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Red Ribbon Concert: Netrebko,
Warwick und ein Kardinal

Schönborn als erster hochrangiger Vertreter der katholischen Kirche bei Veranstaltung

© Video: APA

Das Life Ball-Spektakel im Wiener Rathaus ist heuer zwar ausgefallen, beim Red Ribbon Celebration Concert im Burgtheater wurde aber am Freitagabend in kleinerem, aber dafür umso feinerem Ambiente zur Unterstützung im Kampf gegen Aids aufgerufen. Überstrahlt wurde das Konzert von den Auftritten von der Starsopranistin Anna Netrebko sowie der Grammy-Gewinnerin Dionne Warwick.

Organisator Gery Keszler konnte an dem Abend auch einen großen Erfolg für seinen Life Ball feiern. Mit dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn nahm erstmals ein hoher Vertreter der katholischen Kirche offiziell an der Veranstaltung teil. Schönborn kam auf Einladung Keszlers ins Burgtheater und hielt sogar auf der Bühne eine Rede. "Weil so etwas passiert bei einer Begegnung von einem Menschen mit einem Menschen, und nicht von einer Kategorie mit eine Kategorie", sagte Schönborn im APA-Interview.

Schönborn über Homosexualität

Als Schönborn das Burgtheater betrat, ging ein Raunen durch die Gäste und die anwesenden Journalisten, zeigte sich die katholische Kirche bisher kritisch gegenüber Homosexualität. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften stehen demnach nicht auf einer Stufe mit der Ehe zwischen Mann und Frau. "Ich hab auf der Bühne gesagt, ich bin vermutlich der einzige hier im Burgtheater, der Vorurteile hat. Ich gestehe es, ich habe Vorurteile, aber sie sind geschmolzen", sagte der Erzbischof. Man solle sich weniger mit Vorurteilen, weniger mit Kategorien, dafür mehr als Mensch begegnen, sagte der Kardinal und betonte: "Ich bin nicht die Katholische Kirche und Gery Keszler ist nicht der Life Ball. In erster Linie sind wir Menschen."

Abend von Kurz eröffnet

Eröffnet wurde der Abend von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP). Bei dem Konzert stand heuer die mythische Figur von Orpheus im Mittelpunkt, der mit seinen Liedern zwar die ganze Welt verzaubern konnte, den Kampf gegen den Tod seiner geliebten Eurydike aber verlor. "Es gibt also auch einen düsteren Aspekt", sagte Regisseur Alexander Wiegold. Viel Düsternis kam bei dem beeindruckenden Line-Up aber nicht auf: Im ersten Teil las etwa Schauspieler Nicholas Ofczarek "Orpheus und Eurydike" aus den "Metamorphosen" von Ovid und Sopranistin Margarita Gritskova sang die Arie "E amore un ladroncello" aus Mozarts "Cosi fan tutte". "Es ist eine große Ehre für mich", meinte Gritskova am Roten Teppich. "Ich freu mich wirklich."

Die ganz großen Namen folgten im zweiten Teil: Nachdem Marina Rebekka mit "Casta Diva" aus der Oper "Norma" von Vincenzo Bellini eine ihrer liebsten Arien gesungen, Thomas Hampson mit "Par me giunto e il supreme" Bravo-Rufe abgeholt und Michael Heltau "Der neue Orpheus" gelesen hat, stand der Auftritt von Superstar Anna Netreko an. Die Sopranistin begeisterte das Publikum mit der Arie "Stridono lassu".

Internationales Flair dank Warwick

Für internationalen Flair sorgte schließlich Grammy-Gewinnerin Dionne Warwick. Die Amerikanerin sang zuerst ihren Hit "I'll never love this way again" und dann gemeinsam mit ihrer Enkelin Cheyenne Elliott ihren wohl bekanntesten Song "That's what friends are for". Elliott war kurz vor ihrem Auftritt sehr aufgeregt. "Ich bin so dankbar, hier sein zu dürfen." Im Gegensatz zu den Vorjahren war der ehemalige US-Präsident Bill Clinton aufgrund des Wahlkampfes seiner Frau heuer nicht anwesend, schickte aber eine Grußbotschaft.

Welche Promis dabei waren

Die meisten Konzertbesucher, wie die "Vorstadtweiber" Hilde Dalik und Nina Proll, die ihrer Kollegin Martina Ebm zusahen, genossen den Abend, freuten sich aber auch schon auf den Life Ball 2017, der für 10. Juni angekündigt wurde. "Ich finde es gut, dass sich der Ball neu erfinden wird", meinte auch Schauspielerin und Sängerin Dagmar Koller, deren Mann Helmut Zilk einst den Life Ball ins Wiener Rathaus geholt hat.

"Ich kann mir vorstellen, wie viel Arbeit Gery Jahr für Jahr leistet, um so ein Riesenevent auf die Beine zu stellen", sagte Boxer und "Dancing Star" Fadi Merza. "Dass er ein Jahr auslassen muss, um noch größer und besser zu werden, dann versteht man das." Alfons Haider, der regelmäßig für den ORF den Life Ball moderiert hat, ging entspannt mit seiner Mutter zum Konzert. "Das ist das Intelligenteste, was Gery tun konnte."

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ist schon auf den Ball im nächsten Jahr gespannt. "Es gibt ja schon einen Termin", meinte er. "Insofern können wir den Schmerz ertragen." Mailath-Pokorny, der auch Sportstadtrat ist, wird den Abend nach dem Konzert nahe des Burgtheaters ausklingen lassen. "Ich werde noch in die Fanzone auf den Rathausplatz gehen", kündigte er an.

Der Reinerlös des Konzert-Abends geht an nationale und internationale HIV/Aids-Hilfsprojekte, die nicht nur auf medizinischer Ebene gegen das Virus kämpfen, sondern auch Aufklärung leisten. Keszler hoffte auf Einnahmen in einer Höhe von einer halben Million Euro.

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