sichtbar. Sie arbeiten in der Sex-oder in der Textilindustrie, in Fabriken oder eben auf der Straße. "Es ist ein verborgenes Verbrechen", konstatierte Harvey. Andererseits ist es nicht wirklich schwierig, Opfer von Menschenhändlern auszumachen. "Nehmen wir das Beispiel der Fensterwäscher-Kinder an Straßenkreuzungen: Es wird kaum so sein, dass die Kinder aufstehen und sich denken: 'Wie kann ich mir heute ein bisschen Geld dazu verdienen?'"

Euopol: Offene Grenzen erschweren Arbeit
Die Arbeit der Ermittler in Sachen Menschenhandel hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, die Globalisierung und Schengen waren unter anderem Auslöser dafür: "Wir haben jetzt weniger Gelegenheit, Informationen an den Grenzen zu sammeln", so Harvey. Der Wegfall der Grenzen hat auch die Beobachtungsmöglichkeiten eingeschränkt. Das eröffnet natürlich neue "Chancen" für kriminelle Organisationen. Gerade deswegen sei eine global agierende Organisation wie Europol notwendig, die Daten vernetzt analysiert und dadurch neue Ermittlungsansätze bietet.(apa/red)