Regelrechter Sturm auf Trafiken in Wien:
Jung und Alt versuchen ihr Glück beim Lotto

Trafikanten erzielen bis zu zehnmal höheren Umsatz Studenten zeigen sich finanziell am zurückhaltendsten

Regelrechter Sturm auf Trafiken in Wien:
Jung und Alt versuchen ihr Glück beim Lotto © Bild: APA/Friess

"Zehnmal mehr Umsatz machen wir heute sicher", freute sich der Inhaber einer Trafik in der Alserstraße über den Ansturm der Lottospieler. Zunächst standen die Kunden "nur" bis zur Tür, doch am Nachmittag würden sich jene, die auf den Gewinn beim Fünffach-Jackpot hoffen, bis auf die Straße anstellen müssen. Und wie in Alsergrund ging es auch in den meisten Wiener Trafiken zu - sie wurden von Jung und Alt regelrecht gestürmt.

Eher jung waren jene Lotto-Spieler, die in der Trafik in der Universitätsstraße ihr Glück suchten - und auch nicht so "spendabel": Ein, vielleicht zwei Tipps gaben die Studenten ab, mehr wollten oder konnten sie sich zumeist nicht leisten, wusste der Inhaber zu berichten, der auch noch selbst einen Tipp riskieren wollte.

Dass eine gute Geschäftslage viel ausmacht, das merkte die Trafik in der Blindengasse in der Josefstadt: "Wir haben ein bisserl mehr Umsatz, aber es gibt keinen großen Run, weil wir so versteckt liegen", bedauerte der Besitzer.

Auf den Standort kommt es an
Ganz anders bei einer Trafik direkt an der U-Bahnstation Schwedenplatz, wo sich der Lotto-Hype deutlich bemerkbar machte. Neben dem obligatorischen Packerl Zigaretten oder der Morgenzeitung packten die meisten Kunden auch einen rosa-farbenen Lottoschein ein. Das Aufkommen betrage "mehr als das Doppelte" als normalerweise, bemerkte der Verkäufer schmunzelnd. Schon seit Montag würden die meisten Kunden auch zum Lottoschein greifen.

Michael Gruja von der Trafik Ecke Eschenbachgasse/Elisabethgasse in der Innenstadt hat nicht nur mehr Kunden: "Einzelne spielen auch mehr Tipps als sonst und geben natürlich auch mehr Geld aus." Er rechnete mit dem etwa doppelten Lotto-Umsatz.

Das Geschäft boomt
In ein Geschäft auf der Mariahilferstraße hatten sich hingegen Kunden "verirrt", die sonst nicht auf Fortuna hoffen: Eine Frau mit Kinderwagen: "Ja, ich hab gespielt - das vielleicht dritte Mal in meinem Leben. Und zwar einen Schein voll mit Quicktipps." Eine junge Frau, die sonst nicht mitmacht, hatte fünf Tipps abgegeben, viermal selbst angekreuzt sowie einen Quick-Tipp.

"I bin bescheiden, mir reicht schon der Haupttreffer" - der Lotto-Schmäh lief in der Trafik in der Kettenbrückengasse auf Hochtouren. Ob Quicktipp oder "normaler" Schein, der Fünffach-Jackpot war quasi bei jeder Kundschaft in aller Munde. "Oje, jetzt ist er abg'stürzt", vermeldete die Trafikantin plötzlich, als der Lotto-Computer kurzzeitig den Dienst verweigerte. Die wartende Menschenschlange störte das offenbar nicht, es wurde der Fantasie weiter freier Lauf gelassen und schon mal Pläne geschmiedet, was man mit den gewonnenen Millionen so alles anstellen könnte.

Isolde Füsselberger von einer Trafik in der Kärntnerstraße erwartete einen größeren Ansturm "wahrscheinlich so zwei Stunden vor Annahmeschluss am Nachmittag, wenn die meisten Dienstschluss haben". Für Touristen schienen die möglichen zehn Millionen Euro Gewinn keine große Verlockung zu sein: Es gebe fast keine ausländischen Lottospieler. "Wenn, dann eher Deutsche, die in der Zeitung davon gelesen haben." (apa/red)