RBI-Chef Strobl sieht Strabag-Russland-Deal auf Schiene

von RBI-Chef Strobl sieht Strabag-Russland-Deal auf Schiene © Bild: APA/APA/AFP/ALEXANDER NEMENOV

Die RBI will ihr Russland-Engagement reduzieren

Die Hauptversammlung der Raiffeisen Bank International (RBI) ist am Donnerstag im Zeichen des geplanten Strabag-Russland-Deals gestanden. CEO Johann Strobl sieht die Transaktion, mit der das Institut eingefrorene Gewinne aus Russland holen will, auf Kurs. "Wir glauben weiterhin, dass eine derartige Transaktion zulässig und möglich ist." Der Deal wäre ein "Zwischenschritt" mit Blick auf den Abbau des Engagements in dem Land. Einen Zeitpunkt für den Vollzug nannte er nicht.

Die Bank hatte im Dezember angekündigt, über ihre russische Tochter 28,5 Millionen Aktien des österreichischen Baukonzerns Strabag erwerben zu wollen. Zuletzt wurde dieses Aktienpaket von der russischen MKAO Rasperia Trading gehalten, die vom mit Sanktionen belegten russischen Oligarchen Oleg Deripaska kontrolliert wird. In der Vorwoche wurde Rasperia an einen russischen Investor namens Iliadis verkauft, der nach Angaben der Bank nicht sanktioniert ist. Geht es nach der RBI, sollen die Anteile von der russischen Tochter erworben und dann als Sachdividende an die Konzernmutter in Wien übertragen werden.

In Bezug auf den Verkauf von Rasperia an die Illiadis sagte Strobl eingangs, dass nun zu überprüfen sei, "in welcher Form diese Transaktionen stattgefunden haben". Generell sei er weiter der Überzeugung, dass bei dem möglichen Deal bzw. dem geplanten Erwerb der Strabag-Aktien alle sanktionsrechtlichen Vorschriften eingehalten werden.

Ursprünglich hätte die Transaktion im ersten Quartal 2024 abgeschlossen werden sollen. Wann es nun soweit sein könnte, ist nach Angaben des CEOs offen. "Je früher, desto besser", so Strobl.

Noch vor der Rede Strobls hatte am Donnerstagvormittag der RBI-Aufsichtsratsvorsitzende Erwin Hameseder das Wort ergriffen. Er bekräftigte die Solidarität der RBI mit der Ukraine in ihrem Kampf gegen Russland und hob die Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der ukrainischen RBI-Tochter hervor, die ihre Arbeit unter widrigsten Bedingungen verrichten würden.

Der Krieg bedeute auch für die RBI "eine offene Wunde". Gleichermaßen stehe mit Blick auf das Russland-Geschäft für das Geldhaus das Prinzip der Schadensminimierung im Vordergrund. Der Rückzug sei "kein Sprint, sondern ein Hindernislauf mit gewaltigem Gegenwind", betonte er und verwies auf eine bereits erfolgte Reduktion der Geschäftstätigkeit in Russland. Der Vorstand müsse auch weiter mit Bedacht vorgehen, befand Hameseder.

Für die Aktionärinnen und Aktionäre rückte diesbezüglich der geplante Strabag-Deal in den Fokus. Während einige Anteilseigner in ihren Wortmeldungen den Schritt begrüßten, äußerten andere Bedenken und formulierten dazu kritische Gedanken in Richtung des Vorstands. So argwöhnte einer der Aktionäre etwa, ob es sich dabei nicht "um eine fantasievolle Umgehung der Sanktionen" handle. Wiederum andere hinterfragten das Russland-Engagement generell: So fragte eine Aktionärin, was es angesichts der russischen Aggression denn noch brauche, damit die Raiffeisen dem Land den Rücken kehre. Gefordert wurde dies auch von Demonstrierenden am Rande der Hauptversammlung.

Strobl replizierte sinngemäß, dass niemandem gedient sei, wenn die Bank ihre Russland-Tochter verschenke. Für einen kompletten Ausstieg aus Russland fehle es außerdem an entsprechenden Genehmigungen. Wie Hameseder betonte der RBI-Chef, dass man den russischen Angriffskrieg verurteile.

In der Generaldebatte wollte einer der Aktionäre außerdem wissen, ob Strobl vor dem Hintergrund des Strabag-Deals in Washington vorstellig geworden sei. Das sei nicht der Fall, er bestätigte allerdings, dass ein RBI-Expertenteam vor Ort mit den relevanten Behörden Kontakt aufgenommen und die Details der Transaktion besprochen habe. Einen direkten Konnex zu den USA gebe es bei der Transaktion ohnehin nicht. So sei keine US-Partei direkt involviert, außerdem erfolge keine Dollarzahlung, sagte Strobl zur Begründung.

Zur Sprache kam auch das Thema Signa, an welche die RBI bekanntlich Kredite vergab. Einer der Aktionäre fragte, ob Ex-RBI-Chef Karl Sevelda, zuletzt Aufsichtsrat bei der Signa-Prime, direkt Darlehen vermittelt habe und dafür Provisionen seitens der RBI erhielt. Strobl verneinte das: "Karl Sevelda spielt seit seinem Ausscheiden in Kundenrelationen keine Rolle."

Auch Stiftungen im Nahverhältnis zu Signa seien nicht finanziert worden, ergänzte Risikovorstand Hannes Mösenbacher. Generell habe die RBI ihr Exposure im kriselnden Immobiliensektor zuletzt spürbar reduziert.

Mit der Dividende in Höhe von 1,25 Euro pro Aktie, die von der Hauptversammlung beschlossen wurde, zeigten sich die Aktionäre weitgehend zufrieden. Neu in den Aufsichtsrat zog indes Martin Schaller ein, der seit 2013 die Funktion des Vorstandsvorsitzenden der RLB Steiermark bekleidet. Die Entlastung wurde sowohl dem Vorstand als auch dem Aufsichtsrat erteilt.