Rebellenboss Nkunda im Kongo geschnappt:
Tutsi-General führte Krieg gegen Regierung

Vor seiner Festnahme leistete Nkunda Widerstand Kampf um rohstoffreichen Ostkongo vorerst beendet?

Rebellenboss Nkunda im Kongo geschnappt:
Tutsi-General führte Krieg gegen Regierung © Bild: Reuters/O'Reilly

Der kongolesische Rebellen-General Laurent Nkunda ist nach Angaben eines Militärsprechers in Ruanda festgenommen worden. Das berichtete der britische Rundfunksender BBC. Der General habe mit drei schwer bewaffneten Kampfeinheiten versucht, sich seiner Verhaftung durch kongolesische und ruandesische Truppen im Ostkongo zu entziehen. Nkunda werde derzeit in Ruanda festgehalten, es wird aber erwartet, dass er bald den kongolesischen Behörden überstellt wird. Der kongolesische Informationsminister Lambert Mende Omalanga bezeichnete die Festnahme Nkundas als "gut für Frieden und Sicherheit in der Region".

Unklarheit herrschte zunächst über die Hintergründe der Verhaftung. Beobachter vermuten, dass sowohl Nkundas ehemaliger Verbündeter Ruanda als auch seine eigenen Kommandanten zunehmend verärgert über den Führer der Tutsi-Rebellen im Ostkongo waren. Demnach galt er als autoritär und größenwahnsinnig. Außerdem wurde er verdächtigt, Geld aus den Kassen der Rebellen unterschlagen zu haben.

Nkundas Festnahme folgte nur wenige Tage vor der am Sonntag beginnenden neuen Gesprächsrunde über eine politische Lösung des Konflikts im Ostkongo. In der kenianischen Hauptstadt Nairobi kommen von Sonntag an unter Vorsitz des UN-Sonderbotschafters Olusegun Obasanjo Vertreter der kongolesischen Regierung und Nkundas Rebellenorganisation zusammen. Außerdem beginnt am Montag ein Kriegsverbrecherprozess des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag gegen Kongos Ex-Milizenchef Thomas Lubanga.

Der 41-jährige Tutsi-General Nkunda ist der Führer der CNDP, der größten von zahlreichen kongolesischen Rebellengruppen, und hatte mit seinen Kämpfern im vergangenen August eine neue Offensive begonnen. In der ostkongolesischen Konfliktregion Nord Kivu flohen rund 250.000 Menschen vor den Kämpfen. Anfang des Jahres kam es innerhalb der CNDP zum Machtkampf. Mehrere hohe Offiziere der Rebellenarmee schlossen sich mit ihren Anhängern der Regierungsarmee an.

Folter, Vergewaltigungen und Morde?
Die kongolesische Regierung hatte dem Nachbarland Ruanda lange vorgeworfen, Nkunda zu unterstützen. Menschenrechtler werfen Nkundas Kämpfern Folter, Vergewaltigungen und Morde vor und fordern, den Rebellengeneral vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu stellen. Nkunda gehört zum Volk der Tutsi und kämpfte in der Zeit des Völkermords in Ruanda 1994 in der heute in Kigali regierenden Ruandesischen Patriotischen Front (RPF). Die RPF stürzte das Hutu-Regime und setzte dem Massenmord an den ruandesischen Tutsi und gemäßigten Hutu ein Ende.

Bei den Bemühungen um eine politische Lösung des Konflikts im Ostkongo und Vermittlung der UN kam es im vergangenen November zu einer Annäherung zwischen Kongo und Ruanda. Seit Anfang der Woche gehen Soldaten beider Staaten sogar gemeinsam gegen Hutu-Milizen auf kongolesischem Territorium vor, die 1994 aus Ruanda geflohen waren.

Menschenrechtsorganisationen, die Nkunda Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorwerfen, fragen seit Jahren, warum die kongolesische Regierung und die UN-Friedenstruppen ihn nicht verhaften. Nach Informationen von Amnesty International haben Nkundas Truppen selbst zwölfjährige Kinder entführt und für ihren Bürgerkrieg verpflichtet.
(apa/red)