Regierung von Darfur erklärt Waffenruhe:
Friedensgespräche trotz Rebellen-Boykott

Vermittler erwarten keine baldige Konfliktlösung Seit 2003: 200.000 Opfer und 2 Millionen Flüchtlinge

Regierung von Darfur erklärt Waffenruhe:
Friedensgespräche trotz Rebellen-Boykott

Zum Auftakt neuer Friedensgespräche für Darfur in Libyen hat die sudanesische Regierung eine einseitige Waffenruhe in ihrer westlichen Bürgerkriegsregion verkündet. "Wir werden nicht die Ersten sein, die mit Schusswaffen feuern", sagte der sudanesische Delegationsleiter, Vizepräsident Nafie Ali Nafie in der libyschen Hafenstadt Sirte. Es wurde jedoch vorerst mit keiner Resonanz der Rebellen gerechnet, da deren bedeutendste Vertreter das Treffen boykottierten.

Zuvor hatten zwei wichtige Rebellengruppen - die Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) und die Mehrheitsfraktion der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) - sowie der einflussreiche Gründer einer dritten Gruppe ihre Teilnahme an den Gesprächen in Libyen abgesagt. Zur Begründung sagten sie, die Vermittler hätten auch Gruppen eingeladen, die Handlanger der sudanesischen Regierung seien und kaum Unterstützung in der Bevölkerung hätten.

Vermittler fahren Erwartungen zurück
Daher stuften Beobachter die Erfolgschancen der Gespräche als gering ein. Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi sprach als Gastgeber sogar von einem Scheitern der Gespräche. Ohne die Beteiligung der Rebellengruppen, die das Treffen boykottierten, könne es keinen Frieden geben, sagte er. Insgesamt hatten acht aus den beiden Rebellenorganisationen hervorgegangene Gruppierungen zum Boykott des Treffens aufgerufen.

Die als Vermittler der Gespräche fungierenden Vereinten Nationen und die Afrikanische Union (AU) warnten, dass die Zeit für eine Beendigung des Darfur-Konflikts immer knapper werde. Man werde sich nun darauf konzentrieren, zumindest die Rahmenbedingungen für effektive Friedensgespräche in der Zukunft zu schaffen, erklärte Konferenzsprecher Ahmed Fausi und warnte zugleich, dass dies ein langwieriger Prozess sein werde.

Darfur seit 2003 akutes Krisengebiet
2006 hatte eine Rebellengruppe ein Abkommen mit der Regierung unterzeichnet, das in Darfur aber kaum Rückhalt hatte, die Rebellengruppen spaltete und weitere Gewalt auslöste. In Darfur im Westsudan kämpfen seit Februar 2003 Rebellengruppen gegen regierungstreue Milizen. Nach UNO-Schätzungen starben in dem Konflikt bisher rund 200.000 Menschen, mehr als zwei Millionen Menschen ergriffen die Flucht. Nafie Ali Nafie rief in Sirte die internationale Gemeinschaft auf, die Friedensbemühungen für Darfur zu unterstützen und Sanktionen gegen jene zu verhängen, die die Waffenruhe brechen sollten. (apa/red)