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Töchterle übergibt an Mitterlehner

"Möge das riskante Experiment gelingen", gibt er seinem Nachfolger auf den Weg

Amtsübergabe von Töchterle an Mitterlehner © Bild: APA/Georg Hochmut

"Möge das einigermaßen riskante Experiment gelingen" - mit diesen Worten übergab der scheidende Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle sein Amt Montag Mittag unter großem Medienandrang an Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Als Geschenk gab es eine Radlerbrille: Weil er wisse, wie wichtig eine gute Brille für eine klare Sicht sei, so Töchterle.

Die Übergabe hatte laut Töchterle "besonderen Charakter, weil das Wissenschaftsministerium mit dem Wirtschaftsministerium verbunden wird". Er sei sich aber sicher, dass die scharfe Kritik an der Maßnahme dazu führen werde, dass Mitterlehner dem Bereich besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung widmen werde. Töchterle, der seine persönliche Wertschätzung für Mitterlehner betonte, wünschte diesem, dass er "die schwierige Aufgabe, so ein großes Ressort zu leiten, meistern wird".

Töchterle und Mitterlehner
© APA/Georg Hochmuth Töchterle überreicht Mitterlehner eine Radlerbrille für "klare Sicht".

Mitterlehner sprach von einer "nicht ganz einfachen Situation - auch die Symbolik ist nicht die einfachste". Insgesamt gehe es in Richtung einer Verbindung der beiden Bereiche. Dies sei ein "neuer Anspruch", den er politisch mit Leben erfüllen werde. Die Probleme würden die gleich bleiben, die Struktur und Spitzenbeamten im bisherigen Ministerium ebenso.

Mitterlehner sieht neue Chancen

Für Mitterlehner ist "klar, dass der Bereich mehr Geld braucht". Gleichzeitig sah er aber auch neue Chancen und will "Synergiepotenziale im Bereich der angewandten Forschung heben". In Richtung der Grundlagenforschung meinte er, dass die Wissenschafter weiterhin unabhängig arbeiten könnten: "Das sage ich jetzt zum letzten Mal."

Töchterle soll Wissenschaftssprecher werden

Zwischen Töchterle und ihm bestünden keine persönlichen Differenzen, betonte auch Mitterlehner. Man werde weiter im Sinne der Sache kooperieren. Das dürfte auch nötig sein: Laut Töchterle sei er von VP-Klubobmann Reinhold Lopatka gefragt worden, ob er Wissenschaftssprecher der Partei werden wolle. Dieses Angebot, das noch vom Klub abgesegnet werden muss, werde er annehmen.

Kommentare

brabus melden

Wissenschaft die keine Anwendung findet wird auch niemanden finden der sie finanziert. Wissenschaft die nur dem Markt dient führt zur Inzucht. Die vernünftige Balance zu finden wird Aufgabe des verantwortlichen Ministers sein. Anstatt zu jammern sollten Ziele definiert werden die es gilt in diesem Land zu erreichen, sowohl für die reine wissenschaftliche Lehre als auch dem wirtschaftlichen Nutzen daraus.

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Das Problem ist, hamma eh schon mal diskutiert, dass man im Vorhinein nie wissen kann wo Wissenschaft möglicherweise Anwendung findet und es daher wichtig ist, möglichst breit aufgestellt zu sein und das auch zu finanzieren. Ich erinnere an K-H.Grasser, der im Jahr 2000 Islamwissenschaften und Völkerkunde noch verächtlich als Orchideenfächer abgetan hat, heute rennt Politik,Wirtschaft und Journalismus ihnen die Türe ein.
Ob einer von seinem Studium leben kann oder beruflich fremdgeht ist seine Sache, aber zur Frage ob wir uns das leisten sollen:
Altgräzistik, Latinistik: Wiederentdeckung des heliozentrischen Weltbilds in der Renaissance; heute u.a. notwendig für Zoogeographie und Datierung geologischer Ereignisse (Vulkanausbrüche).
Theologie:Ohne Physikotheologie keine Darwinsche Evolutionstheorie; heute:Studien zum Benefit von Religiosität für Individuum und Gruppe;halten die Daten wird es in der Evolutionstheorie möglicherweise rumpeln (Gen- versus Gruppenselektion).
Philosophie: kein Taschenrechner ohne die Entwicklung philosophischer Logik; heute:Methodologie; Ausgliederung aller bisherigen Wissenschaften,
zuletzt Soziologie, als nächstes vielleicht Wissenschafts- oder Handlungstheorie.

Sie sehen also, niemand weiß definitionsgemäß woher Neues kommen wird, weder Sie noch ich, noch der neue Minister, deshalb kann man Ziele dieser Art nie definieren.

brabus melden

Stimmt schon, wer aber ziellos herumirrt, der kommt auch nicht weiter. Und für Alles und Jedes das vielleicht, oder auch nicht, mal etwas nützliches für die Gesellschaft hervorbringen wird können wir nicht alle Mittel im gleichen Umfang vorsehen. Zieldefinition verhilft zu einer vernünftigen Einschränkung zwecks bestmöglicher Nutzung der verfügbaren Mittel. Und diese werden angesichts der Verschuldung diese Landes immer weniger - die Gießkanne ist daher das falsche Instrument.

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Naja, in der Frage kommen wir wohl nicht mehr zusammen, weils eben wie schon oben erwähnt, in meinen Augen für Wissenschaft keinen Masterplan gibt, sondern es im Grunde immer ein "zielloses herumirren" ist. Und ob der Kuchen was wird, weiß man immer erst hinterher. All die Dinge, die ich oben erwähnt habe, hatten ja auch nicht das Ziel was Nützliches für Gesellschaft und Wirtschaft zu tun und haben trotzdem zu großen gesellschaftlichen Umschwüngen beigetragen. Auch Einstein hatte nicht die Erfindung des GPS im Sinn, ohne Relativitätstherorie gäb's das aber nicht.
Wenn Sie Einschränkung zwecks bestmöglicher Nutzung der Mittel wollen bleibt also nur die Anwendungsforschung und auch die wird sich irgendwann einmal ohne Grundlagenforschung totlaufen.

Aber Vorschlag zur Güte, wenn wir das Budget für die Wissenschaften entlasten wollen, würde ich empfehlen, dass wir als erstes BWL einsparen, denn von dorther kommt der Wind, der seit geraumer Zeit so verquer weht;-))

Ignaz-Kutschnberger
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Bei aller Liebe, aber ich versteh hier die künstliche Aufregung nicht so ganz...??
Unter uns gesagt: Mitterlehner ist MEHR als nur ein WÜRDIGER Nachfolger eines scheidenden Ministers...ich glaube, von ALLEN VERBLEIBENDEN MinisterInnen ist Reinhold dafür die BESTE Wahl !!

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Ja, ich verstehe die künstliche Aufregung auch nicht. In einem Land, in dem die Umwelt der Landwirtschaft untergeordnet wurde, wird jetzt die Wissenschaft dem Markt untergeordnet, das nennt man stimmige Kontinuität ...

Aber im Ernst, niemand stößt sich an Mitterlehner ( is eh noch eines der helleren Lichtlein auf der Torte in dieser Regierung, da hast du recht), sondern daran, dass Wissenschaft nicht zum Blinddarm der Wirtschaft degradiert werden darf und Universitäten nicht zum Wasserträger für Profitinteressierte. Und genau das wird passieren.

Ignaz-Kutschnberger
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Zum Blinddarm verkommt... Nun ja, ich würde sagen, wenn ein Kinobesitzer ständig nur seine Lieblingsfilme aus den 1930ern spielt, wird er nur wenig Interessierte finden...wenn man studiert, erhoffen sich 95% danach einen Job und nicht dann einen Taxi-Schein und weniger Kohle als ein Geselle bei nem Lehrberuf...Obwohl, in Ö kann man's ja auch ohne Studium und evtl Taxischein zu was bringen ...

Ignaz-Kutschnberger
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außerdem higgs70...wozu noch studieren und damit sinnlos wertvolle Zeit vergeuden...Bundeskanzler und Außenminister kannst auch so werden :))

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Ja, das ist wohl leider was wahres dran. Es wird zwar immer behauptet, dass Bildung für unsre Kinder so sagenhaft wichtig ist, aber die Realität sieht dann doch anders aus. Und wo man den Pamperletsch daheim lieber vor ein Kastl parkt anstatt vorzulesen, wo man immer noch mit Klassenschülerzahlen fährt, die eine Individualbetreuung durch den Lehrer nicht möglich machen, wo man das Lehrerdienstrecht für die wichtigste Bildungsfrage hält, wo man sämtliche Bildungsinstitutionen finanziell aushungert weils mans lieber den Banken in den Rachen stopft, wo ein Landeshauptmann stolz verkünden kann, er habe kein Buch gelesen und dafür jubelnden Zuspruch kriegt, dort fällt er um, der schiefe Turm von Pisa und das Bekenntnis zu freien Universitäten. Denn was ein echter Österreicher ist, der braucht keine Bildung,dem reicht die eigene Einbildung zu einer Kulturnation zu gehören, völlig hin.Und wenn er das dann vehement genug vertritt fällt er das Treppchen Stufe für Stufe nach oben, denn nicht Kompetenz ist das Entscheidende, sondern net-working, wie man das heute so schön nennt.

Aber ich bleib dabei, die Ökonomisierung von Bildung, Wissenschaft und Forschung ist von Übel und da steig ich nicht runter, nicht um die Burg;-))

Laleidama

wer sind eigentlich die D'rahtzieher dieser connections....???obwohl die österr. Uni s international abrutschen. legt man hier zusammen , wer ist daran beteiligt, dass ein JM mit connections zu Liechtenstein - Anwalt kommt...??? das Kasperl Spindi allein sicher nicht......

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