Falco von

Verdammt, er lebt noch!

"Junge Roemer" lassen Falco im Zuge der Red Bull Music Academy auferstehen

© Video: News.at

Unter dem Motto „Junge Roemer“ wird die Legende Falco eine Woche lang gelebt und gefeiert – schließlich hätte er am 19. Februar seinen 60. Geburtstag gefeiert. Seinen Anfang nimmt das Spektakel in einem alten Jagdschloss. Hier fanden sich bereits am Montag nationale und internationale Artists ein, um Falcos Erbe neu zu interpretieren. Ihre Remixes beweisen, wie modern die Musiklegende auch 2017 noch klingt. Vor allem aber legen sie einen Verdacht nahe: Dass Falco wirklich unsterblich ist.

In einem kleinen, idyllischen Ort im Weinviertler Hügelland liegt das Schloss Pellendorf. Die niederösterreichische Marktgemeinde zählt 536 Einwohner, die sich am regen Vereinsleben mit Freiwilliger Feuerwehr, Musikverein und Kameradschaftsbund beteiligen. Was sich dieser Tage hinter den Mauern des Schlosses abspielt, steht im krassen Kontrast dazu: Seit Montag ertönen hier elektronische Beats und Bässe, die Boxen zum beben bringen. 15 nationale und internationale Musiker sind ins „Junge Roemer Camp“ eingezogen und lassen Falco im Zuge der Red Bull Music Academy auferstehen. „Eine ganz wunderbare Idee“, wie Markus Spiegel findet. Der Entdecker der Musiklegende darf natürlich auch nicht fehlen: „Falco würde es hier gut gefallen“, meint er. Betritt man das barocke Schloss, wird auch sofort klar warum.

»Das Absurde hat in der Wiener Kunst ja große Tradition«

Von der Wand des Stiegenaufgangs blicken einem neben unzähligen Hirschgeweihen auch ein Giraffen- sowie ein Zebrakopf entgegen. Den Eingang zum Hauptraum des Schlosses, dem Bibliothekszimmer, säumen zwei wuchtige Elefantenzähne. Es ertönen Piano-Klänge von „Jeanny“, die sich zum Knistern des offenen Kaminfeuers mischen. Über diesem – wie sollte es anders sein – hängt ein überdimensionales, gold gerahmtes Kaisergemälde, davor liegt ein dezenter Löwenkopfteppich. Es mag wohl keinen besseren Ort als diesen geben, um Falcos Exaltiertheit zu huldigen. Torsten Schmidt, Mitbegründer der Red Bull Music Academy, weiß warum: „Das Absurde hat in der Wiener Kunst ja große Tradition.“

© Red Bull/Matthias Heschl

Red Bull Music Academy zum ersten Mal in Wien

Die Idee zu der Red Bull Music Academy ist vor fast zwanzig Jahren entstanden: „Damals hat eine österreichische Limonadenfirma festgestellt, dass sie nicht nur im Sport präsent ist, sondern auch im Nachtleben und in Tonstudios, wo Menschen bis in die Morgenstunden Freude an Musik haben. Sie wollte nicht nur Teil davon sein, sondern auch etwas zurückgeben“, erinnert sich Schmidt. Mittlerweile hat sich die Academy als international anerkannte Talentschmiede etabliert, bei der Nachwuchsmusiker mit den „Großen“ des Musik-Business vernetzt werden. Jedes Jahr reist die Academy, die Festival, Workshops und Lectures vereint, von einer Metropole zur nächsten. Nach Berlin, London, Sao Paulo, New York, Tokyo und Paris macht sie heuer erstmals in Wien Halt – und steht im Zeichen von Falco. Die Academy wäre ganz in seinem Sinn, denn Falco, so erzählt Spiegel, hat immer schon geschaut, wer gerade „upcomming“ ist und mit wem er etwas Neues schaffen könnte.

© Red Bull/Matthias Heschl Torsten Schmidt, Mitbegründer der Red Bull Music Academy

Eine Woche zu Ehren Falcos

Die ersten Tage der Falco-Woche verbringen die Artists im „Junge Roemer Camp“ . Im Schloss arbeiten sie an neuen Versionen von seinen Liedern, die anschließend auf großer Bühne präsentiert werden. „Es war eine glückliche Fügung, dass es Leute gab, die uns die Original-Tonspuren zur Verfügung stellten. Die sehen wollten, welche neuen Perspektiven andere Musiker darin entdecken können. Musiker, die vielleicht an einer ähnlichen Stelle stehen wie der Herr Hölzel zu Beginn seiner Karriere. Denn genauso wie die „Jungen Römer“ damals auf den Ruinen eines untergegangenen Imperiums tanzten, versuchen junge Künstler hier und heute ihren Weg zu finden“, erklärt Schmidt.

© Red Bull/Matthias Heschl MOTSA

Die jungen Römer

Falcos Oevre, sein Erbe, wird in den Gemächern des Schlosses noch bis Mittwochabend Abend geremixt, gecovert und neu interpretiert. Mavi Phoenix und Alex the Flipper, Newcomer in der österreichischen Musikszene, wählten für ihre Neuabschmischungen zwei Lieder des ersten Studioalbums „Einzelhaft“. Neben dem Klassiker „Kommissar“ ist auch das eher unbekannte „Siebzehn Jahr“ dabei. An den Originalspuren arbeiten zu dürfen empfindet Mavi als Ehre und freut sich über das Kompliment von Markus Spiegel. „Er hat gemeint, wenn Falco noch leben würde, würde er genau so eine Musik machen wie Alex und ich.“

»Wenn Falco noch leben würde, würde er genau so eine Musik machen wie wir«

Für den „Kommissar“ entschied sich auch der Wiener DJ MOTSA. „Insgeheim war es immer schon ein Wunsch von mir, Falco-Songs zu remixen, aber es gab eben keine Tonspuren. Man musste immer den ganzen Track verwenden. Insofern finde ich die Idee der Academy sehr cool“, meint er. Wie auch Falco, der sich zwischen Hip-Hop, Pop und Techno bewegte, lässt sich MOTSA keinem bestimmten Stil zuordnen. Er selbst empfindet das jedoch als großen Vorteil: „Dadurch, dass man weder rhythmisch noch melodisch eingegrenzt ist, entstehen mehr Spielräume“.

© Red Bull/Matthias Heschl Alex the Flipper & Mavi Phoenix

Falco von heute

Falco ist in der österreichischen Musikszene präsenter als er es auf den ersten Blick zu sein scheint. Bands wie Bilderbuch und Wanda nennen ihn als Inspirationsquelle, der Wiener Rapper Yung Hurn wird sogar als „Falco von Heute“ gefeiert. „Als wir uns das Einzelhaft-Album durchhörten, haben wir gemerkt, dass es eigentlich wieder ganz gut in die heutige Zeit passen würde“, meint Mavi Phoenix. Wie sich die Neuinterpretationen der „alten“ Falco Songs anhören, wird von Donnerstag bis Sonntag an verschiedenen Eventlocations in Wien gezeigt. Eines kann an dieser Stelle jedoch schon verraten werden – Dafür, dass er tot ist, klingt Falco immer noch sehr lebendig.

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