Rebellen-Offensive in Tschad-Hauptstadt: Bundesheersoldaten bleiben im Krisengebiet

Regierung von Präsident Idriss Deby unter Druck Pilz: Verantwortungslose Vorgangsweise von Darabos

Rebellen-Offensive in Tschad-Hauptstadt: Bundesheersoldaten bleiben im Krisengebiet © Bild: DPA/Krumm

Die tschadischen Rebellen bringen mit ihrer Offensive in der Hauptstadt N'Djamena die Regierung von Präsident Idriss Deby zunehmend in Bedrängnis. Bei den Kämpfen wurden auch schwere Waffen und Hubschrauber eingesetzt. Französische Experten schätzten die Zahl der gut bewaffneten Angreifer auf 1.500 bis 2.000. Deby könne sich auf bis zu 3.000 Getreue stützen, sagte der französische Verteidigungsminister Herve Morin im Rundfunk. 14 österreichische Soldaten hielten sich indes weiter in einem Luxushotel in N'Djamena verschanzt.

Morin berichtete, dass am 1. Februar der Generalstabschef der tschadischen Armee bei Kämpfen nordöstlich der Hauptstadt getötet worden sei. Frankreich hatte dem Sender RTL zufolge dem im Präsidentenpalast verschanzten Präsidenten vergeblich angeboten, ihn außer Landes zu bringen.

Gefechte beim Präsidentenpalast
Beim Präsidentenpalast lieferte man sich heftige Gefechte, berichtete ein Mitarbeiter eines nahe gelegenen Hotels. Es seien Einschläge schwerer Geschoße zu hören. Zuvor hatten sich die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen um die Kontrolle der Hauptstadt dramatisch zugespitzt. Anrainer und Diplomaten berichteten, die Kämpfer seien bis auf den Präsidentenpalast und das Parlament vorgerückt. In der Nähe des Parlaments befindet sich das Hotel Kempinski, in dem sich die österreichischen Soldaten aufhalten. Nach Angaben der französischen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) gab es bei den Kämpfen in N'Djamena mehrere hundert Verletzte, hauptsätzlich durch Querschläger.

Kein Soldaten-Nachschub
Angesichts der unsicheren Lage im Tschad bleibt die Mission der EU-Friedenstruppe (EUFOR) vorerst ausgesetzt. Dies beschlossen die Botschafter der 27 EU-Staaten nach Angaben aus Diplomatenkreisen auf einer Krisensitzung in Brüssel. Die Aussetzung der EUFOR-Truppenentsendung gelte so lange, bis die Situation im Tschad wieder klarer sei. Die Botschafter würden am 5. Februar wieder zusammenkommen, um die aktuelle Lage zu erörtern.

Bundesheersoldaten wohlauf
Truppensprecher Wolfgang Schneider sagte in der Mittags-"ZiB" des ORF, den österreichischen Soldaten im Tschad "geht es gut". Der Leiter des Führungsstabes im Verteidigungsministerium, Christian Segur-Cabanac, schloss gegenüber der APA eine Evakuierung zunächst aus. Es werde lediglich eine Verlegung der Soldaten in den französischen Stützpunkt nahe des Flughafens von N'Djamena erwogen. Derzeit sei dies wegen der Sicherheitslage nicht möglich, weil es zu gefährlich sei, sich in der Stadt zu bewegen.

Der Ausgang der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen ist laut Segur-Cabanac offen. "Es ist keineswegs klar, wer das Sagen haben wird", sagte er. Das mit 1.900 Soldaten im Tschad präsente Frankreich verhält sich neutral, trotz eines Militärabkommens mit der Regierung. So konnten die Rebellen mit ihren 300 Fahrzeugen rund 700 Kilometer von der sudanesischen Grenze bis N'Djamena fahren, obwohl das Gebiet ständig von französischen Aufklärern überwacht wird. Die Afrikanische Union (AU) betonte jedoch, eine Machtübernahme der Rebellen nicht anerkennen zu wollen.

Österreichische Debatte
Die jüngsten Ereignisse heizten indes auch die innenpolitische Debatte über den österreichischen Tschad-Einsatz an. Der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz kündigte bei der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates an, am 7. Februar einen Antrag auf Abzug der Bundesheer-Soldaten aus dem Tschad einbringen zu wollen und kritisierte die "verantwortungslose Vorgangsweise" von Minister Darabos, der "ungenügend vorbereitete österreichische Soldaten bereits bei ihrer Ankunft in höchste Gefahr gebracht" habe. Auch BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz forderte einen sofortigen Abzug der österreichischen Soldaten "aus diesem gefährlichen Hexenkessel", während FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wegen des "blanken Chaos" um den österreichischen Tschad-Einsatz eine umgehende Einberufung des Nationalen Sicherheitsrates beantragte.
(apa/red)