Rauchverbot in Frankreichs Firmen und Be-
hörden: Zigarettenpausen auf dem Gehsteig

Firmen wollen Angestellten beim Aufhören helfen Verletzung der Regelung: Bis zu 135 Euro Strafe

Auf Frankreichs Gehsteigen wird es bald eng: Ein umfassendes Rauchverbot tritt in öffentlich zugänglichen Gebäuden und am Arbeitsplatz in Kraft. Auch Schulhöfe, Krankenhäuser, Bahnsteige oder öffentliche Verkehrsmittel werden Nichtraucherzonen, deren Verletzung Strafen von bis zu 135 Euro nach sich ziehen.

Vor die Wahl gestellt, hermetisch abgeschlossene Raucherkabinen einzurichten oder die Produktivität ihrer Mitarbeiter während häufiger Zigarettenpausen vor der Tür in Rauch aufgehen zu sehen, versuchen viele Firmen und Behörden, ihren Angestellten beim Aufhören helfen. Ob das klappt, ist fraglich.

"Raucherzimmer" unwahrscheinlich
Seit die Anti-Tabak-Verordnung Mitte November verabschiedet wurde, machen Unternehmen sich ernsthaft Gedanken über den Umgang mit ihren rauchenden Beschäftigten. "Bei uns rufen täglich im Schnitt fünf bis sechs Unternehmen an", sagt der Direktor des Französischen Büros für Prävention der Tabaksucht (OFT), Joseph Osman, dessen 40 Mitarbeiter von Sensibilisierungs-Kampagnen bis zu persönlichen Beratungsgesprächen eine Reihe von Entwöhnungsmaßnahmen anbieten. Die Variante eines hermetisch geschlossenen Raucherzimmers kommt laut Osman für kaum ein Unternehmen in Frage. "Ich denke, dass ähnlich wie in Italien nicht einmal zwei Prozent der Firmen so etwas einrichten", sagt der OFT-Direktor.

Konflikt wegen Pausen
Auch in der Niederlassung des Reiseveranstalters Kuoni in Paris hat sich das Management gegen diese Variante entschieden, die "technisch schwer umsetzbar" sei. Stattdessen dürfen die Beschäftigten zur Zigarettenpause sieben Stockwerke nach unten auf die Straße - "auch wenn das Arbeitszeitverluste mit sich bringt". Mathieu Davoli, der Kurse nach dem Vorbild des jüngst verstorbenen Anti-Raucher-Papstes Allen Carr gibt, sagt bereits "Konflikte zwischen Rauchern und Nichtrauchern" voraus, "weil es letztere als ungerecht betrachten könnten, dass nur Raucher die Pausen bekommen".

350 Euro für sechs Beratungen
Deshalb wird in vielen Firmen und Behörden den Mitarbeitern geholfen, vom Glimmstängel loszukommen. Wer seinem qualmenden Angestellten ein Paket von sechs persönlichen Beratungen des OFT zur Verfügung stellen will, muss dafür immerhin 350 Euro hinblättern. "Das ist auf den ersten Blick viel Geld", sagt Osman, "aber die Investition zahlt sich immer aus". Immerhin haben US-Forscher errechnet, dass ein Raucher wegen schlechterer Leistung, häufigerer Krankheit und Zigarettenpausen seinen Chef rund 4.000 Euro im Jahr kostet.

Hälfte der Franzosen will aufhören
Umfragen zeigen immerhin, dass praktisch die Hälfte von Frankreichs 13 bis 15 Millionen Rauchern aufhören möchte. Und Chefs, die ihren Angestellten dabei helfen wollen, stehen nicht allein da: Die Krankenversicherungen wollen ab 1. Februar Ersatzprodukte wie Nikotinpflaster bis zu einer Höhe von 50 Euro im Jahr mitfinanzieren.

Bis 2008 noch in Cafes rauchen
Die Unverbesserlichen können außer auf dem Gehsteig bis zum 1. Januar 2008 noch in Cafes, Restaurants und Bars rauchen. Doch dann wird auch hier das Rauchverbot in Kraft treten. Die Gastwirte scheinen dabei genauso wenig geneigt, abgedichtete Raucherzimmer einzurichten, wie die Firmenchefs. 81 Prozent sagen, in ihren Lokalen sei das unmöglich.

Evin-Geseitz ignoriert
Bleibt abzuwarten, ob die Umsetzung des Rauchverbots diesmal konsequent durchgesetzt wird. Vor 16 Jahren trat schon einmal ein in Europa als wegweisend geltendes Anti-Tabak-Gesetz in Kraft, das in Frankreich Raucherzonen in öffentlichen Gebäuden und der Gastronomie auf ein Mindestmaß beschränkte. Das so genannte Evin-Gesetz wird aber bis heute weitgehend ignoriert. Der Verband der kleinen und mittleren Unternehmen in Frankreich (CGPME) bat die Regierung jetzt angesichts von "Umsetzungsschwierigkeiten" mit den neuen Anti-Tabak-Bestimmungen ab dem 1. Februar bereits vorsorglich um "Toleranz" bei der Ahndung von Verstößen.

(apa/red)