Reaktion auf Soldaten-Entführung: Israel nimmt Hamas-Politiker Dweik fest

Parlamentspräsident in seinem Haus aufgegriffen Seit Soldaten-Entführung schon 64 Verhaftungen

Die israelische Armee hat in Ramallah (Westjordanland) den palästinensischen Parlamentspräsidenten Abdel Aziz Dweik festgenommen. Das sagte der Bürochef des Hamas-Politikers, Abdelkaher Srur. Der 58-Jährige sei in seinem Haus festgenommen worden. Laut Dweiks Ehefrau nahmen die Soldaten zudem zwei Computer und Parlamentsakten mit. Ein Armeesprecher bestätigte den Einsatz. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat verurteilte die Festnahme.

Der Armeesprecher erklärte, Dweik sei festgenommen worden, weil er ein Hamas-Mitglied sei und die Hamas eine "terroristische Organisation". Nach der Verschleppung des israelischen Soldaten Gilad Shalit durch militante Palästinenser am 25. Juni hat die israelische Armee bisher 64 Hamas-Vertreter, darunter acht Minister und 26 Abgeordnete, festgenommen. Drei der Minister sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Festnahme verurteilt
Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Haniyeh von der Hamas verurteilte Dweiks Festnahme. "Wir fordern alle Parlamentarier aus der arabischen und der übrigen Welt auf, dieses Verbrechen zu verurteilen und sich für die Freilassung von Aziz Dweik und der anderen inhaftierten Minister einzusetzen."

Dweik war nach dem Wahlsieg der Hamas im Februar zum Präsidenten des palästinensischen Parlaments, des so genannten Legislativrats, gewählt worden. Vor seiner Wahl war Dweik Professor für Geografie an der Universität El Najah in Nablus im Westjordanland. Er war bereits fünfmal in israelischem Gewahrsam. 1992 war er unter 400 Palästinensern, die von Israel ausgewiesen wurden. Er lebte im Exil im Südlibanon. Dweik ist siebenfacher Vater.

Neuerlicher Luftangriff im Gaza-Streifen
Bei einem Luftangriff Israels im Gazastreifen ist nach Angaben von Ärzten ein Palästinenser getötet worden. Bei dem Toten handele es sich um einen Zivilisten, hieß es. Zudem seien vier weitere Unbewaffnete bei dem Luftschlag verletzt worden.

Ein Sprecher des israelischen Militärs sagte, man sei gezielt gegen eine Person vorgegangen, die sich in verdächtiger Weise auf israelische Soldaten zubewegt habe, die in einem Einsatz in der Gegend gewesen seien.

Die Hamas, die zu Jahresbeginn die palästinensische Parlamentswahl gewann, hat hat sich die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben. Israel geht seit Wochen gegen Palästinenser vor, nachdem ein israelischer Soldaten von bewaffneten Palästinensern entführt wurde. In dem Konflikt sind bisher mindestens 127 Palästinenser getötet worden, zumeist Zivilisten. (apa/red)