Regimegegner gegen -anhänger: 30 Tote bei Unruhen in pakistanischer Stadt Karachi

Blutige Straßenkämpfe bewaffneter Gruppen

Bei Straßenschlachten zwischen Oppositionellen und Regierungsanhängern in der pakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi sind mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Rund hundert weitere Menschen wurden bei den Ausschreitungen am Rande einer Demonstration für den abgesetzten Präsidenten des Obersten Gerichtshofes verletzt, wie der Innenminister der Provinz Sindh, Waseem Akhtar, mitteilte.

Bei den Opfern handelte es sich nach Angaben eines ranghohen Sicherheitsbeamten vor allem um Oppositionelle. Bewaffnete schossen in den Straßen auf Demonstranten, feuerten auf das Gebäude eines privaten Fernsehsenders und zündeten Fahrzeuge an.

Die Demonstration galt der Unterstützung des abgesetzten Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Iftikhar Muhammad Chaudhry. Dieser war am 9. März auf Betreiben von Staatschef Pervez Musharraf seines Postens enthoben worden. Er soll seinem Sohn eine Spitzenposition bei der Polizei zugeschanzt haben, für die jener nicht qualifiziert gewesen sei. Die Opposition hält die Vorwürfe für abwegig und wirft Musharraf vor, mit seinem Schritt die Justiz schwächen zu wollen.

Bei den Toten handelte es sich nach Angaben des Sicherheitsbeamten vor allem um Angehörige der oppositionellen Pakistanischen Volkspartei (PPP) von der im Exil lebenden Ex-Regierungschefin Benazir Bhutto. Andere Beamte sagten, unter den Opfern seien auch ein Polizist und ein Sanitäter gewesen. Provinzinnenminister Akhtar machte Chaudhry für die Toten verantwortlich.

Die Zusammenstöße ereigeneten sich in mehreren Stadtteilen von Karachi. Angehörige der Pro-Musharraf-Bewegung Muttahida Qaumi (MQM) lieferten sich mindestens anderthalb Stunden lang Schusswechsel mit Angehörigen der PPP. Der private Fernsehsender Aaj strahlte Bilder aus, auf denen Bewaffnete sein TV-Studio in Karachi unter Beschuss nahmen. Ein Journalist war zu sehen, der in Deckung ging. "Unsere Anhänger werden von allen Seiten beschossen", sagte PPP-Sprecher Sherry Rahman.

Für die Demonstration der Opposition waren bereits im Vorfeld 15.000 Polizisten und paramilitärische Kräfte abgestellt worden. Nach den Zusammenstößen wurden rückten weitere paramilitärische Truppen in gepanzerten Fahrzeugen an.

Chaudhry sagte nach den Zusammenstößen einen geplanten Auftritt in Karachi ab und flog zurück in die Hauptstadt Islamabad. "Ich wollte vor der Anwaltskammer sprechen. Aber sie (die Behörden) wollen, dass meine Anwälte zurückfliegen, und ich möchte meine Anwälte begleiten", sagte er am Abend am Flughafen von Karachi.

Der Richter hatte zuvor den ganzen Tag lang am Flughafen festgesessen, weil Regierungsanhänger die Zufahrtswege blockiert hatten. Laut einem seiner Anwälte, Munir Munik, versuchten Paramilitärs, den Richter mit Gewalt in einen Hubschrauber zu drängen, um ihn zum Obersten Gericht der Provinz Sindh zu bringen. "Aber wir haben nicht zugelassen, dass die Sicherheitskräfte ihn mit Gewalt mitnehmen."

MQM-Anhänger veranstalteten in Karachi eine Gegendemonstration. Musharraf wollte später am Abend in Islamabad selbst eine Großkundgebung anführen. Vor dem Parlament versammelten sich bereits zahlreiche Menschen, die mit Bussen aus anderen Landesteilen in die Hauptstadt gebracht worden waren. Es waren jedoch weniger als die von der Regierung erwarteten 400.000 Teilnehmer.

(apa/red)