"Regierungen sind schuld an der Krise": Stronach im exklusiven FORMAT-Interview

Lebenswerk Magna bekommt auch Krise zu spüren Der Milliardär über akute Versäumnisse der Politik

"Regierungen sind schuld an der Krise": Stronach im exklusiven FORMAT-Interview © Bild: FORMAT/Martin Vukovits

Er ist eine der Zentralfiguren, wenn es um die weltweit tobende Automobilkrise geht: Zu Frank Stronachs Hauptkunden zählen die wankenden US-Riesen General Motors, Chrysler und Ford, die schon seit Monaten einen Überlebenskampf führen; dass ihre Lagerhallen voll sind, bekommt jetzt auch Stronachs Lebenswerk, Magna, zu spüren. Erstmals seit der Firmengründung 1957 schreibt der Zuliefermulti Verluste.

Stronach treibt nun die Expansion nach Russland voran und lässt in seinen Fabriken Modelle und Antriebsformen der Zukunft entwickeln. Medienvertreter hat der 76-jährige Selfmade-Milliardär schon lange nicht mehr empfangen. FORMAT gab er nun das erste Interview zur Wirtschaftskrise.

FORMAT: Herr Stronach, wird diese Krise richtig gefährlich?

Stronach: Zurzeit habe ich diesen Eindruck, leider. Es ist die schlimmste Wirtschaftskrise seit den 30er-Jahren, und wir haben den Tiefpunkt noch nicht erreicht. Ich bin besorgt, weil die Probleme, die zu dieser Krise geführt haben, noch nicht identifiziert wurden.

FORMAT: Was sind diese Probleme Ihrer Meinung nach?

Stronach: Ich höre keine gezielten Aussagen von Politikern über die Ursachen der Krise, weder in den USA noch in Europa. Es steht niemand auf und sagt, was der eigentliche Grund dafür ist, und es sagt auch niemand, was man dagegen tun kann. Die Folge davon ist, dass die Menschen ver­unsichert sind und um ihre Arbeitsplätze fürchten. Daher tragen auch die Regierungen Schuld an der Krise.

FORMAT: Viele sehen die Wurzeln des Übels in der angeblich hemmungslosen Gier der Manager und Unternehmer.

Stronach: Die Gier ist Teil jedes Menschen, sie ist Teil der Urtriebe und fördert die Erhaltung der Menschheit. Aber na­türlich ist die Gier eine zerstörende Kraft, ebenso wie der Geiz, aber sie ist nicht die alleinige Ursache für die Krise. Schuld an der Wirtschaftskrise haben die einzelnen Regierungen, weil ihre Gesetze, ihre Behörden, ihre Vorgaben, ihre Geldpolitik nicht funktioniert haben.

FORMAT: Ein Beispiel?

Stronach: Wenn eine Bank eine Million Euro Eigenkapital hat, kann diese Bank mitunter zwischen 20 und 40 Millionen verborgen, was absurd ist. Denn dadurch werden Papierwerte geschaffen, real gibt es dieses Geld gar nicht. Niemand kann mehr herborgen, als er hat. Zu lange hat sich niemand über dieses kranke System Gedanken gemacht.

FORMAT: Haben Sie die Katastrophe kommen gesehen?

Stronach: Ja, aber ich wusste nicht, dass sie so schnell über uns hereinbrechen würde. Niemand hätte dieses Ausmaß je er­ahnen können.

FORMAT: Sie klingen außerordentlich pessimistisch. Wirtschaftskrisen hat es immer gegeben, sie sind auch eine Chance.

Stronach: Natürlich, aber dafür müssen die Probleme erst erkannt werden. Ich höre immer öfter, dass alles gut wird, aber wer garantiert das? Nichts wird gut, solange die Regierungen keinen Weg aus der Krise gefunden haben. Ich mache mir große Sorgen, denn viele Regierungen werden von Investmentbankern beraten, was nichts bringt. Wenn es so weitergeht und keine Lösung gefunden wird, kommt es zum großen Crash.

FORMAT: Und das bedeutet?

Stronach: Arbeitslosigkeit im großen Stil überall auf der Erde.

FORMAT: Regierungen helfen Unternehmen nun mit Milliardenkrediten.

Stronach: Natürlich hilft Geld, aber ebenso wichtig wären andere Maßnahmen. Geld allein wird nicht helfen. Es müssen dringend Regeln her, damit es nie mehr zu solch einer Krise kommen kann. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum Banken jetzt so enorme Finanzspritzen ­erhalten. Das Geld sollte an die Bürger fließen, um den Handel zu beleben und die Wirtschaft anzukurbeln, was ja auch zu mehr Arbeitsplätzen führen würde.

Das komplette Interview können Sie im FORMAT 04/09 nachlesen!