Real Madrid verliert seinen Präsidenten: Perez geht nach Serie an Enttäuschungen

Seine Geschäfte übernimmt Vize-Präsident Martin "Königliche" hatten sieben Mal hintereinander verloren

Florentino Perez hat Spaniens Rekordmeister Real Madrid zum Klub der Weltstars aufgebaut, aber die "Galaktischen" sind ihm über den Kopf gewachsen. Am Ende wusste der Schöpfer der Galaxie keinen anderen Ausweg, als sein Amt als Real-Präsident niederzulegen. Auf einer Krisensitzung wählte die Real-Führung den Immobilienunternehmer Fernando Martin, im Vereinsvorstand bisher die "rechte Hand" von Perez, zum neuen Klub-Boss.

Bei Real kriselt es schon seit längerem. Die erfolgsverwöhnten "Königlichen" sind seit fast drei Jahren ohne Titel. In der Champions League droht nach der 0:1-Heimniederlage im Achtelfinal-Hinspiel gegen Arsenal ein frühes Aus. In der Primera Division hat Real als Dritter mit zehn Punkten Rückstand auf Titelverteidiger Barcelona ebenfalls kaum noch Chancen. All dies war aber nicht der Grund für den Rücktritt.

Perez verließ die Galaxie, weil er sah, dass Real keine Mannschaft mehr war, sondern ein Haufen zerstrittener Diven. Eine 1:2-Niederlage bei Real Mallorca öffnete dem 58-jährigen Bauunternehmer die Augen. Torjäger Ronaldo und Kapitän Raul beschimpften sich öffentlich. Und als Neo-Teamspieler Sergio Ramos die Madrider in Führung schoss, drehten die Real-Stars ohne Jubel ab.

"Was auf Mallorca geschah, ist nicht normal", meinte Perez. Er dürfte der erste Klubchef in der Fußballgeschichte sein, der zurücktritt, weil seine Spieler keine Lust zum Torjubel haben. "Ich habe die Spieler schlecht erzogen", räumte er ein. Das Sportblatt "Marca" ließ keine Zweifel: "Die Galaktischen haben ihren Präsidenten auf dem Gewissen."

Der Nachfolger Martin ist ein Mann, der sich lieber im Hintergrund hält. Er war wie Perez in der Politik in der - längst aufgelösten - Zentrumsunion (UCD) gescheitert und in die Baubranche gewechselt. Er gründete eine Immobilienfirma, die heute zu den größten Eigentümern von Bauland in Spanien gehört. Anders als sein Vorgänger gilt der 58-jährige Stierkampf-Fan und studierte Chemiker eher als zurückhaltend und pressescheu.

Perez' Rücktritt kam für die Fußballwelt ebenso überraschend wie dessen Wahl vor knapp sechs Jahren. Im Jahr 2000 hatte Perez Lorenzo  Sanz aus dem Amt verdrängt, der sich nach Reals Sieg in der Champions League seiner Wiederwahl fast sicher war. Er übernahm einen Verein, der mit 250 Millionen Euro Schulden vor der Pleite stand.

Doch wie König Midas ließ Perez alles, was er anfasste, zu Gold werden. Mit dem Verkauf von Trainingsplätzen tilgte er den Schuldenberg, er modernisierte den Klub und ließ Real mit Einnahmen von 276 Millionen Euro im Jahr zum reichsten Fußballverein der Welt aufsteigen.

Perez holte außerdem mit Luis Figo, Zinedine Zidane, Ronaldo und David Beckham die besten Fußballer der Welt nach Madrid. Er gab 400 Millionen Euro für neue Spieler aus. Wirtschaftlich hatte er durchschlagenden Erfolg, aber auf sportlichem Gebiet beging er eine Reihe von Fehlern. Nach der Entlassung des Erfolgstrainers Vicente del Bosque fand er keinen Coach mehr, der mit den Superstars umzugehen verstand. Der Trainerstuhl wurde zum Schleudersitz.

Perez verschleuderte Millionen für mittelmäßige Kicker, ließ sich aber Klassespieler wie Samuel Eto'o oder Ronaldinho vom Erzrivalen Barcelona wegschnappen. Zudem scheute er davor zurück, sich von alternden Stars zu trennen. Dies dürfte nun anders werden. Der Nachfolger Martin steht im Ruf, nicht mit der Wimper zu zucken, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Damit dürften, so vermutet die Madrider Presse, für "Galaktische" wie Ronaldo oder Zidane die Tage bei Real gezählt sein.

(apa/red)