Regionalwahlen im Irak verlaufen ruhig:
Lackmustest für Al-Maliki und Regierung

14.400 Kandidaten für 444 Sitze in den Parlamenten Hohe Wahlbeteiligung wird von Beobachtern erwartet

Regionalwahlen im Irak verlaufen ruhig:
Lackmustest für Al-Maliki und Regierung © Bild: AP/Alaa al-Marjani

Begleitet von scharfen Sicherheitsvorkehrungen sind die Regionalräte in allen irakischen Provinzen mit Ausnahme der kurdischen Autonomiezone gewählt worden. Ministerpräsident Nuri Al-Maliki rief zu einer hohen Wahlbeteiligung auf. Die Wahl verlief zunächst weitgehend ruhig und wurde um eine Stunde verlängert, um allen Wählern die Chance zur Stimmabgabe zu geben.

Eine Stunde vor der geplanten Schließung der Wahllokale hieß es, diese würden nun doch nicht geschlossen, sondern erst eine Stunde später. Um die insgesamt 444 Sitze bewarben sich mehr als 14.400 Kandidaten, darunter 3.900 Frauen. Beobachter rechneten mit einer hohen Beteiligung von möglicherweise mehr als 70 Prozent der 15 Millionen Stimmberechtigten. Das Endergebnis wird erst in einigen Tagen erwartet.

Vertrauen am Prüfstand
"Das gibt ein Bild des Vertrauens in die Regierung, die Wahlen und das Recht des Volkes, am demokratischen Prozess teilzunehmen", sagte Al-Maliki bei seiner Stimmabgabe. Er wurde von einem Leibwächter begleitet. Die Wahl in 14 der 18 Provinzen gilt als Test für die Stabilität des Iraks. Die US-Streitkräfte vermieden Patrouillen in der Nähe von Wahllokalen; die Abstimmung galt auch als richtungweisend für das Tempo des geplanten Truppenrückzugs der USA.

Die Wahllokale öffneten bei Morgengrauen, nachdem überall im Land Verkehrsverbote in großen Städten sowie die Schließung von Flughäfen und Grenzübergängen in Kraft getreten war. Im Bagdader Stadtteil Karradah besetzten irakische Soldaten und Polizisten alle 200 Meter einen Kontrollposten. Geschäfte waren geschlossen und parkende Autos aus den Straßen entfernt worden. Irakische Hubschrauber stiegen nach Angaben von Sicherheitskräften über mehreren größeren Städten auf, und Flugzeuge überwachten mehrere Abschnitte der Grenze zum Iran.

Mörsergranaten in Tikrit
In Tikrit schlugen drei Mörsergranaten in der Nähe eines Wahllokals ein, verletzten nach Angaben der Polizei aber niemanden. In der Nähe eines weiteren Tikriter Wahllokals sei ein Sprengsatz entschärft worden. Im Bagdader Stadtteil Sadr City kam es zu einer Schießerei. Über die Ursache und mögliche Opfer lagen zunächst widersprüchliche Berichte vor. Ein schiitischer Abgeordneter berichtete, ein Soldat habe geschossen und zwei Menschen verletzt. Nach Angaben eines Militärsprechers gab es ein Todesopfer und einen Verletzten.

Die Abstimmung ist die erste landesweite seit drei Jahren. Sollte sie weitgehend friedlich verlaufen, könnte dies US-Präsident Barack Obama darin bestärken, die US-Kampftruppen wie angekündigt bis Mai 2010 aus dem Irak abzuziehen.
(Von Hamza Hendawi/AP)