Rauchverbot von

"Wir sind entsetzt"

Eltern fordern für ihre Kinder eine rauchfreie Zukunft in Lokalen

Zigarette zum Kaffee © Bild: iStockphoto.com/illionaire

Dass das komplette Rauchverbot in der Gastronomie jetzt doch nicht kommt, beunruhigt viele Eltern. Sie wünschen sich für ihre Kinder besseren Schutz. Betroffene erzählen, wie sie die aktuelle Situation sehen.

Passivrauchen für Kinder besonders gefährlich

Seit letzter Woche ist es fix: Ab Mai darf in Österreichs Lokalen weiterhin geraucht werden. Obwohl die schädlichen Folgen des Passivrauchens hinlänglich bekannt sind, obwohl fast 550.000 Menschen bisher das Volksbegehren "Don' t smoke" unterschrieben haben. Leidtragende sind -neben Angestellten, die in verrauchten Lokalen arbeiten müssen - auch Kinder. Denn: In Nichtraucherbereichen von Lokalen, die auch über einen angeschlossenen Raucherbereich verfügen, ist die Feinstaubbelastung deutlich erhöht. Passivrauchen ist für Kinder besonders gefährlich. Ihre Körper befinden sich noch in Entwicklung; sie haben eine höhere Atemfrequenz und nehmen Schadstoffe in höherer Konzentration auf als Erwachsene. Das scheint der schwarz-blauen Regierung grundsätzlich bewusst zu sein. Immerhin darf in Autos künftig nicht mehr geraucht werden, wenn sich unter 19-Jährige darin befinden.

Im Bereich Gastronomie geht aber das Interesse der Wirte vor. FPÖ-Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein argumentierte jüngst im Nationalrat mit der traditionellen österreichischen Gastfreundschaft, die es zu erhalten gelte. Dazu gehöre auch, "dass der Gastgeber seine Gäste nicht maßregelt, wenn sie kleinere Schwächen haben".

Das IHS (Institut für Höhere Studien) hat zuletzt untersucht, ob Rauchverbote tatsächlich, wie oft behauptet, "Wirtesterben" auslösen. Dafür wurde das Wissen aus über 200 Einzelstudien aus 16 Ländern zusammengetragen. Das Ergebnis: Es zeigten sich in der überwiegenden Zahl der Studien keine Umsatzeinbußen, zum Teil sogar Umsatzsteigerungen. Einzig in Schottland habe das Rauchverbot zu Umsatzrückgängen in Pubs geführt. Generell, fassen die Forscher zusammen, sei durch ein allgemeines Rauchverbot kein wirtschaftlicher Schaden für die österreichische Gastronomie als Ganzes zu erwarten. Kleinere Schankbetriebe müssten eventuell unterstützt werden.

Auf der anderen Seite steht eine Gewissheit: Rund 1.000 Menschen sterben in Österreich jährlich an den Folgen des Passivrauchens. Mehr als bei Verkehrsunfällen.

Besorgte Eltern fordern daher in News: Schützt unsere Kinder. Sorgt für besseren Nichtraucherschutz.

"Rauchen ist nicht Freiheit, sondern Sucht"

Es ist nicht überall so wie in Österreich, davon sind Stefanie und Alexandar überzeugt: "Sowohl in Bayern als auch in Bulgarien -den beiden Länder, aus denen wir kommen - ist es verboten, zu rauchen. Dort fällt es auf, wenn einmal jemand raucht." Nicht, dass die beiden nicht Verständnis für Raucher hätten. Stefanie hat zehn Jahre lang Zigaretten für sich gekauft, Alexandar tut es noch immer. Seit er 16 Jahre alt ist, raucht er im Schnitt ein Packerl pro Tag. Aber gerade deshalb ist ihnen das bei Rauchern so beliebte Argument der "Freiheit" umso fremder:

"Beim Rauchen geht es nicht um Freiheit, Rauchen ist eine Sucht." Dass das bereits fixierte Rauchverbot nun gekippt wird, stört sie aber nicht nur selbst, sondern vor allem auch wegen der Töchter Theresia (vier), Olivia (sieben) und Lorena (14)*. "Derzeit gehen wir nicht übertrieben oft fort", sagt Lehrerin Stefanie. "Aber wenn, ist es doch angenehm, wenn man beim Essen nicht in einem verrauchten Lokal sitzt", ergänzt Künstler Alexandar. "Wir gehen also fast schon automatisch in Nichtraucherlokale."

Trotzdem bleibt Rauchen mit der wiederbelebten Regelung nun aber in den Gaststätten und damit in der Gesellschaft omnipräsent. Ein Umstand, der Alexandar zum Nachdenken bringt: "Wir werden den Kindern zwar davon abraten, zu rauchen, verbieten können wir es ihnen aber nicht." Stefanie will den Mädchen aber erzählen, wie es ihr damit gegangen ist und - vor allem - warum sie aufgehört hat. "Derzeit gilt Rauchen bei 14-jährigen Schülern ja als ungesund und grauslich", sagt die Lehrerin. Damit sich das Einstiegsalter in den Rauchkonsum aber noch stärker nach oben verschiebt, würde Stefanie zudem für ein bundesweites Rauchverbot bis 18 Jahre plädieren: "Dann gibt es auch keine Diskussionen, warum vor der Schule nicht mehr geraucht werden darf."

"Das Ziel ist eine rauchfreie Zukunft"

Wer freiwillig verrauchte Gaststätten aufsuche, treffe eine bewusste Entscheidung, sagt Birgit: "Anders ist es, wenn es beruflich notwendig ist, in Lokalen Zeit zu verbringen, in denen die Luft kaum auszuhalten ist." Das sei bei ihr häufig der Fall, so die Musikerin. Umso wichtiger ist es der Niederösterreicherin, dass sie ihre private Zeit rauchfrei verbringt. Auch wegen ihrer beiden Kinder, Bernadette (drei) und Maximilian (sechs)*: "Alle unsere Lieblingslokale sind reine Nichtraucherlokale." Das bestätigt auch der Vater der Kinder, Walter (52, nicht im Bild):"Dafür gibt es andere Orte, an denen man dem Rauch regelrecht ins Gesicht geblasen bekommt: an Autobushaltestellen, in Fußgängerzonen oder vor U-Bahn-Stationen."


Die Tatsache, dass bereits fast 550.000 Menschen das Rauchfrei-Volksbegehren unterstützen, müsse eigentlich Grund genug sein, "dass die Wirte sich überlegen, wer ihre Zielgruppe ist", so der Physiker. Beide haben nie geraucht. "Lediglich gekostet. Aber es schmeckt nicht", so die Musikerin. Vielleicht ist ihr Ziel deswegen so klar: "Wir wollen eine rauchfreie Zukunft für unsere Kinder", sagen Birgit und Walter unisono.

Die Musikerin wundert sich außerdem, dass es gar kein Wort für jene Leute gibt, die nicht zur Zigarette greifen, in dem"Rauchen" nicht vorkommt: "Das Wort ,Nichtraucher' allein beinhaltet, dass man etwas nicht tut, im Sinn von ,nicht können'." Auch seien sich Raucher gar nicht bewusst, dass sie durch ihren Rauch andere beeinträchtigen. "Früher haben die Leute gefragt, ob sie in der Gegenwart anderer rauchen dürfen, heute wird das als selbstverständlich vorausgesetzt", sagt Walter. Genau da liege auch der Unterschied zum Alkoholkonsum, so Birgit: "Wenn jemand neben mir Alkohol trinkt, trage ich keinen Schaden davon."

"Das ist meiner Meinung nach nicht sehr gerecht"

Francesco (42) fragt sich, warum wirtschaftliche Interessen mehr zählen als die Gesundheit

© Michael Mazohl/News

Für den Facharzt für Kinderheilkunde sind die aktuellen Entwicklungen unverständlich. "In der Kollegenschaft sind wir über diesen Rückschritt entsetzt", sagt Francesco. Er ärgere sich nicht nur als Arzt, "sondern als Staatsbürger" darüber, wenn die Dinge nach unklaren Kriterien bewertet würden. "Mögliche finanzielle Einbußen bestimmter Gruppen werden hier offensichtlich höher bewertet als die Gesundheit der Menschen. Da muss man sich fragen, wo die Prioritäten liegen. Es gibt Menschen, die es sich nicht aussuchen können, wo sie arbeiten und ob sie Passivrauch ausgesetzt sind."

Seit letztem Sommer ist Francesco nicht nur Arzt und Staatsbürger, sondern auch Vater eines kleinen Sohnes. "Man macht sich natürlich Gedanken, wie sehr Kinder wirklich geschützt werden. So, wie die Raucherregelung bisher gehandhabt wird, dass man in Lokalen zwar rauchfreie Zonen hat, aber in Wahrheit weiß jeder, dass der Rauch überall durchgeht, sind Kinder dem sehr wohl auch ausgesetzt. Das ist meiner Meinung nach nicht sehr gerecht."

Wie sollte die Gesetzeslage aussehen, damit die Menschen besser geschützt sind?"Die ursprünglich vorgesehene Regelung ist das, was wirklich zeitgemäß ist in Sachen Nichtraucherschutz. Die andere Sache ist natürlich, dass es verlockender ist, mit dem Rauchen anzufangen, wenn es überall erlaubt ist." Die Sache sei im Grund ziemlich einfach, meint der Neonatologe: "Jeder, der sich mit dem Effekt von Rauchen für die Gesundheit auseinandersetzt, sieht, dass es nicht gut ist. Für die Raucher nicht und für jene, die dem Passivrauch ausgesetzt sind, auch nicht."