Red Bull verleiht bisher keine Flügel: In Bahrain kam kein Bullen-Auto über Ziellinie

Motorsport-Berater: 'Vom Speed her waren wir super' Team arbeitet nun an Standfestigkeit der Boliden

Im dritten Saison-Rennen hat Red Bull erstmals kein einziges Auto ins Ziel gebracht. Das Bahrain-Ergebnis war für Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko aber nur auf den ersten Blick eine Katastrophe. "Man muss das anders sehen. Die beiden Red-Bull-Autos waren lange aus eigener Kraft in den Punkten. Vom Speed her waren wir in Bahrain bereits die vierte Kraft. Woran es hapert, ist die Standfestigkeit", sah der Grazer vielmehr sehr positive Aspekte.

Sowohl Red Bull Racing (RBR) als auch die Scuderia Toro Rosso (STR) stehen nach drei Rennen noch ohne WM-Punkte da, nachdem das erste Auto von Star-Designer Adrian Newey viel zu spät fertig geworden war. Selbst die Piloten, Mark Webber und David Coulthard, hatten deshalb bereits Kritik geübt. Aber das schlechteste Saisonergebnis steht für Marko auch als Trendwende, speziell beim "Einser-Team" RBR.

"Alle reden von einer Krise. Aber wir waren am Saisonbeginn 1,5 Sekunden hinter Williams. Die haben wir bereits ganz klar überholt, in Bahrain waren wir sogar schon an den Renaults dran", zeigte sich Marko vom Grund-Speed des Autos angetan. "Wir haben also Riesenschritte gemacht, denn der Speed war wirklich beeindruckend. Was noch fehlt, ist die Standfestigkeit."

Tatsächlich schied in Bahrain nur STR-Pilot Scott Speed wegen eines Unfalls aus. David Coulthard und Mark Webber, der wie schon in Australien zwischendurch mit offenem Tankdeckel als Luftbremse fuhr, gehörten hingegen zu den schnellsten Fahrern im Feld und selbst Tonio Liuzzi im zweiten STR war laut Marko nach der Umstellung auf eine Einstopp-Strategie "trotz blattlvollem Tank sauschnell".

Bis auch dort der Defektteufel zuschlug. Bei Webber waren es Probleme mit der Getriebe-Elektronik, Coulthards Traumfahrt von Platz 21 auf 7 wurde durch ausgeronnenes Fett im Getriebeschaft gestoppt. Marko: "Webber ist zwischendurch sogar die Zeiten des BMW von Robert Kubica gefahren."

Der Australier ist praktisch der Nachfolger von Christian Klien bei RBR. Dem Vorarlberger hatte man im Vorjahr vorgeworfen, Coulthard nicht genügend fordern zu können. Marko heute: "Wir sind wegen Klien sehr kritisiert worden. Aber Webber war in allen drei Qualifyings in den Top Ten, das rechtfertigt diese Entscheidung."

Flott sind sie also die "Bullen", jetzt sollen die schnellen "Streifenkisten" auch standfest werden. Deshalb stellt man in der Team-Zentrale in Milton Keynes die Strukturen komplett um. Marko: "Die Reaktionszeit auf Defekte und die Behebungszeit des Problems werden dadurch deutlich verkürzt." Auch die Windkanal-Ergebnisse wurden optimiert.

Früchte tragen soll das schon beim nächsten Rennen in Barcelona, der nächste große Schritt erfolgt dann für Kanada. Laut Marko erfährt der RB3 einen kompletten Aerodynamik-Relaunch, "Hauptteile der Karosserie werden neu sein." Auch das von der Konkurrenz längst eingesetzte, verzögerungsfreie Getriebe soll nun endlich kommen. Marko: "Davon erwarten wir uns irrsinnig viel. Dass wir ohne dieses Getriebe jetzt schon mithalten können, zeigt, wie gut das Auto auf der Bremse ist."

Bei Red Bull scheint man sich ein wenig vom Party-Team weg zu entwickeln. Marko: "Uns sind Resultate wichtiger als die Show. Deshalb arbeiten wir hart." Ziel ist und bleibt Platz fünf in der Teamwertung. "Vom Speed her sind wir schon dort. Leider muss man dafür aber auch ins Ziel kommen, sonst zählt das alles nichts."

Wann RBR endlich siegfähig ist? "Klar wollen wir gewinnen. Aber die Basis des Autos stimmt", sagte Marko und erklärte: "Wir haben als Einzige heuer ein komplett neues Auto gebracht. Da geht es um 8.000 entscheidende Teile, wovon keines gegenüber dem Vorjahres-Auto gleich geblieben ist. Das braucht jetzt eben seine Zeit."

(apa/red)