Rege Wahlbeteiligung in Italien: Duell Berlusconi gegen Prodi lässt keinen kalt

Regierungschef sorgt für Eklat bei Stimmabgabe Machtwechsel scheint möglich: Ergebnis am Montag

Bei der Parlamentswahl in Italien zeichnet sich eine rege Wahlbeteiligung ab. Sonntagabend hatten 52,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei den letzten Parlamentswahlen im Mai 2001 hatten zur selben Zeit 60,3 Prozent der Italiener gewählt, allerdings war damals ein einziger Wahltag vorgesehen. Diesmal können die Italiener auch am Montag von 7.00 bis 15.00 Uhr wählen..

Vor den rund 60.000 italienischen Wahllokalen bildeten sich in mehreren Städten Schlangen. Nach Schließung der Wahllokale Montag um 15.00 Uhr werden Exit Polls veröffentlicht. Mit einem endgültigen Ergebnis ist am Montag gegen 22.00 Uhr zu rechnen.

Der italienische Staatschef Carlo Azeglo Ciampi gab kurz nach Eröffnung der Wahllokale seine Stimme in Rom ab. Regierungschef Silvio Berlusconi wählte mit seiner Familie in einem Mailänder Wahllokal. Oppositionschef Romano Prodi gönnte sich einen ruhigen Tag in seiner Heimatstadt Bologna und wählte mit seiner Frau Flavia am frühen Nachmittag.

Berlusconi lenkt Mutters Hand bei Stimmabgabe
Berlusconi hat bis zuletzt um jede Stimme gekämpft. Sehr zum Missfallen eines Wahlbeobachters der Opposition begleitete der Ministerpräsident seine 95-jährige Mutter Rosa Bossi in einem Mailänder Wahllokal bis in die Wahlkabine. Er stützte seine Mutter und erklärte ihr, wie sie den Stimmzettel ausfüllen soll: "Du machst ein Kreuz bei Forza Italia", sagte der 69-Jährige.

Als der Wahlbeobachter ihn ermahnte: "Hören Sie, das können Sie nicht machen, Herr Ministerpräsident!", entgegnete Berlusconi ungläubig: "Nicht mal mit meiner Mutter?". Er repräsentiere wirklich ein kleinliches Italien, warf er dem Anhänger seines Rivalen Romano Prodi vor, der sich dagegen verwahrte. Zum Abschied bot Berlusconi dem Mann dann aber noch einen versöhnlichen Händedruck.

Strengste Sicherheitsvorkehrungen
Strenge Maßnahmen wurden für die Sicherheit der Wahllokale ergriffen. 60.000 Polizisten und Militärs waren im Einsatz, um Anschlägen vorzubeugen. Der Wahltag verlief ruhig. Nur in der norditalienischen Stadt Vittorio Veneto bewarfen Unbekannte ein Wahllokal mit Molotow-Cocktails. In den vergangenen Tagen hatte das Innenministerium mehrmals vor Anschlägen im Zusammenhang mit den Parlamentswahlen gewarnt.

Duell Berlusconi gegen Prodi
Bei den Parlamentswahlen in Italien wählen die Italiener zwischen Regierungschef Berlusconi und seinem Herausforderer Prodi. Die beiden Politiker führten einen der schärfsten Wahlkampagnen der letzten Jahrzehnte. Gewählt wird nach dem Proporzsystem. Rund 49 Millionen Italiener sind zu den Urnen aufgerufen.

(apa/red)