Red Bull sagt nach Monza "ciao" zur WM: Als
Sündenbock muss Renault-Motor herhalten

Marko: "Motor passt bei uns derzeit überhaupt nicht" Mercedes als Wunschpartner, Ferrari Alternativlösung

Red Bull sagt nach Monza "ciao" zur WM: Als
Sündenbock muss Renault-Motor herhalten © Bild: Reuters

Red Bull hat einen der Schuldigen für das vermutliche Scheitern im Kampf um die Formel-1-WM ausfindig gemacht - den schwachen Motor von Renault. Beim Grand Prix von Italien in Monza fehlte den Red-Bull-Boliden der Topspeed, in den Rennen davor war Sebastian Vettel bereits von einigen Motorschäden zurückgeworfen worden. Ein Wechsel des Motorenpartners steht daher für die kommende Saison bevor - vorzugsweise zu Mercedes.

"Ohne wettbewerbsfähigen Motor kann man nicht um die WM fahren", erklärte Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko. 26 Punkte fehlen Vettel vier Rennen vor Schluss bereits auf WM-Leader Jenson Button, der ebenso einen Mercedes-Kundenmotor im Heck seines Brawn GP hat wie die zuletzt starken Boliden von Force India. Auch mit Red Bull sollen die Stuttgarter intensive Gespräche geführt haben.

"Für einen WM-Titel muss alles passen - das Auto, der Fahrer, der Motor. Und der Motor passt bei uns derzeit überhaupt nicht", betonte Marko. Ein Wechsel zu Mercedes sei zwar noch nicht beschlossene Sache, aber eine taugliche Möglichkeit. "Wir müssen uns nach den besten Chancen umsehen", erinnerte der Red-Bull-Konsulent. Teamchef Christian Horner hatte schon zuvor betont, dass man "nicht mit einem Motorenlieferanten verheiratet" sei.

Renault versorgt Red Bull bereits seit 2007 mit Motoren. Davor war das österreichisch-englische Team nach der Übernahme von Jaguar je ein Jahr mit Cosworth- und mit Ferrari-Power betrieben worden. In den vergangenen Jahren hatte sich das Gesamtpaket von Red Bull nicht als siegfähig erwiesen. Aktuell macht ausgerechnet der Renault-Motor - das Werksteam der Franzosen hat in dieser Saison noch keinen einzigen Podestplatz eingefahren - Probleme.

"Motorische Unterlegenheit"
Aufgrund mehrerer Motorschäden hat Vettel für den Rest der Saison nur noch ein neues Triebwerk zur Verfügung. Der Einsatz jedes weiteren wird mit einer Rückversetzung um zehn Startplätze bestraft - eine schwierige Situation. Selbst Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz hatte in Monza eine "motorische Unterlegenheit" konstatiert. Ein Wechsel des Partners scheint daher unumgänglich.

Mercedes wäre zwar gewillt, auch ein drittes Team auszurüsten und damit einen siebenstelligen Euro-Betrag einzusacken. "Das wäre das Limit", erklärte Motorsportchef Norbert Haug. Der Vertrag mit Red Bull dürfte sich derzeit aber vor allem an zwei Punkten spießen. Einerseits verfügt McLaren als Werksteam über ein Exklusivrecht, muss allen weiteren Motoren-Lieferungen zustimmen - in diesem Fall an einen direkten Konkurrenten.

Andererseits müsste auch der Automobil-Weltverband FIA den Deal absegnen, darf doch jeder Autokonzern laut Reglement ohne Genehmigung nur zwei Kundenteams versorgen. Als Ausweg bliebe den Bullen die Rückkehr zu Ferrari. Denn mit Renault scheint die Führungsetage abgeschlossen zu haben. "Es wäre schon heuer viel mehr drinnen gewesen", meinte Marko. "Jetzt wollen wir nächstes Jahr Weltmeister werden. Und dafür werden wir alles tun."

(apa/red)