Historisches von

Streit um Rauchen entbrannte
schon zu Shakespeares Zeiten

Jakob I. wetterte im 17. Jahrhundert gegen "neue Unsitte" aus Amerika

Mann mit Pfeife © Bild: Thinkstock

Man sprach damals noch vom schwarzen statt vom blauen Dunst - aber sonst war alles schon wie heute. "Rauchen ist eine Angewohnheit, die dem Auge widerwärtig, der Nase verhasst, dem Gehirn schädlich und den Lungen gefährlich ist." So wetterte im Jahre 1616 der englische König Jakob I. (1566-1625) in einem eigenhändig verfassten Flugblatt gegen die neue "Unsitte" aus Amerika. Schon damals, zu Shakespeares Zeiten, erhitzte das "Tabak-Trinken" die Gemüter.

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Im Jahre 1588 nahm der Streit explosive Formen an: Als der Kapitän eines Schiffes der Spanischen Armada einem seiner Männer das Rauchen verbot, geriet dieser darüber so sehr in Wut, dass er seine Pfeife über einem Pulverfass ausklopfte - und damit die ganze Galeone in die Luft jagte.

Seefahrer machte Rauchen populär

In England war das Rauchen durch den Seefahrer Sir Walter Raleigh (1554-1618) populär geworden. Selbst Königin Elisabeth I. (1533-1603) ließ sich von ihm den Umgang mit Pfeife und Stopfer beibringen. Ihr Nachfolger, der militante Rauchgegner Jakob I., ließ Raleigh 1618 köpfen. "Es ist mir unverständlich, warum ein Brauch, den ein so verhasster Kerl eingeführt hat, derart willkommen geheißen wird", wetterte der König - der allerdings Alkoholiker war.

Frühes Gesundheitsbewusstsein

Der "schauerliche Dunst" schädige die Gesundheit, informierte eine gedruckte "warning for tabacconists". Prinz Moritz von Oranien (1567-1625), der Oberbefehlshaber der niederländischen Armee, hielt Raucher als Soldaten für untauglich, und der Arzt Dr. Beverwijck berichtete in einem viel gelesenen Gesundheitsratgeber: "So habe ich einen Mann gekannt, der es alle Tage gewöhnt war, zwanzig Pfeifen zu trinken, was er so lange tat, bis er seinen Atem nicht mehr holen konnte und zuletzt erstickte." Auch Depressionen und Impotenz wurden aufs Rauchen zurückgeführt.

Tabaksqualm "heilende Wirkung"

Demgegenüber schrieben andere Ärzte dem Tabaksqualm heilende Wirkung zu. Der von Rembrandt porträtierte Heilkundige Nicolaes Tulp (1593-1674) verschrieb seinen Patienten mit Vorliebe parfümierte Zigarren als Medizin. Tulp, selbst starker Raucher, erreichte das für seine Zeit biblische Alter von 81 Jahren. Der Verfasser eines deutschen Flugblatts reimte: "Kommts dass mir dann und wann was fehlet
So schick ich nach dem Doctor nicht
Die brisgen (Prisen) sind schon abgezehltet
Worinn mein labsal zugericht
Ich nehm ein pfeiffgen in den mund
Und werd in einem huy gesund."

17. Jh.: Rauchfreie Zonen auf Schiff

Im Laufe der Zeit lernten Raucher und Nichtraucher, einander aus dem Weg zu gehen. Als der holländische Freibeuter Piet Heyn (1577-1629) 1628 in See stach, um die spanische Silberflotte zu kapern, hatte er auf seinen Schiffen Raucherecken und rauchfreie Zonen eingerichtet. Die Bordordnung schrieb vor: "Niemand darf Tabak saugen oder trinken außer an dem dafür vorgesehen Platz vor dem Großmast. Wer dieser Bestimmung zuwiderhandelt, wird acht Tage in Eisen gelegt und im Wiederholungsfall aus dem Mastkorb geworfen."

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